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REYL: Chinas 30-60-Kohlenstoff-Ziel

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REYL : Präsident Xi Jinping überraschte die Welt im vergangenen September. Er erklärte, China wolle bis 2030 den Höhepunkt der Kohlenstoffemissionen erreichen und bis 2060 kohlenstoffneutral sein.

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Von Daryl Liew, Chief Investment Officer, REYL Singapur


Dies ist in der globalen Klimaschutzinitiative ein bedeutender Schritt nach vorne, da China mit 20 Prozent der jährlichen globalen Emissionen der grösste Kohlenstoffemittent der Welt ist.

Das Ziel bis 2030 den höchsten Kohlenstoffausstoss zu erreichen, stellt eine Herausforderung dar, ist aber erreichbar. Das andere Ziel bis 2060 kohlenstoffneutral zu sein, erscheint als eine gigantische Aufgabe. Der Grund dafür ist, dass Chinas Kohlenstoffspitzenwert wahrscheinlich viel höher liegen wird als in anderen Regionen – fast doppelt so hoch wie in den USA und zweieinhalbmal so hoch wie in Europa. Die Senkung der Kohlenstoffemissionen aus einer solchen Höhe erfordert nicht nur erhebliche Investitionen in grüne Energie, sondern auch drastische Änderungen des Wirtschaftsmodells, das China so viel Erfolg gebracht hat.

Abkehr von der Kohle

Eine Schlüsselstrategie besteht darin, den Energiemix Chinas zu verändern: weg von schmutzigen fossilen Brennstoffen wie Kohle und hin zur verstärkten Nutzung sauberer Energiequellen wie Wind, Sonne, Wasserkraft und Kernkraft. Kohle als einer der günstigsten fossilen Brennstoffe ist immer noch der wichtigste Rohstoff für die Energieerzeugung in China. Dies auch wenn die Dominanz von fast 80 Prozent der Stromerzeugung vor einem Jahrzehnt auf heute etwa 60 Prozent gesunken ist und nicht-fossile Quellen inzwischen zehn Prozent ausmachen. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass China jährlich etwa 3,9 Milliarden Tonnen Kohle verbrennt – mehr als das Vierfache des nächstgrössten Kohleverbrauchers.

China muss offensichtlich mehr tun. Im April hat Präsident Xi zugesagt, dass Chinas Kohleverbrauch bis 2025 seinen Höhepunkt erreichen und danach sinken wird. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass China trotz dieser Zusage weiterhin neue Kohlekraftwerke baut. Zwar könnte man argumentieren, dass die neueren Kohlekraftwerke effizienter sind und weniger Kohlenstoff pro erzeugter Energieeinheit ausstossen. Doch ist dies auch ein Zeichen dafür, dass es für China schwierig ist, sich vollständig von der Kohle zu verabschieden.

Herausforderung der Urbanisierung

China steht noch vor einer anderen Herausforderung: der nach wie vor erhebliche Entwicklungsbedarf des Landes. Die jüngste Volkszählung hat gezeigt, dass die Urbanisierungsrate in China in den letzten zehn Jahren schneller gestiegen ist als erwartet. Dieser Trend wird sich im nächsten Jahrzehnt fortsetzen, da die städtische Bevölkerung bis 2030 voraussichtlich um weitere 169 Millionen Menschen wachsen wird. Dies hat Auswirkungen auf den Wohnungsbestand und wird die Nachfrage nach Stahl und Zement ankurbeln, die für den Bau dieser neuen Städte und Gebäude benötigt werden.

Das Problem besteht darin, dass die Herstellung von Stahl, Zement und anderen Baumaterialien äusserst kohlenstoffintensiv ist und grosse Mengen an Strom für den Betrieb der Fabriken sowie fossile Brennstoffe für einen Teil des Prozesses erfordert. Dies ist der Grund dafür, dass die industriellen Emissionen 28 Prozent der Kohlenstoffemissionen Chinas ausmachen, weit mehr als in anderen Regionen. Die einzige Lösung für dieses Problem besteht darin, entweder die Kohlenstoffintensität während der Produktion zu verringern oder die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung zu nutzen. Das heisst Kohlenstoff abzuscheiden, bevor er in die Atmosphäre gelangt, und ihn unterirdisch zu speichern. Leider sind grosse technologische Durchbrüche erforderlich, bevor die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung derzeit eine praktikable Lösung darstellen würde.

Nationales Emissionshandelssystem (ETS)

Eine langfristige Lösung ist vielleicht die Einführung des nationalen Emissionshandelsmarktes in China im Juli, der derzeit die meisten Wärmekraftwerke Chinas abdeckt – etwa 40 Prozent der gesamten Kohlenstoffemissionen des Landes. Das Emissionshandelssystem ist zwar ein erster positiver Schritt, um ein Zeichen für den Wandel zu setzen. Aber es ist nicht zu erwarten, dass es zu Beginn viel bewirken wird. Dies liegt daran, dass das ETS kein “Cap-and-Trade”-System ist, das heisst es gibt keine Obergrenzen für die gesamten Kohlenstoffemissionen. China geht wahrscheinlich schrittweise an den Emissionshandel heran und lernt dabei vom führenden EU-ETS-System, das bei der Einführung ebenfalls keine Obergrenzen vorsah. Das EU-ETS brauchte mehrere Iterationen und mehr als ein Jahrzehnt, bevor es begonnen hat, die Emissionen in Europa spürbar einzudämmen. Es ist wahrscheinlich, dass Chinas ETS-System einen ähnlichen Entwicklungspfad einschlagen wird. Es ist daher zu erwarten, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch industrielle Akteure und eine harte Emissionsobergrenze einbezogen werden.

Quelle: AdvisorWorld.ch


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