Naumer Hans-Jorg Allianz GI

Allianz GI : Entkoppelung

Allianz GI : Während die Inflationsraten, nicht nur in der Eurozone, weiter steigen, verschärft sich die Entkopplung zwischen Nominalrenditen und Preisanstiegen. 

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Von Dr. Hans-Jörg Naumer Director Global Capital Markets & Thematic Research


Trotz der Renditeanstiege der jüngeren Zeit wurden die Realrenditen noch stärker in den negativen Bereich gedrückt. Die Energiepreise bleiben die Haupttreiber, gefolgt von den Nahrungsmittelpreisen, wobei sich bereits zeigt, dass die Entwicklung auch in der Kernrate ankommt. Dabei kommt es schon bei der Inflationswahrnehmung selbst zu einer Entkopplung, je nachdem, wer auf die Inflationsraten schaut. Während die professionellen Prognostiker, wie auch die aus den Break-Even-Rates ablesbaren Erwartungen, noch verhältnismäßig moderat nach oben gedreht haben, zeigt eine Studie der Europäischen Kommission vom Dezember letzten Jahres, dass die Verbraucher von deutlich stärken Anstiegen ausgehen. Dabei sind die Inflationserwartungen der Verbraucher von den sozioökonomischen Faktoren abhängig, und dürften stark von der aktuellen Entwicklung geprägt sein. Das ist nicht unproblematisch, da aus dieser Wahrnehmung schnell lohnpolitische Forderungen werden, was dann die LohnPreisspirale in Gang bringen könnte.

Wenn schon nicht Entkopplung, so zumindest Divergenzen zeigen Indikatoren für wirtschaftliche und politische Unsicherheiten an, welche die Medienberichterstattung für die Länder u.a. der Eurozone auswerten. Hier zeigt sich: Je stärker die wirtschaftliche Nähe zu Russland (und je stärker die Abhängigkeit von Öl und Gas), desto höher erweisen sich die Ausschläge. Für die USA fällt der Anstieg im Vergleich mit der Eurozone noch einmal geringer aus. Eine ähnliche Divergenz zeigt sich auch beim „Composite Systemic Stress Index“ der Europäischen Zentralbank als Abbild des Stresses im Finanzsystem der einzelnen Länder.

Die divergente Medienberichterstattung sollte nicht ohne Auswirkung auf die Konjunkturund hier besonders auf die Sentimentindikatoren bleiben. Tatsächlich zeigen der Markit und der ISMEinkaufsmanagerindex für die USA derweil wiederholt Divergenzen bei der Entwicklung an, liegen aber unverändert auf expansivem Niveau. Der mehr auf die einheimische Industrie ausgerichtete Markit-Index stieg zuletzt, scheinbar von der Ukraine-Invasion unbeeindruckt weiter an. Dagegen verlor der mehr auf international agierende Großunternehmen fokussierte ISM-Index Terrain, weist aber dennoch auskömmliche Niveaus weit über der 50er-Marke auf. Die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone stehen dagegen insgesamt deutlich stärker unter dem Eindruck der militärischen Eskalation in der Ukraine, welche auch die Lieferkettenproblematik wieder verschärft. Am deutlichsten wird dies im direkten Vergleich des ISM für die USA mit dem ifoGeschäftsklimaindex für Deutschland.

Bei allen nationalen Einflussfaktoren (der USArbeitsmarkt präsentiert sich unverändert in einer herausragenden Verfassung, die Arbeitslosenrate von 3,6% steuert auf das historisches Vor-Covid-Tief zu) können die Divergenzen bei den Sentimentindikatoren auch als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Volkswirtschaften nicht alle gleich, und schon gar nicht gleich stark, unter den ökonomischen Folgen Ukraine-Invasion leiden. Dies bedeutet auch, dass sie von weiteren Entspannungen bei der Covid19- Pandemie profitieren können. Tatsächlich geht die Zahl der neuen Fälle global ebenso zurück, wie die Zahl der Pandemie-Toten.

Während die Wachstumserwartungen aufgrund der geopolitischen Lage angepasst werden müssen, bzw. schon angepasst wurden, wäre es in der Gesamtsicht noch zu früh, von einer länger anhaltenden Stagflation, oder gar globalen Rezession auszugehen.

So sollten auch die in der kommenden Woche anstehenden Indikatoren Belastungen anzeigen, nach Regionen unterschiedlich, was aber nicht heißen muss, dass der Wachstumspfand verlassen wird. Wichtig wird dabei das am Donnerstag anstehende Verbrauchervertrauen d. Universität Michigan. Es hatte zuletzt stark verloren, divergiert aber vom immer noch robusten, vom Arbeitsmarkt geprägten, Verbrauchervertrauen des Conference Boards.

Die Woche voraus

Von der technischen Verfassung fällt auf, dass sich die auf den Euro STOXX eingegangenen Short-Positionen auf einem extrem hohen Niveau bewegen. Ein großer Pessimismus der Anleger trifft auf Relative-Stärke-Indikatoren, die sich für die großen Benchmarks im neutralen Bereich bewegen. Ein unmittelbarer Abgabedruck lässt sich daraus nicht ablesen.

Eine Woche positiver Nachrichten wünscht Ihnen,

Quelle: BondWorld.ch


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