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Alvarez & Marsal : Anteil der angeschlagenen unternehmen in europa und der Schweiz nimmt zu

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Das weltweit tätige Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal (A&M) hat heute seinen halbjährlich erscheinenden Alvarez & Marsal Distress Alert (ADA)1 veröffentlicht, der die Ertrags- und Finanzlage von mehr als 7.0002 Unternehmen in Europa bewertet.

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Alessandro Farsaci, Managing Director und Head of Restructuring Schweiz bei Alvarez & Marsal


Die Untersuchung stellt fest, dass die Zahl, der finanziell angeschlagenen Unternehmen in Europa seit der Zeit vor der Pandemie um 20 % gestiegen ist, wobei fast 7003 Unternehmen (8,4 %) von ernsthaften Problemen betroffen sind, die eine Restrukturierung erforderlich machen.

Europaweit wurden 2.000 europäische Unternehmen mit schwachen Bilanzen identifiziert, was einem Rekordwert von 27,7 % aller bewerteten Unternehmen entspricht. Hierin spiegelt sich die hohe Verschuldung wider, die Unternehmen während einer langen Phase extrem niedriger Zinsen aufgebaut haben, wobei die Rückzahlungsfähigkeit aufgrund der steigenden Kapitalkosten unter Druck gerät.

Obwohl der Anteil der Unternehmen mit mangelnder Leistungsfähigkeit in der jüngsten Analyse von 13,3 % auf 12,8 % leicht zurückgegangen ist, bestehen weiterhin Herausforderungen für die Zukunft. Die Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, höhere Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, und es wird erwartet, dass der Druck auf die Margen im Laufe des Jahres steigen wird, was sich negativ auf die Ertragslage auswirken kann.

Alessandro Farsaci, Managing Director und Head of Restructuring Schweiz bei Alvarez & Marsal, sagt: “Das Insolvenzrisiko der Unternehmen nimmt in ganz Europa zu, und die Bilanzen sind so schwach wie seit 2020 nicht mehr. Trotz einer moderaten Verbesserung der Performance in jüngster Zeit, die unter anderem auf Nachholbedarf und Preissteigerungen in ausgewählten Sektoren zurückzuführen ist, müssen viele der in unserer Studie untersuchten Unternehmen weiter und konsequent ihre Transformationsprogramme oder umfassende, einschneidende Restrukturierungen umsetzen oder die Kapitalstrukturen anpassen bzw. die Verschuldung senken.

Europäische Branchentrends

Der Konsumgütersektor verzeichnete einen deutlichen Anstieg von ca. 25 % im Vergleich zum Vorjahr, wobei ca. 12% der Unternehmen eine (akut) angespannte Finanzlage aufweisen. Diese Gruppe, zu der Mode-, Elektronik- und Möbelgeschäfte gehören, ist stärker von nicht existenznotwendigen Ausgaben von Konsumenten abhängig, und die angespannte Lage spiegelt das sich verschlechternde makroökonomische Umfeld und den Druck auf die Haushaltsfinanzen wider.

Im Jahr 2022 zeigte auch der Automobilsektor eine erhöhte Anfälligkeit: 10,5 % dieser Unternehmen befanden sich in Schwierigkeiten, 13 % mehr als im Vorjahr. Dies verdeutlicht die langfristigen Herausforderungen, die sich weiterhin auf die Rentabilität der Unternehmen auswirken, darunter Energiepreise, Probleme in der Lieferkette und Arbeitskräftemangel.

Die Turbulenzen auf dem europäischen Energiemarkt haben sich auf die Energieversorger ausgewirkt: 39 Energie- und Versorgungsunternehmen (oder 11,1 %) befinden sich in einer angespannten Situation, was einem Anstieg von 39 % entspricht. Insbesondere der Prozentsatz der Gasversorgungsunternehmen, die sich in Schwierigkeiten befinden, stieg von 6,5 % im Jahr 2021 auf 19,4 % im vergangenen Jahr. Aufgrund der zunehmenden Preisvolatilität hatten viele Energieversorger Schwierigkeiten, höhere Tarife an die Kunden weiterzugeben. Besonders betroffen waren Unternehmen, die ihren Kunden Festpreisverträge zu einem historischen Wert verkauft hatten.

Kirkbright Paul Alvarez & MarsalPaul Kirkbright, Managing Director und Head of EMEA Financial Restructuring Advisory bei Alvarez & Marsal, äussert: “Energieintensive Sektoren wie die Automobilindustrie und die Industrie leiden ebenso wie die Energieunternehmen. Auch die konsumentennahen Sektoren kämpfen um die Aufrechterhaltung ihrer Umsätze, da die Kosten steigen und die Verbraucher den Gürtel enger schnallen. Für diese Unternehmen wird es von entscheidender Bedeutung sein, ihre kurzfristigen Bedürfnisse zu berücksichtigen und dabei die langfristigen Wachstums- und Investitionsmöglichkeiten nicht aus den Augen zu verlieren.”

Insolvenzrisiko in der Schweiz bleibt auf tiefem Niveau

In der Schweiz hat das Insolvenzrisiko der Unternehmen im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr zugenommen, bleibt aber im Vergleich zu anderen europäischen Ländern auf einem niedrigen Niveau. Dies zeigt sich an einem durchschnittlichen Robustheitswert von 5,1.

Darüber hinaus hat das Schweizer Staatshilfepaket die Unternehmen weitgehend vor den negativen Auswirkungen der Pandemie geschützt. Die so genannte Covid-19-Konkurslücke – Insolvenzen, die zwischen 2020 und 2022 aufgrund von finanziellen Unterstützungsmassnahmen des Staates nicht eintraten – hat begonnen, sich zu verringern und ist von 2.000 verzögerten Insolvenzen im dritten Quartal 2022 auf 1.700 im April 2023 gesunken. Darüber hinaus erreichten die Insolvenzen im ersten Quartal 2023 mit rund 1.800 Anmeldungen ein Rekordhoch, dass 22 % über dem Durchschnitt des Zeitraums 2017-19 liegt.

Sowohl die absoluten Zahlen als auch der europäische Trend zeigen, dass der Non-Food-Sektor in der Schweiz einer der am stärksten betroffenen Sektoren ist, der unter starkem Druck steht und in dem 25% der Unternehmen gefährdet sind – dies spiegelt sich in anderen europäischen Märkten wie Spanien und Italien wider, da die diskretionären Konsumausgaben reduziert werden.

Alessandro Farsaci, Managing Director und Head of Restructuring Schweiz bei Alvarez & Marsal, hält fest: “Insgesamt haben die Schweizer Unternehmen eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit bewiesen und weisen im Vergleich zu anderen europäischen Unternehmen konservativere Finanzierungsstrukturen auf, einschliessich einer geringeren Verschuldung. Doch die steigenden Zinskosten, der Fachkräftemangel und die allgemeine Stabilität der Weltwirtschaft stellen kurzfristig erhebliche Herausforderungen für Schweizer Unternehmen dar. Auch wenn die Stärke des Schweizer Frankens aus Sicht der Exporteure genau beobachtet wird, ist die Aufwertung derzeit weniger bedrohlich, da die Inflation in der Schweiz im Vergleich zu ihren grössten Handelspartnern niedriger ist.”

Quelle: AdvisorWorld.ch


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