LGT Navigator : Steigende Erdölpreise vor dem Hintergrund des (teilweisen) Ölembargos der EU gegen Russland haben die Inflations- und Rezessionsängste weiter angeheizt und trüben die Börsenstimmung erneut.
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In der Eurozone erreichte die Inflationsrate im Mai erneut ein Rekordhoch und setzt damit die Europäische Zentralbank (EZB) weiter unter Druck, die Leitzinsen bald zu straffen.
Der Kompromiss der EU hinsichtlich des Ölembargos gegen Russland trieb die Ölpreise zeitweise auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten. An der New Yorker Börse starteten die Aktienindizes, nach einem Feiertag am Dienstag, mit Verlusten in die neue Handelswoche. Der Dow Jones Industrial schloss -0.67% gegenüber dem Freitagsschluss bei 32’990.12 Punkten und der S&P 500 gab um -0.63% auf 4’132.15 Punkte nach. Unter Druck gerieten vor allem Rohstoffaktien, insbesondere Ölkonzerne wie Chevron oder ExxonMobil, was teilweise mit Gewinnmitnahmen erklärt werden dürfte. An der Technologiebörse Nasdaq verbuchten die Indizes zwischenzeitliche Gewinne, konnten diese aber bis zum Schluss nicht halten und gingen mit moderaten Tagesverlusten von rund -0.3% aus dem Handel. Den Wonnemonat Mai schlossen die Tech-Indizes damit aber mit einem Minus von rund -1.7% ab.
In Asien tendierten die Aktienmärkte ohne klare Tendenz. In Tokio notiert der Nikkei 225 rund +0.5% höher, während der Hang Seng in Hongkong etwa -0.75% tiefer notiert als am Montag. Positive News waren aus der Millionenmetropole Shanghai zu vermelden, wo nach zwei Monaten «Lockdown» die Beschränkungen weitgehend gelockert wurden. Andererseits signalisierte der Einkaufsmanagerindex für Chinas Industrie im Mai den dritten Monat in Folge eine Kontraktion, respektive eine Wachstumsabschwächung. Der Caixin-PMI gab von 48.1 auf 46.0 Punkte nach, was auch in etwa den offiziellen Einkaufsmanagerindex der Regierung spiegelt.
Teuerung, Zinsen und Wirtschaftsausblick trüben US-Konsumentenvertrauen
In den USA hat sich unterdessen die Konsumentenstimmung etwas weniger stark als erwartet eingetrübt. Angesichts der hohen Inflation, steigender Zinsen und Rezessionsängsten fiel das Verbrauchervertrauensbarometer des New Yorker Instituts The Conference Board im Mai von 108.6 im Vormonat auf 106.4 Punkte zurück (Konsens 103.6). Verschlechtert hat sich dabei sowohl die Einschätzung der aktuellen Situation als auch die Erwartungen der befragten Privathaushalte.
Inflationsrate im Euroraum erklimmt neues Rekordhoch
In der Eurozone ist die Teuerungsrate der Verbraucherpreise im Mai erneut auf einen Rekordstand gestiegen. Im Jahresvergleich kletterte die Inflationsrate auf +8.1% von +7.4% im April. Analysten hatten im Konsens eine Zunahme auf +7.8% prognostiziert. Treiber bleiben vor allem die explodierenden Energiepreise, jedoch scheint der Preisauftrieb immer «breiter» zu werden und dürfte damit die Europäische Zentralbank (EZB) immer stärker unter Druck setzen, dem Inflationsdruck mit einer baldigen Zinswende entgegenzutreten.
In Frankreich stiegen die Lebenshaltungskosten im Mai um +5.8% gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr und damit den vierten Monat in Folge. Die Teuerung in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Eurozone erreichte damit den höchsten Wert seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. Immerhin liegt die Inflationsrate in Frankreich damit aber doch noch klar unter derjenigen in der Eurozone und auch in Deutschland, wo im Mai die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr um +8.7% gestiegen sind.
Schwacher Jahresstart in Frankreich und Italien
Die französische Wirtschaft ist, revidierten Daten zufolge, zu Beginn des Jahres um -0.2% gegenüber dem Vorquartal geschrumpft. Eine erste Schätzung hatte noch auf eine Stagnation auf Quartalssicht hingewiesen. Schwach war insbesondere der Privatkonsum (-1.5%). Im Schlussquartal 2021 war das zweitgrösste BIP im Euroraum noch um +0.4% gewachsen. Etwas besser lief es in Italien, wo das BIP im Q1 überraschend um +0.1% zulegen konnte. Eine erste Erhebung hatte noch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um -0.2% in Aussicht gestellt. Auch in Italien schwächelte vor allem der private Konsum.
Preisdynamik am US-Immobilienmarkt dürfte sich bald abschwächen
Trotz der inzwischen gestiegenen Finanzierungskosten haben die Preise am amerikanischen Häusermarkt durchschnittlich weiter zugelegt. Gemäss dem S&P/Case-Shiller-Index sind die Immobilienpreise in den 20 grössten Städten der USA im März auf Jahressicht um +21.2% gestiegen – der kräftigste Anstieg seit Beginn der Datenreihe vor rund 35 Jahren. Gegenüber dem Vormonat wurde eine Zunahme der Preise von durchschnittlich +2.4% beobachtet. Angesichts gestiegener Hypothekenzinsen und einer weiteren geldpolitischen Straffung der US-Notenbank dürfte sich die Preisdynamik am US-Immobilienmarkt aber demnächst abschwächen, kommentierte S&P.
Wirtschaftskalender 1. Juni
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 03:45 | China | Caixin Einkaufsmanagerindex Industrie (Mai) | 46.0 |
| 08:00 | DE | Einzelhandelsumsätze (April, J/J) | -2.7% |
| 10:00 | EZ | Einkaufsmanagerindex Industrie (Mai) | 54.4 |
| 16:00 | US | ISM Einkaufsmanagerindex Industrie (Mai) | 55.4 |
| 20:00 | US | Beige Book |
Unternehmenskalender 2. Juni
| Land | Unternehmen | Periode |
| FR | Remy Cointreau | Jahreszahlen |
| USA | Broadcom | Q2 |
| USA | Ciena | Q2 |
Quelle: BondWorld.ch
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