Zwei Wochen nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei notiert der lokale Aktienmarkt weiterhin rund 10% tiefer….
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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick
Auch die türkische Währung, die Lira, konnte nur wenig an verlorenem Boden zurückgewinnen. Zu gross ist im Moment die Sorge vor den ökonomischen Folgen der politischen Turbulenzen. Zudem hat das Land ein vergleichsweise hohes Leistungsbilanzdefizit von über 4% des BIP und ist darum auf stabile Kapitalflüsse aus dem Ausland angewiesen. Die Aktienperformance seit Jahresbeginn liegt zwar immer noch im Plus. Aufgrund der Währungsabschwächung gegenüber CHF resultiert aus Schweizer Investorensicht aber dennoch keine positive Rendite.
Unter den grösseren aufstrebenden Märkten stellt die Türkei allerdings eher die Ausnahme dar. Die meisten Schwellenländeranlagen, darunter auch Unternehmens- und Staatsanleihen, verzeichneten in Franken umgerechnet nach mehreren durchmischten Jahren 2016 bislang ordentliche Gewinne. Zum Teil gibt es erstmals seit längerem auch eine positive Währungsrendite, z.B. in Brasilien und Russland. Beide sind wichtige Rohstoffexporteure und profitieren von der moderaten Preiserholung beim Erdöl und anderen Rohstoffen. Ein anderer Grund für die bessere Investorenstimmung liegt darin, dass der Zinserhöhungszyklus in den USA etwas an Bedrohlichkeit verloren hat, da die Fed schon seit Dezember 2015 pausiert. In den Industrienationen ist das Zinsniveau sogar nochmals gesunken, was die relative Attraktivität von Schwellenländer-Anleihen erhöht hat. Generell haben die Wachstumssorgen um die Emerging Markets in den letzten Monaten abgenommen. Neben dem gestiegenen Ölpreis liegt dies auch an China, dessen Konjunktur von einem umfangreichen Stimulusprogramm stabilisiert wird. Dies äussert sich auch bei der chinesischen Importnachfrage nach Rohstoffen aus anderen Schwellenländern. Bei den beiden Schwergewichten Brasilien und Russland gibt es wiederum vermehrt Anzeichen dafür, dass die Wirtschaft die Talsohle durchschritten hat. So tendiert die Unternehmens- und Konsumentenstimmung wieder leicht nach oben. In beiden Ländern fiel der BIP-Rückgang zuletzt immer geringer aus und für das nächste Jahr werden wieder positive Wachstumsraten erwartet.
Grosses Potential für zusätzliche Impulse bei Schwellenländeranlagen orten wir aber nicht. Der Erholung beim Ölpreis, der eng mit dem MSCI Emerging Markets Index korreliert, sind unseres Erachtens aufgrund des anhaltenden Überangebots an Erdöl enge Grenzen gesetzt, was die jüngste Korrektur untermauert. Neben externen Faktoren wie dem Ölpreis, belasten unverändert strukturelle Schwächen der eigenen Wirtschaft. Das Potentialwachstum hat sich in vielen aufstrebenden Märkten nach der starken Konjunkturphase von 2003 bis 2008 verringert. Seitdem enttäuschen die Produktivitätsfortschritte, da Strukturreformen im Grossen und Ganzen ausbleiben – mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Indien. Entsprechend rechnen wir nicht damit, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern kräftig erholt. Das Potential für eine expansivere Fiskalpolitik ist zudem begrenzt, da viele Länder mit hohen Budgetdefiziten und einer steigenden Verschuldung konfrontiert sind. In Brasilien gibt es zwar grosse Hoffnungen an das Reformprogramm der neuen Regierung unter dem Übergangspräsidenten Michel Temer. Die Börse in Sao Paolo und die brasilianische Währung Real sind dieses Jahr massiv gestiegen. Bislang gibt es aber noch keine zählbaren Reformfortschritte. Und Michel Temer sowie das halbe Parlament ist genauso in Korruptionsvorwürfe verwickelte wie die suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff.
Insgesamt empfehlen wir damit eine neutrale Quote für Schwellenländeraktien. Bei den Obligationen bevorzugen wir USD-Anleihen und meiden Staatspapiere in Lokalwährung. Neben den weiterhin gedämpften Wachstumssausichten sind verschiedene Risikofaktoren für die Schwellenländerwährungen noch nicht vom Tisch, beispielsweise die US-Zinspolitik. Die Fed hat angesichts besserer Konjunkturdaten wieder optimistischere Töne angeschlagen und es ist nicht ausgeschlossen, dass die tiefen Zinserwartungen an den Finanzmärkten wieder nach vorne rücken. Auch die erwartete Fortsetzung der Wachstumsverlangsamung in China kann jederzeit wieder zu Turbulenzen bei Schwellenländerwährungen führen, so wie zu Jahresbeginn. Wir sind daher nicht davon überzeugt, dass bei den Währungen und auch an den Aktienmärkten ein nachhaltiger Erholungstrend eingesetzt hat.
Quelle: BONDWorld.ch
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