– Chinas Aktienbörsen: Sturzflug nach Euphorie….
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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick
Die Situation um Griechenland ist eskaliert. Das Hilfsprogramm ist Ende Juni ohne Einigung über eine Verlängerung ausgelaufen. Die griechische Regierung zahlte daher dem IWF die fälligen Schulden nicht züruck. Der Austritt aus der Eurozone ist damit in realistische Nähe gerückt, weshalb die europäischen Aktienmärkte je nach Nachrichtenlagen mit grossen Schwankungen reagieren. Im Fokus ist nun das Referendum vom Sonntag, bei dem das griechische Volk über die Sparauflagen der Gläubiger abstimmt.
In den bisherigen Umfragen liegen Befürworter und Gegner nahezu gleichauf. Werden die Forderungen der Gläubiger tatsächlich abgelehnt, erschwert dies neue Verhandlungen nochmals erheblich. Ein “Grexit” wäre dann wohl nur schwer abzuwenden. Bei einem “Ja” wäre die Chance grösser, dass doch noch ein Kompromiss erreicht wird und Griechenland in der Eurozone verbleiben kann. Kurzfristig dürfte die Unsicherheit aber auch in diesem Fall weiter hoch bleiben, da es dann zu einem Rücktritt der Regierung und Neuwahlen kommen könnte. Für eine Verhandlungslösung bleiben noch rund zwei Wochen Zeit. Am 20. Juli wird die nächste Rückzahlung für von der EZB gehaltene Obligationen in Höhe von 3.5 Mrd. Euro fällig. Erfolgt diese nicht ohne vorherige Einigung, muss die EZB die Notkredite an die griechische Notenbank rein rechtlich eigentlich stoppen.
Die Tagesschwankungen am chinesischen Aktienmarkt sind unterdessen noch grösser als in Europa. Die Börsen in Shanghai und Shenzhen sind in den letzten zwei Wochen um je rund 30% eingebrochen. Dem ging ein fulminanter Gipfelsturm voraus. In den letzten zwölf Monaten hat der Shanghai Index um 150% zugelegt und in Shenzhen haben sich die Kurse verdreifacht. Angetrieben wurde die Aktienrally von einer Reihe von Faktoren: Die Öffnung der Märkte für ausländische Investoren schreitet voran, die Kurse wurden durch Käufe auf Kredit und der stark steigenden Beteiligung von Kleinanlegern befeuert, und die Zentralbank hat die Geldpolitik in den letzten Monaten elockert. Im Gegensatz zu früheren Boomphasen hat die Regierung diesmal lange Zeit keine Massnahmen zur Abkühlung der Aktienhausse beschlossen. Die Euphorie hat dann vor zwei Wochen einen Dämpfer erhalten, als die chinesische Wertpapieraufsicht die Fremdfinanzierung für Aktienkäufe begrenzt hat. Überdies wurde bekannt, dass chinesische Festlandaktien nicht vor 2016 in den globalen Aktienindex MSCI World aufgenommen werden. Die Zentralbank hat als Reaktion auf den Einbruch sowohl die Leitzinsen als auch den Mindestreservesatz gesenkt. Die Aktienmärkte hat dies aber nicht beruhigt. Der Ausblick bleibt angesichts der Abkoppelung der Börse von der Realwirtschaft unsicher.
Die Turbulenzen an den globalen Aktienmärkten kommen für die US-Notenbank im Hinblick auf die geplante Zinswende ungelegen. Die amerikanischen Aktien haben in den letzten Tagen jedoch wenig korrigiert. Der Dollar hat sich zudem kaum aufgewertet. Und vor allem sind die Konjunkturindikatoren nach wie vor erfreulich: Die Stimmung in der Industrie hat sich erneut verbessert, wobei insbesondere die Auftragslage optimistischer eingeschätzt wird. Die solide Dynamik am Arbeitsmarkt hält zudem weiter an. Im Juni wurden 253’000 neue Stellen geschaffen.
Damit bleibt eine Zinserhöhung im September trotz hoher Marktvolatilität in Europa und China weiterhin in Reichweite. Das nächste Woche anstehende Sitzungsprotokoll der Notenbank dürfte diesbezüglich weitere Hinweise liefern.
Währenddessen hat die SNB gemäss ihrem Präsidenten Thomas Jordan am Devisenmarkt interveniert. EUR/CHF ist zuvor kurzzeitig unter Druck geraten, notiert nun aber wieder über 1.04. Die Käufe der SNB dürften eher gering gewesen sein. Weitere Interventionen sind so vorprogrammiert, falls die Situation in Griechenland nochmals eskaliert. Die Schweizer Konjunkturindikatoren fallen indes weiter gemischt aus. Während der PMI erstmals seit Monaten über 50 gestiegen ist, hat das KOFKonjunkturbarometer korrigiert. Wenn die Ungewissheit um Griechenland erstmal ausgeräumt ist, dürfte sich EUR/CHF angesichts der Konjunkturerholung in Eurozone schrittweise erholen. Wir rechnen deshalb nach wie vor mit einer soliden Schweizer Konjunkturentwicklung im weiteren Jahresverlauf.
Source: BONDWorld.ch
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