LGT Navigator : In den Vereinigten Staaten sind die Lebenshaltungskosten auch im Februar weiter kräftig gestiegen. Auf Jahressicht erreichte die Inflationsrate fast schon acht Prozent und damit das höchste Niveau seit 1982.
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Dabei ist der Effekt des Ukraine-Kriegs und dem jüngsten massiven Anstieg der Rohstoffpreise noch gar nicht abgebildet. Bereits nächste Woche wird die entsprechende Antwort der US-Notenbank in Form einer ersten Zinserhöhung erwartet. Der steigende Inflationsdruck beschäftigt auch die EZB, die ihre Anleihenkäufe etwas früher beenden will als bisher angepeilt und damit leicht restriktiver ausgerichtet ist. Für eine Enttäuschung sorgten die erneut ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangenen direkten Gespräche zwischen Russland und der Ukraine.
Die Verbraucherpreise in den USA sind im Februar um +7.9% zum Vorjahr, getrieben von stark gestiegenen Energiepreisen – im Februar hat sich die Energiekomponente auf Jahressicht um knapp +26% verteuert. Die Inflationsrate ist damit so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die Kernrate, also ohne Energie und Nahrungsmittelpreise, betrug +6.4%. Die Zinswende in den USA ist damit nicht mehr aufzuhalten und das Fed wird am kommenden Mittwoch, den 16. März ihren Leitzins erstmals seit der Corona-Pandemie um mindestens 25 Basispunkte anheben.
Wie bereits zuvor in Europa – der EuroStoxx 50 schloss -3% tiefer bei 3’651.39 Punkten – gaben auch an der Wall Street die Aktienkurse am Donnerstag wieder nach. Der Dow Jones Industrial ging aber mit einem relativ geringen Tagesverlust von -0.34% bei 33’174.07 Punkten aus dem Handel. Einerseits sorgt der weiter steigende Inflationsdruck in den USA für Besorgnis und andererseits brachte das Spitzentreffen zwischen Russland und der Ukraine keine Annäherung. Der S&P 500 schloss -0.43% tiefer bei 4’259.52 Zählern und an der Technologiebörse Nasdaq fielen die Indizes um gut -1%. Ins Zentrum des Interesses rückt nun der geldpolitische Entscheid der US-Notenbank in der nächsten Woche. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte unterdessen auf knapp 2%.
In Asien folgten die Aktienindizes den negativen Vorgaben aus Übersee und tendieren zum Wochenschluss im negativen Bereich. In Tokio und in Hongkong verlieren die Indizes rund -2%.
EZB tritt trotz geopolitischer Unsicherheiten sachte auf die Bremse
Die Europäische Zentralbank (EZB) beliess wie erwartet die Leitzinsen unverändert auf Rekordtief. Andererseits soll nun aber das Volumen des APP-Anleihenkaufprogramms bereits Ende Juni reduziert werden, womit die Käufe im dritten Quartal dieses Jahres gänzlich beendet würden. Damit wird die Geldpolitik der EZB, angesichts des anhaltend hohen Inflationsdruck – im Euroraum beträgt die Inflationsrate aktuell +5.8% – und trotz der Risiken aus dem Ukraine-Krieg, leicht restriktiver. EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechnet wegen dem Krieg in der Ukraine mit «erheblichen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation». Die Konjunktur werde insbesondere durch den starken Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise gedämpft werden. Immerhin sollten die nachlassende Pandemie sowie eine Entspannung der Lieferengpässe für etwas Unterstützung sorgen.
Signifikante Anpassung der Inflations- und Wachstumsprognosen der EZB
Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine haben sich die Konjunkturaussichten für den Euroraum eingetrübt. In der Folge reduziert die EZB ihre BIP-Prognose für das laufende Jahr auf +3.7% von +4.2% (im Dezember). Für 2023 geht die EZB nun von +2.8% anstatt +2.9% aus und 2024 unverändert von +1.6%. Gleichzeitig wird in der Eurozone angesichts der höheren Energiepreise nun im laufenden Jahr eine Inflationsrate von +5.1% erwartet. Eine massive Verschiebung gegenüber der Dezember-Prognose von +3.2%. Im nächsten Jahr soll die Teuerungsrate dann auf +2.1% zurückgehen (bisher +1.8%).
Spitzentreffen zwischen Russland und der Ukraine endet ohne greifbare Ergebnisse
Das erste direkte Gespräch zwischen dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow und seinem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba in der Türkei sind gestern ohne vorzeigbare Resultate zu Ende gegangen und enttäuschten damit die Hoffnungen auf eine baldige Beendigung des Krieges. Der Kreml soll weiterhin auf seiner Forderung bestehen, dass sich die Ukraine in ihrer Verfassung für neutral erklärt und die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisch sowie die Separatistengebiete Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten anerkennt. Lawrow warf unterdessen dem Westen vor, mit Waffenlieferungen an die Ukraine den Konflikt zu verschärfen. Immerhin wolle man die direkten Gespräche grundsätzlich fortführen.
Weitere Massnahmen gegen den Kreml im Gespräch
Die G7-Länder wollen den Weg freimachen für höhere Zölle auf russische Güter. Im Vorfeld wolle US-Präsident Joe Biden heute Russland den sogenannten «Preferred Trade Status» entziehen. Damit würden die Handelsbeziehungen der USA gegenüber Russland in die gleiche Kategorie wie Kuba oder Nordkorea fallen. Biden spricht heute um 16:15 Uhr MEZ vor dem US-Kongress. In Brüssel diskutieren unterdessen die Staats- und Regierungschefs der EU über den weiteren Kurs in der Ukraine-Krise. Ein Importstopp für Öl, Gas und Kohle aus Russland scheint dabei immer stärker an Rückhalt zu gewinnen.
Wirtschaftskalender 11. März
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 08:00 | GB | Industrieproduktion (Januar, M/M) | +0.3% |
| 08:00 | DE | Verbraucherpreise (Februar, J/J) | +5.1% |
| 09:00 | ESP | Verbraucherpreise (Februar, J/J) | +6.2% |
| 16:00 | USA | Konsumentenstimmung (März) | 61.8 |
Unternehmenskalender 11. März
| Land | Unternehmen | Periode |
| DE | Lanxess | Jahreszahlen |
Quelle: BondWorld.ch
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