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LGT Navigator: Rekordhohe Inflation im Euroraum verstärkt Zinsängste an den Börsen

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LGT Navigator : Nach einem Erholungsversuch drehten Aktienbörsen zur Wochenmitte wieder in die Verlustzone und in Europa, an der Wall Street und heute auch in Asien setzten die Indizes die Talfahrt fort.

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Hintergrund waren insbesondere in Europa neuste Daten zur Inflation, welche die Befürchtungen eines sich noch weiter beschleunigten Preisauftriebs unterstrichen. In der Folge kletterte die Rendite zweijähriger Bundesanleihen zeitweise auf über 1.2% und verzeichneten damit im August den grössten monatlichen Sprung seit gut 40 Jahren.

Der EuroStoxx 50 verlor -1.25% und beendete den Monat auf einem Stand von 3’517.25. Damit verlor der europäische Benchmark im Monat August mehr als fünf Prozent. Gleichzeitig stiegen die Renditen deutscher Staatsanleihen im August vor dem Hintergrund der hohen Inflation so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen erhöhten sich im August um rund 85 Basispunkte und verzeichneten damit den stärksten Anstieg seit 1981.

Auch in New York konnten sich die Aktienindizes zum Monatsschluss nicht vom Abwärtsdruck befreien und verbuchten erneut Verluste. Der Dow Jones Industrial gab am Mittwoch um -0.88% auf 31’510.43 Punkte nach und registrierte damit den vierten Verlusttag in Folge und auf Monatssicht einen Rückgang um -4%. Der S&P 500 gab gestern um -0.78% nach und ging bei 3’955.00 Zählern aus dem Handel. An der Nasdaq verloren die Indizes rund -0.6%. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hält sich derzeit knapp unter 3.2%. 

Während in Europa vor allem die Angst vor einer massiven Energiekrise die Anleger verunsichert, hallt in den USA vor allem die Äusserungen von US-Notenbankchef Powell am Jackson Hole Zentralbankensymposium nach, wo der Fed-Vorsitzende die Aussicht auf weitere kräftige Zinsschritte bekräftigte. Ins Zentrum des Interesses tritt nun der morgen anstehende Arbeitsmarktbericht aus den USA, der für die weitere Ausrichtung der amerikanischen Geldpolitik mitentscheidend ist.

Die Aktien im asiatisch-pazifischen Raum handelten am Donnerstag grösstenteils niedriger. Der japanische Nikkei 225 rutschte um -1.8% ab und der Hang-Seng in Hongkong notiert rund -1.5% tiefer. Der südkoreanische Kospi gibt um rund -1.8% nach und in Australien fiel der S&P/ASX 200 kurzzeitig um mehr als -2%. Auf dem chinesischen Festland legte der Shanghai Composite nach einem negativen Handelsstart um etwa +0.25% zu. Der breiteste MSCI-Index für den asiatisch-pazifischen Raum ausserhalb Japans büsste rund -1.6% ein. Für Aufsehen sorgte u.a. ein Corona-bedingter «Lockdown» in der südwestchinesischen Metropole Chengdu.

Inflation im Euroraum von Rekordhoch zu Rekordhoch

Die Lebenshaltungskosten in den Euroländern sind im August im Schnitt um +9.1% zum Vorjahr gestiegen und notierten damit in der Geschichte der Eurozone erneut einen noch nie registrierten Höchstwert. Analysten waren von einem Anstieg von +8.9% im Juli auf +9.0% ausgegangen. Treiber bleiben vor allem die stark gestiegenen Energiepreise, die auf Jahressicht um fast +40% zugelegt haben. Teurer wurden aber auch Nahrungs- und Genussmitteln sowie Dienstleistungen. Ohne Berücksichtigung der oftmals volatilen Energie- und Lebensmittelpreise wurde im August eine Kernrate von +4.3% nach +4.0% im Vormonat erreicht. Die höchste Teuerung wurde in Estland mit rund +25% gemessen.

Entschlossenes Handeln der EZB gefordert

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht damit immer stärker unter Druck, am 8. September mit einer deutlichen Erhöhung des Leitzinses – vermutlich um 75 Basispunkte – ein klares Signal im Kampf gegen die Inflation zu setzen. Bundesbankchef Joachim Nagel forderte erneut eine kräftige Zinserhöhung im September und weitere Zinsschritte in den folgenden Monaten. Es bestehe das Risiko, dass die Phase hoher Inflation noch länger anhalte, und die aktuelle Teuerungswelle nur langsam abebbe. Der EZB-Rat müsse bei der nächsten Sitzung entschlossen handeln, um die Inflation zu bekämpfen, ansonsten könnten sich die Inflationserwartungen dauerhaft über der Zielmarke von zwei Prozent festsetzen, warnte der Präsident der deutschen Notenbank.

Der Euro profitierte von der Aussicht auf einen womöglich starken Zinsschritt der EZB und von den enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten von ADP. Die Gemeinschaftswährung konnte sich gegenüber dem US-Dollar knapp über der Parität halten.

Gebremste Beschäftigungsdynamik in der US-Privatwirtschaft

Den neusten Daten des Arbeitsmarktdienstleisters ADP zufolge wurden in der amerikanischen Privatwirtschaft im August «nur» 132’000 neue Jobs geschaffen. Analysten hatten mit einem Zuwachs um 300’000 Arbeitsplätze gerechnet. Im Juli belief sich der Stellenzuwachs noch auf 270’000. Der ADP-Bericht gilt als Indikator für die am Freitag zur Veröffentlichung stehenden monatlichen Arbeitsmarktdaten aus Washington. Für «Zündstoff» sorgt aber vielmehr eine kräftige Zunahme der erstmals von ADP publizierten Daten zur Lohnentwicklung. Demnach sind die Saläre der befragten Unternehmen im August gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um +7.6% gestiegen.

Wirtschaftskalender 1. September

MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:00DEEinzelhandelsumsätze (Juli, M/M)-1.6%
08:30CHVerbraucherpreise (August, J/J)+3.4%
09:15ESEinkaufsmanagerindex Industrie (August)48.5
09:30CHEinkaufsmanagerindex Industrie (August)58.0
09:45ITEinkaufsmanagerindex Industrie (August)48.5
09:50FREinkaufsmanagerindex Industrie (August)49.0
09:55DEEinkaufsmanagerindex Industrie (August)49.8
10:00EZEinkaufsmanagerindex Industrie (August)49.7
10:30GBEinkaufsmanagerindex Industrie (August)46.0
11:00ITBIP Q2 (Q/Q)+1.0%
11:00EZArbeitslosenrate (Juli)6.6%
14:30USAProduktivität ex-Agrar Q2 (Q/Q)-4.6%
14:30USAErstanträge Arbeitslosenversicherung (wöchentlich)243’000
15:45USAEinkaufsmanagerindex Industrie (August)51.3
16:00USAISM Einkaufsmanagerindex Industrie (August)52.8

Unternehmenskalender 1. September

LandUnternehmenPeriode
FRPernod RicardJahreszahlen
USABroadcomQ3

Quelle: BondWorld.ch


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