Der Klimawandel ist eine der komplexesten und dringlichsten Nachhaltigkeitsherausforderungen, mit denen sich die Welt heute konfrontiert sieht. Dieser Dringlichkeit war man sich nie so bewusst wie……
Bertrand Janus, Head of CSR Reporting, Total
Interview 11 2015 Robeco SAM
im Vorfeld der in Paris stattfindenden UN-Klimakonferenz (COP 21), bei der ein globales Abkommen zur Begrenzung der CO2-Emissionen angestrebt wird. Bertrand Janus, der bei Total für die CSR-Berichterstattung verantwortlich ist, war beim diesjährigen RobecoSAM Forum in Zürich einer von drei renommierten Teilnehmern der Podiumsdiskussion «The future of fossil fuel investing». Während der Podiumsdiskussion erläuterte er, wie sich die Öl-und Gasindustrie auf eine CO2-arme Wirtschaft vorbereitet. In den nachstehenden Auszügen werden die wichtigsten Punkte beleuchtet, die er im Rahmen dieser lebhaften Diskussion zur Sprache brachte.
Die Desinvestition aus fossilen Energieträgern gewinnt bei bestimmten Investoren zunehmend an Bedeutung. Wie sehen Sie die derzeitigen Divestment-Kampagnen?
Investoren haben zwar einen gewissen Einfluss und der Dialog mit Unternehmen im fossilen Sektor ist äusserst wichtig, doch darf nicht vergessen werden, dass mehr als 70% der weltweiten fossilen Ressourcen de facto von Staaten oder staatlichen Unternehmen kontrolliert werden. Auf den Grossteil der fossilen Brennstoffreserven wird ein blosser Kapitalabzug aus den Unternehmen des fossilen Sektors daher letztlich nur geringe Auswirkungen haben. Um Einfluss auf die von Staaten kontrollierten Reserven fossiler Brennstoffe zu gewinnen, werden andere Mittel erforderlich sein, insbesondere ein verbindliches globales Abkommen bei den UN-Klimaverhandlungen im Dezember 2015 in Paris (COP21).
Wie reagiert die Öl- und Gasindustrie auf den Klimawandel?
Zunächst sei daran erinnert, dass der Öl- und Gassektor sehr vielfältig ist. Weltweit gibt es etwa 150 Öl- und Gasunternehmen. Einige davon sind grosse internationale Öl- und Gaskonzerne wie BP, Shell, ExxonMobil, Total, Chevron und andere, die in vielen Ländern tätig sind, dabei jedoch immer mit den einzelnen Staaten verhandeln, um eine Genehmigung für die Nutzung der Vorkommen bzw. Zugang dazu zu erhalten. Dann gibt es kleinere Unternehmen, die oft in sehr wenigen Ländern bzw. in manchen Fällen nur in den Vereinigten Staaten tätig sind. Und schliesslich gibt es nationale Ölgesellschaften, die zu den weltweit grössten zählen und grossenteils vom Staat kontrolliert werden. Es ist also sehr schwer über den Öl- und Gassektor als Ganzes zu sprechen.
Gleichzeitig ist Total Mitglied der IPIECA, der internationalen Vereinigung der Öl- und Gasindustrie für Umwelt- und Sozialfragen. Die IPIECA ist eine grosse Vereinigung, die rund 60 % der weltweiten Öl- und Gasproduktion repräsentiert. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz (COP 21) hat die IPIECA eine Taskforce eingerichtet, die das Dokument «The Paris Puzzle» erarbeitet hat, das im Juni 2015 veröffentlicht wurde. Wir sind konsensorientiert und dieses Dokument ist das Ergebnis sehr langer Diskussionen. Es spiegelt die derzeitige Haltung der Öl- und Gasindustrie in Bezug auf den Klimawandel wider. Ich glaube allerdings nicht, dass wir dieses Dokument schon vor ein paar Jahren veröffentlichen hätten können, was zeigt, dass sich derzeit ein Wandel vollzieht. Dieses Dokument macht deutlich, dass sich die Öl- und Gasindustrie bewusst ist, dass der Klimawandel für uns und für die künftigen Generationen eine Herausforderung darstellt, dass dringender Handlungsbedarf besteht und dass die Branche zur Bewältigung dieser Herausforderung beitragen kann. Der Energiesektor verändert sich jedoch nur langsam und manchmal dauert es Jahre, bis Fortschritte erzielt werden. Auch wenn rasch Massnahmen ergriffen werden können, werden einige Veränderungen Zeit brauchen.
Was ist bei den Bemühungen zur Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft die grösste Herausforderung für Ihr Unternehmen bzw. für den Öl- und Gassektor?
Wir sind uns bewusst, dass das Problem des Klimawandels dringend angegangen werden muss. Doch wie gesagt, die Umstellung des Energiesystems erfordert Zeit. Für uns besteht die Herausforderung also darin, zu ermitteln, wie wir unser Geschäftsmodell anpassen, unsere Cashflows in CO2-arme Energiealternativen reinvestieren und zugleich unsere Kernkompetenzen optimal nutzen können.
Wir erkennen an, dass wir Teil des Problems sind, aber Energie ist ein sehr umfassender und wichtiger Bestandteil der Weltwirtschaft und durch das Verbrennen fossiler Energieträger ist jeder Teil des Problems. Wir wollen nicht nur «die Bösen» sein, denen die Schuld zugeschoben wird, wir möchten auch sagen können, dass wir Teil der Lösung sind, da wir uns bemühen, die Welt auf ihrem Weg zu einer CO2-armen Wirtschaft zu unterstützen, indem wir auf eine Effizienzsteigerung beim Endverbrauch unserer Brennstoffe hinarbeiten oder beispielsweise mit Fahrzeugherstellern und Verbrauchern zusammenarbeiten, um die Energieeffizienz von Fahrzeugen zu erhöhen.
Tatsächlich wollen eine Reihe von Unternehmen weitere Schritte in diese Richtung machen. Deswegen wurde beim Weltwirtschaftsforum 2014 die Klimainitiative der Öl- und Gasindustrie, die Oil and Gas Climate Initiative (OGCI), ins Leben gerufen, die nunmehr zehn Mitglieder zählt: BG Group, BP, Eni, Pemex, Reliance, Repsol, Saudi Aramco, Shell, Statoil und Total. Die OGCI ist eine freiwillige, von der Branche getragene Initiative, die darauf abzielt, durch den Austausch über bewährte Verfahren und die Förderung einer branchenweiten Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Klimawandels sinnvolle Klimaschutzmassnahmen anzustossen. Die CEOs der OGCI trafen zum ersten Mal am 16. Oktober 2015 in Paris zusammen, um gemeinsam an einer Verbesserung ihrer Klimabilanz zu arbeiten und ihre Unterstützung für ein globales Abkommen zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2° C zu bekräftigen.
Welche Schritte unternimmt Total im Hinblick auf den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft?
Total hat Sunpower übernommen und ist seit 2011 einer der grössten Solarmodulhersteller. Bei unserem Investorentag, der im September in London stattgefunden hat, haben wir angekündigt, dass wir in den kommenden Jahren regelmässig (bis zu 500 Mio. USD jährlich) in erneuerbare Energien investieren werden. Es ist eine schwierige Herausforderung, denn sie ist global und muss daher auf globaler Ebene bewältigt werden, von einer Vielzahl von Ländern mit unterschiedlichen Interessen. Doch wir müssen jetzt handeln, damit für die künftigen Generationen positive Effekte zum Tragen kommen.
Die derzeit in Paris stattfindende Konferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen zielt auf ein globales Abkommen zur Senkung der weltweiten CO2-Emissionen ab. Was erwarten sich die Öl- und Gasunternehmen von den Politikern und Regulierungsbehörden?
Wir möchten, dass in Paris ein verbindliches internationales Abkommen ausgehandelt wird. Wir müssen langfristige Unternehmensinvestitionen tätigen und sind deshalb auf Transparenz angewiesen. Unsere Investitionsentscheidungen werden in der Regel auf Basis der bestehenden Rahmenbedingungen definiert und getroffen, daher müssen die künftigen Entwicklungen in diesem Bereich für uns absehbar sein. Ausserdem wünschen wir uns weltweit gleiche Ausgangsbedingungen statt z.B. von Region zu Region unterschiedliche Preisbildungsmechanismen.
An einigen der Initiativen, die ich beschrieben habe, beteiligen sich beispielsweise in erster Linie europäische Unternehmen. Ich denke, dass solche Initiativen von amerikanischen Unternehmen bislang nicht aufgegriffen wurden, weil sich Letztere hauptsächlich an den Rechtsvorschriften der Vereinigten Staaten orientieren. Es wäre also interessant zu sehen, was geschehen würde, wenn alle Unternehmen die gleichen Ausgangsbedingungen hätten.
Heisst das, dass Sie einen globalen Preisbildungsmechanismus für CO2-Emissionen unterstützen?
Ja. Das ist etwas, das wir uns wünschen, ich bin allerdings nicht sicher, ob wir es bekommen werden. Im Juni dieses Jahres haben sich sechs europäische Unternehmen, darunter Total, in einem Schreiben an die Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, Christiana Figueres gewandt und einen CO2-Preismechanismus gefordert, da wir der Ansicht sind, dass es wirklich ein Signal aussenden würde, wenn CO2-Emissionen einen Preis hätten. Bei Total berücksichtigen wir bei der internen Evaluierung all unserer neuen Projekte de facto seit 2008 einen CO2-Preis und zwar in Höhe von 25 Euro je Tonne. Das heisst, dass Projekte unter Zugrundelegung der Annahme rentabel sein müssen, dass wir die Kosten für die damit verbundenen Treibhausgasemissionen zu tragen haben.
Nehmen wir das Beispiel Erdgas. Erdgas könnte kurzfristig ein guter Übergangsbrennstoff sein, der in der Stromerzeugung die Kohle ersetzen könnte, zumal bei der Kohleverstromung für die gleiche Menge Strom doppelt so viel Treibhausgas emittiert wird wie bei der Gasverstromung. Stattdessen ist in Europa eine vermehrte Nutzung von Kohlekraftwerken zu beobachten, da Kohle im Vergleich zu Gas äusserst günstig ist. Würde ein CO2-Preismechanismus für ein Preissignal sorgen, würden de facto andere Energieformen mit einem niedrigeren CO2-Preis bevorzugt werden. Ein CO2-Preismechanismus könnte somit ein effektives Mittel sein, um die Reduktion der Kohleverstromung in Angriff zu nehmen.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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