Die Unternehmensgewinne halten mit den steigenden Aktienkursen nicht mit. Zudem dürfte die Volatilität zunehmen. Deshalb ist es Zeit, die Gewichtung von Aktien auf neutral zurückzunehmen, meint der Leiter der Assetallokation bei Robeco...….
Lukas Daalder von Robeco
In aller Kürze:
Gewichtung von Aktien wird wegen Risiko-/Ertragsaussichten auf neutral gesenkt.
Volatilität auf den Finanzmärkten hat Aktien noch nicht erreicht.
Bevorstehende Zinswende in den USA: Notenbanken schlagen divergierende Wege ein.
Aktien sind teuer, was historisch höhere Volatilität bedeutet.
Lukas Daalder ist der Meinung, dass der aktuelle Bullenmarkt in den nächsten Monaten ein vorübergehendes Ende finden könnte. Eine lang erwartete „Korrektur“ könnte Kursverluste von bis zu 10 Prozent bringen. Es sei denn, die Konjunkturdaten rechtfertigen immer höhere Bewertungen.
Um sich gegen mögliche Kursrückgänge zu wappnen, hat das Team für Assetallokation bei Robeco die lange bestehende Übergewichtung von Aktien auf neutral reduziert. Zudem hat das Multi-Asset-Portfolioteam die Übergewichtung des US-Dollar ausgebaut, weil es mit einer weiteren Aufwertung rechnet, sobald die Federal Reserve tatsächlich die Zinsen erhöht.
„Für die Entscheidung zur niedrigeren Gewichtung von Aktien waren zwei Gründe ausschlaggebend”, sagt Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions. „Der erste liegt in dem einfachen Prinzip, dass man niedrig kaufen und hoch verkaufen sollte.
Die globalen Aktienmärkte haben im bisherigen Jahresverlauf in lokalen Währungen eine Rendite von sieben Prozent erzielt (16 Prozent in Euro), was mehr oder weniger der Rendite für ein durchschnittliches Gesamtjahr entspricht und bereits mehr ist, als wir Ende vergangenen Jahres gehofft hatten. Weil diese Kursgewinne nicht von höheren Unternehmensgewinnen begleitet wurden, sind Aktien jetzt teurer. Die Risiko-/Ertragsaussichten für Aktien haben sich daher verschlechtert, so dass eine Reduzierung des Risikos ein logischer Schritt für uns ist.
Zweitens haben wir uns gefragt, welche Entwicklung jetzt wahrscheinlicher erscheint: ein weiterer Anstieg um zehn Prozent oder eine (vorübergehende) Korrektur um zehn Prozent? Natürlich können wir auch die erste Möglichkeit nicht ausschließen, aber wir haben eindeutig das Gefühl, dass die Wahrscheinlichkeit für die zweite in den letzten Monaten zugenommen hat. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass eine Übergewichtung von Aktien nicht mehr angemessen ist, so dass wir sie auf neutral zurückgenommen haben.”
‚Wir sind der Meinung, dass eine Übergewichtung nicht mehr angemessen ist.’
Leichte-Beute-Syndrom
Wie Daalder erklärt, hat die jetzige Entscheidung ihren Ursprung im vergangenen September. Die hohe Gewichtung von Aktien habe ihm das Gefühl gegeben, in besonders turbulenten Marktphasen „leichte Beute“ zu sein. Das Portfolio konnte die bisherigen Stürme zwar überstehen und lieferte gute Renditen für die Anleger, doch es war eine nervenaufreibende Erfahrung.
„Wir hatten seit fast zwei Jahren ein unveränderte Übergewichtung bei Aktien, die Ende 2014 eine maximale Long-Position erreichte. Solange die Aktien weiter stiegen, hat sich das ausgezahlt“, sagt Daalder.
„Allerdings haben Aktien im Verlauf des Jahres zwar immer wieder neue Allzeithochs erreicht, zwischendurch aber erhebliche Drawdowns verursacht. Im Zeitraum September-Oktober betrug der Drawdown acht Prozent. Während dieser volatilen Phasen beließen wir Aktien auf übergewichtet, so dass wir nur begrenzte Möglichkeiten hatten, bei Verkaufswellen effektiv zu reagieren. In diesen Zeiten waren wir so etwas wie leichte Beute. Wir haben uns ruhig verhalten und wurden am Ende dafür belohnt, aber wohl haben wir uns dabei nicht gefühlt.“
Die Volatilität dürfte im Jahr 2015 nicht weniger ausgeprägt sein, sagt Daalder. Dafür gibt es drei Gründe:
– Aktien sind immer teurer geworden. „Das bedeutet“, so Daalder, „dass der einfache Teil der Rally hinter uns liegt. In den beiden vorigen Aktienzyklen war klar das gleiche Muster zu erkennen: Fünf Jahre nach Beginn der Hausse nahm die Volatilität zu, weil Aktien nicht mehr offensichtlich billig und chancenreich waren.”
– Die schneller wachsenden USA werden die Zinsen erhöhen, während die Eurozone und Japan langsamer wachsen und die lockere Geldpolitik fortführen werden. Dadurch wird sich das Auseinanderlaufen der Volkswirtschaften auch in der Geldpolitik klar niederschlagen. „Traditionell ist die erste Zinserhöhung für Aktien nicht allzu schädlich, aber die Volatilität nimmt um sie herum zu“, so Daalder.
– Zunehmende politische Unsicherheit bezüglich Griechenland und der Ukraine und das chinesische Säbelrasseln gegenüber Japan im Südchinesischen Meer: „Weder für die griechische Schuldenkrise noch für den Krieg in der Ukraine und die damit zusammenhängen Sanktionen gegen Russland ist eine Lösung in Sicht“, meint Daalder.

Der einfache Teil der Rally liegt hinter uns. Quelle: Robeco, MSCI
Was also kommt jetzt?
Die große Frage für Anleger ist laut Daalder jetzt, ob die weitere Entwicklung des Aktienmarkts tatsächlich dauerhaft volatil sein wird – und genau davon geht er aus.
„Die Wahrscheinlichkeit ist weiter hoch. Die Unterschiede in den weltweiten Wachstumsraten waren zwar weniger ausgeprägt, als wir Anfang des Jahres erwartet hatten. Doch es gibt noch immer viele Argumente, die einen volatileren Handel erwarten lassen“, sagt Daalder.
„Die Fed wird im Spätjahr voraussichtlich die Zinsen erhöhen. Gleichzeitig sind Aktien 2015 teurer geworden, weil das Gewinnwachstum der Unternehmen nicht mit den Kursgewinnen an den Börsen Schritt hielt. Außerdem beunruhigen uns die Entwicklungen, die wir am Anleihemarkt sehen. Die Bewegungen dort sind zu heftig, als dass man sie ignorieren könnte.
Hinzu kommen die Sorgen um eine mögliche Blase bei chinesischen Aktien sowie die Tatsache, dass der Aktienmarkt die politischen Spannungen von Griechenland über die Ukraine bis zum Südchinesischen Meer bislang völlig ignoriert. Nicht zuletzt befinden wir uns in der Zeit des Jahres, in der Anleger in der Vergangenheit für übernommene Volatilitätsrisiken meist nicht belohnt wurden.”
Insgesamt, meint Daalder, ist daher eine vorsichtigere, neutrale Gewichtung von Aktien angemessen. Die Veränderungen bei der Assetallokation sehen Sie in der folgenden Tabelle:

Quelle: AdvisorWorld.ch
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