EZB signalisiert erneut Alarmbereitschaft…
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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick
Die US-Notenbank zieht eine erste Zinserhöhung im Dezember weiterhin ernsthaft in Betracht. Dies hat Fed-Vorsitzende Janet Yellen im Rahmen einer Kongressanhörung erneut angedeutet. Die Wirtschaft sei in guter Verfassung, vor allem der Privatkonsum. Und wenn am Arbeitsmarkt weitere Fortschritte erzielt werden, sei ein Zinsschritt im Dezember eine reale Möglichkeit. Die Terminmärkte reagierten mit einer gestiegenen Erwartung für eine Zinsanhebung im Dezember. Die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt zum Jahresende liegt nun bei knapp 60%. Die überaus robuste Unternehmensstimmung im Dienstleistungssektor unterstützt Janet Yellens positive Einschätzung zur Wirtschaftslage. Dies dürften nächste Woche auch die Detailhandelsumsätze bestätigten. Anderseits sorgen der niedrige Ölpreis und der starke Dollar, der mit Yellens Aussagen nochmals zugelegt hat, unverändert für harten Gegenwind in der Industrie. Während der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor auf hohe 59.1 gestiegen ist, kann sich die Unternehmensstimmung im verarbeitenden Gewerbe nur noch knapp über der wichtigen Marke von 50 halten. Ob der Zinsanstieg im Dezember erfolgt, hängt nun vor allem von den Arbeitsmarktdaten und der weiteren Entwicklung des US-Dollars ab. Wir erwarten die Zinswende weiterhin erst im März. Schlussendlich ist die Prognose für den weiteren Zinspfad aber wichtiger als der exakte Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung. Und da trotz des bereits weit fortgeschrittenen Konjunkturzyklus weiterhin keine Anzeichen für eine spürbar zunehmende Teuerung bestehen, hat sich am Ausblick nur langsam ansteigender Zinsen nichts geändert.
Eine baldige Zinserhöhung der Fed würde die Europäische Zentralbank sicherlich begrüssen. Die Aussicht auf einen USZinsschritt im Dezember hat dem bereits unter Druck stehenden EUR/USD erneut einen Dämpfer verliehen. Dies verringert die Notwendigkeit zusätzlicher geldpolitischer Massnahmen seitens der EZB. Zudem ist die Konjunkturdynamik im Euroraum nach wie vor robust. Nächste Woche dürften die BIPZahlen ein Quartalsplus von 0.4% zeigen. Das Expansionstempo bleibt also im Rahmen der letzten Quartale. Die Binnennachfrage, unterstützt durch niedrige Inflation und steigende Beschäftigung, kann die schwächere Schwellenländernachfrage bisher kompensieren. Entsprechend ist die Unternehmensstimmung weiterhin zuversichtlich, wie die Einkaufsmanagerindizes für Oktober zeigen. Nichtsdestotrotz hat Mario Draghi diese Woche wiederholt, dass die Abwärtsrisiken für den Konjunktur- und Inflationsausblick aufgrund der Abschwächung in den Schwellenländern und anderer externer Faktoren erhöht bleiben. An der nächsten Ratssitzung im Dezember soll daher geprüft werden, ob die aktuelle Geldpolitik noch angemessen ist. Die alarmierende Rhetorik der EZB-Offiziellen hat die Erwartungen für weitere Lockerungsmassnahmen im Dezember stark erhöht.
Dies hat auch SNB-Präsident Thomas Jordan auf den Plan gerufen. Die Nationalbank sei falls nötig zu zusätzlichen Interventionen bereit, sei dies über Devisenkäufe oder noch höheren Negativzinsen. Bislang war jedoch noch kein erhöhter Aufwertungsdruck auf den CHF zu beobachten.
Nächste Woche stehen vor allem die chinesischen Konjunkturdaten für Oktober im Fokus. Die Einkaufsmanagerindizes haben sich leicht verbessert. Das sind gute Vorzeichen für die harten Daten. Die Wachstumsverlangsamung bleibt kontrolliert, dank der Stimulierungsmassnahmen der Regierung. Für diese wird es jedoch dennoch immer schwieriger die eigenen, ambitionierten Wachstumsziele zu erreichen. Der neue Fünfjahresplan sieht für die kommenden Jahre ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 6.5% vor. Das stellt hohe Anforderung an den Dienstleistungsbereich und die Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft. Denn das Wachstum der Industrieproduktion beträgt bereits jetzt “nur” noch rund 6%. Indikatoren wie Stromproduktion und Frachtvolumen legen gar eine noch schwächere Dynamik nahe. Aufgrund der hohen Überkapazitäten sowie dem im internationalen Vergleich geringen Produktionsanteil wertschöpfungsintensiver Güter rechnen wir mit keiner schnellen Erholung der chinesischen Industrie.
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