LGT Navigator : Hinweise auf eine aggressive Straffung der amerikanischen Geldpolitik dämpfen die Anlegerstimmung.
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Das Sitzungsprotokoll zum letzten Treffen der US-Notenbank könnte heute weitere Einblicke zum geldpolitischen Kurs liefern. Brüssel will den Import von Kohle aus Russland stoppen. Der Vorschlag liegt nun bei den EU-Mitgliedsstaaten.
Die Aussichten auf eine deutlich schärfere Gangart der US-Notenbank (Fed) sowie auf weitere Sanktionen gegen Russland setzten der zaghaften Erholung an den US-Börsen ein Ende. Der S&P 500 büsste am Dienstag -1.3% ein und der Dow Jones verlor -0.8%. Der konjunktursensitive Nasdaq Composite gab -2.3% nach.
In Asien folgen die Märkte den schwachen Vorgaben aus den USA, wobei insbesondere Technologiewerte unter Druck sind. In Tokio verliert der Nikkei -1.6%. Auch der Hang Seng Index in Hongkong notiert -1.6% leichter. Der Shanghai Composite gibt -0.3% nach.
Fed signalisiert rasanten Bilanzabbau
Im Fokus der Finanzmärkte steht heute das Protokoll zur letzten Sitzung der US-Notenbank. Anleger erwarten, dass das Sitzungsprotokoll weitere Anhaltspunkte zum geldpolitischen Kurs des Fed geben werden. Am vergangenen Meeting im März hat der Offenmarktausschuss (FOMC) das erste Mal seit Ausbruch der Coronakrise die Zinsen angehoben und einen steilen Zinserhöhungspfad in Aussicht gestellt. Die Währungshüter reagierten damit auf die höchste Teuerungsrate seit vierzig Jahren. Im Anschluss an das Treffen erklärte Fed-Chef Jerome Powell zudem, das FOMC könnte bereits im Mai mit dem Bilanzabbau starten und verwies auf das Sitzungsprotokoll für weitere Einzelheiten. Entsprechend hoch sind nun die Erwartungen.
Am Dienstag befeuerte Fed-Mitglied Lael Brainard Spekulationen über eine rasche Straffung der Geldpolitik. Die US-Notenbank strebe eine schnelle Verringerung der Notenbankbilanz an, sagte die Ökonomin, die auf ihre Bestätigung als Fed-Vizepräsidentin wartet. Sie nannte erneut die nächste Sitzung im Mai als möglichen Starttermin und fügte hinzu, das Fed sei bereit, im Kampf gegen die hohe Inflation noch schärfere Massnahmen zu ergreifen. Die Rede von Brainard sorgte für Bewegung an den Bondmärkten. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterten auf bis zu 2.562% und notierten damit auf dem höchsten Stand seit 2019. Schliesslich pendelten sie sich bei 2.55% ein. Damit lagen sie leicht höher als die Zweijahresrenditen, die bei rund 2.5% handelten.
Brüssel plant Embargo russischer Kohleimporte
Die EU-Kommission hat am Dienstag neue Sanktionen gegen Russland vorgeschlagen. Das Paket beinhaltet auch ein Importverbot für Kohle sowie weitere Handelseinschränkungen, unter anderem für russische Banken. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begründete die neuen Massnahmen ausdrücklich mit den Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung in der ukrainischen Stadt Butscha, die am Wochenende bekannt geworden waren. «Diese Gräueltaten dürfen und werden nicht ohne Folgen bleiben», sagte sie. Ob und wann die Sanktionen umgesetzt werden, ist offen, denn nun liegt der Vorschlag bei den 27 EU-Mitgliedstaaten. Der Stopp von Energielieferungen aus Russland ist innerhalb der EU umstritten, da Länder wie Deutschland und Italien insbesondere von russischem Gas abhängig sind. Der Verzicht auf Kohleimporte ist gemäss dem deutschen Wirtschaftsminister Robert Habeck aber einfacher: Bis im Sommer könne Deutschland auf russische Kohle verzichten, erklärte er.
Europäische Unternehmen trotzen widrigem Umfeld
Die Stimmung in den europäischen Unternehmen hat sich im März eingetrübt, allerdings ist der Rückgang trotz des Kriegs in der Ukraine moderat. Das zeigt der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone, der gegenüber dem Vormonat um 0.6 auf 54.9 Punkte gefallen ist, wie S&P Global am Dienstag nach einer zweiten Schätzung mitteilte. Damit wurde die erste Erhebung um 0.4 Punkte nach oben korrigiert. Zur Verbesserung des Ergebnisses hat insbesondere der Dienstleistungssektor beigetragen, der von weiteren Lockerungen der Corona-Schutzmassnahmen profitiert hat. Dagegen hat sich die Lage in der Industrie verschlechtert. Ein Indexwert von über 50 signalisiert eine Expansion der Aktivität.
Britische Wirtschaftsstimmung erholt sich
Die Stimmung in der britischen Wirtschaft hat sich im März überraschend aufgehellt. So kletterte der Einkaufsmanagerindex auf 60.9 Zähler und notierte 1 Punkt höher als im Vormonat. Das Barometer erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2021. In einer ersten Schätzung hatte S&P Global noch einen leichten Rückgang auf 59.7 Punkte ermittelt. Auch in Grossbritannien ist die erfreuliche Entwicklung dem Dienstleistungssektor zu verdanken. Allerdings haben sich die kurzfristigen Aussichten wegen des Kriegs in der Ukraine sowie der hohen Inflation eingetrübt.
Wirtschaftskalender 6. April
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 03:45 | China | Caixin Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (März) | 50.2 |
| 08:00 | DE | Auftragseingang Industrie (Februar, M/M) | +1.8% |
| 20:00 | USA | Protokoll zum letzten FOMC-Meeting |
Unternehmenskalender 8. April
| Land | Unternehmen | Periode |
| CH | Ems Chemie | Q1 2022 |
Quelle: BondWorld.ch
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