Image

23.01 Aktienmärkte weiterhin nervös

Globale Wachstumsrisiken nehmen zu..


Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld. Click here to register for your free copy 


Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die globalen Aktienmärkte hatten auch diese Woche einen schweren Stand, denn neben China sorgt weiterhin auch der überraschend deutliche Ölpreiszerfall für Nervosität. Der Preis für ein Fass Brent rutschte erstmals seit 2003 unter die 30USD-Marke. Die zentrale Rolle des grossen Angebotsüberhangs an Erdöl ist unbestritten. An den Finanzmärkten rückt aber immer mehr die Frage in den Fokus, inwieweit der niedrige Ölpreis auch eine schwache Nachfrage reflektiert. Zudem dominiert die Sorge über die negativen Folgen der Ölpreisbaisse. Denn in den Förderländern hat die jüngste Preisentwicklung die angespannte Lage nochmals verschärft, insbesondere in Russland und Brasilien. Beide Länder befinden sich bereits in einer schweren Rezession und der erneute Ölpreiszerfall nährt Zweifel, ob sich der BIP-Rückgang dieses Jahr tatsächlich klar verringern wird, wie bis anhin erwartet wurde. Entsprechend sind der russische Rubel und der brasilianische Real zuletzt wieder unter Verkaufsdruck gekommen.

Die anhaltende Schwäche in den Schwellenländern ist der Hauptgrund, wieso der Internationale Währungsfond diese Woche seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft nach unten revidiert hat. Aber auch die gestiegene Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung in den Industrieländern, insbesondere in den USA, sorgt dafür, dass die globalen Aktienmärkte derzeit keinen Halt finden. Fallende Energiepreise sind für weite Teile der US-Wirtschaft in der Regel positiv. In den letzten Monaten hat die Konsumlaune aber trotz niedrigen Benzinpreisen nicht weiter zugelegt. Stattdessen hat sich die Wachstumsdelle in der Fracking-Industrie verschärft, was mittlerweile auch andere Branchen trifft, wie z.B. die Stahlindustrie. Währenddessen sind aufgrund des anhaltend starken Dollars auch viele andere Industriebereiche weiterhin unter Druck. Die Aufträge für langlebige Güter dürften dies nächste Woche erneut bestätigen. Mit der anhaltend schwachen Industriedynamik und der lahmenden Weltwirtschaft steigt das Risiko einer Wachstumsverlangsamung.

Andererseits deuten die aktuellen Indikatoren zur Gesamtwirtschaft keine sehr starke Abschwächung an, da sich der Dienstleistungssektor weiterhin robust entwickelt. Dasselbe gilt auch für China, wo die grossen Verluste an den Aktienmärkten in keinem Verhältnis zu den gegenwärtigen Konjunkturdaten stehen. Die chinesische BIP-Dynamik hat sich auch im Schlussquartal 2015 nur moderat abgeschwächt. Die Konjunkturabkühlung dürfte sich zwar weiter fortsetzen. Insgesamt bleiben die Aussichten auf eine sanfte Landung der chinesischen Wirtschaft aber dennoch intakt – dank der immer grösseren Bedeutung des Dienstleistungssektors. Auch die breit angelegten Stimulusmassnahmen federn den Abschwung ab, wie sich zuletzt z.B. bei den Immobilienpreisen zeigte, die wieder steigen und von gelockerten Finanzierungsbedingungen profitieren. Zudem muss die Aktienkorrektur die Konsumlaune nicht zwingend dämpfen, wie sich nächste Woche bestätigen sollte. Denn nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der Bevölkerung hält Aktien.

Auch im Euroraum sind die aktuellen Konjunkturdaten nicht so schlecht, wie es die Aktienmärkte diese Woche vermuten liessen. Erste Indikationen für Deutschlands BIP-Wachstum zum Jahresende deuten eine ähnliche Dynamik wie in den Vorquartalen an. Dasselbe gilt für Frankreich, dessen BIPErgebnis bereits nächste Woche zur Veröffentlichung ansteht. Die Geschäftsklimaindizes für Januar sollten ebenfalls unverändert widerstandsfähig bleiben. Die französischen INSEEDaten fielen diese Woche solide aus. Nichtsdestotrotz haben mit der anhaltenden Schwellenländerschwäche und der drohenden Wachstumsverlangsamung in den USA die konjunkturellen Risiken zugenommen. Da zudem aufgrund der Ölpreisentwicklung auch dieses Jahr nicht mit einer wesentlichen Erholung der Inflation zu rechnen ist, hat Mario Draghi an der jüngsten EZB-Ratssitzung eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt .

In dieser Gemengelage sinkt die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank. Die Terminmärkte preisen nur noch einen Zinsschritt für das laufende Jahr ein, nämlich für September. Die jüngsten Turbulenzen dürften nächste Woche bei der Lagebeurteilung der Fed ins Communiqué Eingang finden. Ansonsten dürfte die FOMC-Sitzung ereignislos über die Bühne gehen. An den Aktienmärkten droht indes erneut eine volatile Woche. Erst wenn sich die von China und vom Ölpreis ausgelöste Nervosität legt, dürften sich die Aktienmärkte beruhigen. Dies gilt auch für den Schweizer SMI, der diese Woche erstmals seit dem Frankenschock vor einem Jahr zwischenzeitlich unter die 8000-Punkte-Marke fiel.

Quele: BONDWorld.ch


Newsletter
Ich habe gelesen
Privacy & Cookies Policy
und ich stimme der Verarbeitung meiner persönlichen Daten für die darin genannten Zwecke zu.
ETFWorld

Newsletter investmentworld.ch

Ich habe gelesen
Privacy & Cookies Policy
und ich stimme der Verarbeitung meiner persönlichen Daten für die darin genannten Zwecke zu.