US-Leitzinserwartungen nehmen ab….
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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick
Nach dem Nein beim griechischen Referendum haben Athen und Brüssel die Verhandlungen wieder aufgenom-men. Ministerpräsident Tsipras hat eine neue Reformliste eingereicht, welche den Forderungen der Gläubiger entge-genkommt. Die Aktienmärkte haben daraufhin am Frei-tagmorgen mit deutlichen Kursgewinnen reagiert. Ein drit-tes Hilfsprogramm könnte bereits am Sonntag beim Son-dergipfel der EU-Staaten beschlossen werden. Den griechi-schen Banken droht indes in den nächsten Tagen das Bar-geld auszugehen. Die Europäische Zentralbank hat die Notfallliquiditätsversorgung an den griechischen Banken-sektor bisher zwar aufrechterhalten, aber nicht ausgewei-tet. Ohne eine Verhandlungslösung am Wochenende wer-den sich die Liquiditätsprobleme derart verschärfen, dass Griechenland in Kürze eine Parallelwährung einführen dürfte. Ein Austritt aus der Eurozone wäre dann kaum noch abzuwenden.
Währenddessen hat sich auch der chinesische Aktiencrash zu einem Unsicherheitsfaktor für den globalen Finanzmarkt entwickelt. Da in China viele Kleinanleger von den enor-men Kursverlusten betroffen sind, dürfte sich die zuletzt noch gute Konsumentenstimmung eintrüben. Das könnte in den kommenden Monaten Spuren beim Privatkonsum hinterlassen und das Wirtschaftswachstum zusätzlich dros-seln. Die nächste Woche anstehende BIP-Veröffentlichung für Q2 dürfte zwar noch eine leichte Verbesserung gegen-über dem enttäuschenden ersten Quartal zeigen – dank der geld- und fiskalpolitischen Impulse der letzten Monate. Darüber hinaus sind die Konjunkturperspektiven aber un-gewiss. Im Moment ist noch schwer abzuschätzen, inwie-weit die gerade beschlossene abermalige Erhöhung der Staatsausgaben die negativen realwirtschaftlichen Effekte des Aktiencrashes abfedern kann.
Neben dem neuen Konjunkturprogramm hat die chinesi-sche Regierung mit drastischen Eingriffen am Aktienmarkt auf die panikartigen Verkäufe reagiert. Die grössten Akti-enbroker und Investmentfonds wurden dazu verpflichtet, Aktien zu kaufen. Zudem hat ein staatliches Finanzvehikel, das bisher vor allem als Kreditgeber für Aktienbroker fun-gierte, von der Zentralbank Liquidität erhalten, um damit direkt Aktien zu erwerben. Doch erst die Ankündigung, dass Grossanleger ihre Beteiligungen für ein halbes Jahr lang nicht verkaufen dürfen, hat den Markt vorerst etwas beruhigt. Ein Grossteil der Aktientitel ist jedoch nach wie vor vom Handel ausgesetzt. Mit den nach wie vor teuren Bewertungen und der konjunkturellen Ungewissheit bleibt das Abwärtsirisko hoch.
Angesichts des Volatilitätsanstiegs an den weltweiten Finanzmärkten haben sich die Zinserhöhungserwartungen in den USA wieder leicht nach hinten verschoben. Daran hat auch das jüngste Sitzungsprotokoll der Fed nichts ge-ändert. Die US-Notenbanker zeigten sich mässig besorgt über die internationalen Ereignisse. Die Situation in Grie-chenland und China hat sich in den Wochen seit der letz-ten Fed-Sitzung jedoch dramatisch verändert. Die Wahr-scheinlichkeit einer späteren Zinserhöhung hat damit zu-genommen. Aktuell ist die Konjunkturdynamik in den USA zwar solid, aber noch nicht breit abgestützt. Dies sollte sich nächste Woche erneut zeigen. Während der Detailhandel wieder klar zulegen dürfte, kommt der Industriesektor nur langsam in Schwung. Zuletzt hat sich die Unternehmens-stimmung im Verarbeitenden Gewerbe aber laufend ver-bessert. Janet Yellen wird daher an der anstehenden Kon-gressanhörung die Türe für einen Zinsschritt im September noch nicht schliessen. Angesichts der erhöhten Unsicher-heit an den Märkten dürfte sie aber vor allem vorsichtige Töne anschlagen und eine leicht spätere Zinserhöhung in Aussicht stellen.
Die Schweizerische Nationalbank hat indes aller Wahr-scheinlichkeit erneut am Devisenmarkt interveniert; diesmal bei einem im Vergleich zu früheren Interventionen relativ hohen Eurokurs von 1.04. Für die Märkte wird es damit zunehmend schwieriger zu antizipieren, ab welchem Kurs die SNB Euros kauft. Diese Unberechenbarkeit steigert wiederum die Wirkung der Devisenkäufe. Bei der mögli-chen jüngsten Intervention kletterte EUR/CHF innert Stun-den von 1.04 auf über 1.05.
Source: BONDWorld.ch
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