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UBS House View – Monthly Letter: Zurück in die Zukunft

Im Jahr 1985 war Steven Spielbergs Zurück in die Zukunft mein Lieblingsfilm. Er gestattete einen Blick in ein imaginäres Jahr 2015, in dem jeder mit einem Fahr­zeug mit Fusionsgenerator umherflog……


Mark Haefele, Global Chief Investment Officer von UBS Wealth Management und UBS Wealth Management Americas


Das tatsächliche Jahr 2015 gehört schon bald der Vergangenheit an, und unsere Autos fahren immer noch auf Strassen. Das sollte uns daran erinnern, dass man bescheiden und sorgfältig sein sollte, wenn man Prognosen erstellt. Allerdings sind Prognosen unabdingbar, um geeig­nete Anlagen für ein global diversifizier­tes Multi-Asset-Portfolio zu ermitteln. Mehr über unsere richtigen und falschen Prognosen für dieses Jahr sowie über die mehr als 200 Anlageprognosen für das nächste Jahr erfahren Sie in unserer soeben veröffentlichten Publikation Year Ahead 20161. Die Publikation «fliegt», wie wir es uns vor 30 Jahren noch gar nicht vorstellen konnten – im Cyber­space.

Noch vor dem Jahresende stehen einige bedeutende Entscheidungen an – darun­ter die erwartete Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember. Doch wäh­rend wir diese Zeilen schreiben, lässt sich bereits sagen, dass 2015 ein eher schwa­ches Jahr für Anleger war, in dem globale Aktien eine Rendite von 3% in Lokalwäh­rungen und damit nur wenig mehr als erstklassige Anleihen erzielten. Die Märkte der Eurozone und Japans schnit­ten mit Renditen von über 10% am bes­ten ab, derweil die Schwellenländer 6% verloren. Der S&P 500 liegt zwar nur leicht im Plus, verzeichnet aber den längsten Anstieg ohne eine Korrektur um 20% seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 2014 nahmen wir Rohstoffe aus unseren Portfolios heraus. Diese Anlageklasse hat 2015 am meisten enttäuscht, verlor sie doch rund 23% an Wert.

Für 2016 erwarten wir, dass Aktien, unterstützt durch eine moderate Beschleunigung des globalen Wachs­tums, steigende Gewinne, solide Unter­nehmensbilanzen und anhaltende Impulse der Zentralbanken eine Rendite von rund 7% erzielen werden. Gleich­wohl dürfte die Volatilität steigen, und wir hoffen, die Chancen zu nutzen, die sich daraus ergeben. An der Schwelle zum neuen Jahr geben wir Aktien den Vorzug gegenüber Staatsanleihen. Unsere Favoriten sind dabei Aktien aus der Eurozone und Japan, wo die Zentralbanken ihre lockere Geldpolitik beibehalten dürften. Dieser Umstand rechtfertigt auch eine über­gewichtete Position in Investment-Grade- und europäischen Hochzins-Unternehmens­anleihen.

Zusätzlich zur Erstellung unseres Ausblicks auf das nächste Jahr haben wir mit unserer neuen Publikation Years Ahead einen Zeitsprung in die fernere Zukunft gewagt. Diese Publikation beleuchtet Anlagethemen, die unserer Ansicht nach in den nächsten Jahr­zehnten immer mehr an Bedeutung gewinnen werden. Es ist üblich, dass man am Jahresende einen Blick nach vorn auf die nächsten zwölf Monate wirft. Allerdings können die Anleger häufig höhere Renditen erzielen, wenn sie ihr Portfolio teilweise auf längerfristige Trends ausrichten.

Für viele sehr wohlhabende Kunden, mit denen ich spreche, bleibt ein langfristig ori­entierter Ansatz ein wichtiges Thema, da sie bestrebt sind, ihr Vermögen für künftige Generationen zu erhalten und zu vergrössern. Privatanleger haben in diesem Punkt einen Vorteil gegenüber institutionellen Anlegern: Sie können an weitsichtigen Ideen auch in Phasen einer erhöhten Marktvolatilität festhalten, während professionelle Anleger nicht steuern können, wann Gelder in ihre Fonds fliessen oder daraus abge­zogen werden.

Doch um seinem Kurs treu zu bleiben, muss man häufig von einigen längerfristigen Wachstumsmöglichkeiten sehr stark überzeugt sein. In den verbleibenden Zeilen die­ses Monthly Letter möchte ich einige der Themen erörtern, die wir besonders interes­sant finden. Diese Sicht der Zukunft liegt auch einigen unserer aktuellen übergewich­teten Positionen in Aktien aus Wachstumssektoren wie der Technologie und dem Gesundheitswesen zugrunde.

Welche langfristigen strukturellen Trends sollten im Fokus sein?

In gewisser Hinsicht zeichneten die Zurück in die Zukunft-Filme ein recht genaues Bild davon, wie sich unsere Welt verändert. In Zurück in die Zukunft II reist Marty McFly ins Jahr 2015 und trifft seine eigene idealtypische amerikanische Familie mit zwei Kindern, die gerade zu Abend isst, in der aber jeder älter geworden ist. Die Familienstruktur und das menschliche Dasein an sich sind praktisch gleich geblieben, doch die Technologie hat sich rasant weiterentwickelt, und aus der Kleinstadt Hill Valley, in der McFly aufgewachsen ist, ist eine Grossstadt geworden.

Drei der bedeutendsten langfristigen strukturellen Trends, die eine Grundlage für unsere Anlageeinschätzungen bilden, betreffen die Weltbevölkerung, die stark wächst, rasch altert und zunehmend in Städten lebt.

Da sich demografische Veränderungen langsam vollziehen, gibt es vieles, das wir mit ziemlicher Sicherheit über die Aussichten für den Bevölkerungswandel sagen können. Die UN prognostiziert, dass die Weltbevölkerung bis 2050 um 2 Milliarden Menschen wachsen wird. Die Bevölkerung in vielen Teilen Europas wird nicht nur im­mer älter, sondern schrumpft zudem auch, derweil die Zahl der Menschen in Asien voraussichtlich um fast 900 Millionen steigen wird – selbst unter Berücksichtigung eines Bevölkerungsrückgangs in Japan.

Die Alterung der Weltbevölkerung ist ein weiterer Trend, der für langfristig orien­tierte Anleger interessant ist. Die Zahl der 65- bis 69-Jährigen dürfte sich bis 2050 weltweit mehr als verdoppeln, während sich die Zahl der Menschen zwischen 90 und 94 Jahren gegenüber heute auf fast 60 Millionen vervierfachen könnte.

Die stärkere Verstädterung der Weltbevölkerung, besonders in den Schwellenlän­dern, ist ein weiterer Trend, den wir mit einiger Sicherheit vorhersagen können. Die Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte in den Schwellenländern ist gut dokumentiert und in vollem Gange. Nach Prognosen der UNO wird die Einwohner­zahl chinesischer und indischer Städte in den nächsten fünf Jahren um jeweils fast 100 Millionen und 50 Millionen Menschen anwachsen.

Welche langfristigen Anlagemöglichkeiten bieten sich aufgrund dieser Trends?

Ernährung und Wasser

Die wachsende Weltbevölkerung sowie die Verbesserung der Lebensstandards und die Industrialisierung in den Schwellenländern lassen den Bedarf an sauberem Wasser steigen. Wir glauben, dass der Markt für den Rohstoff, der absolut lebens­notwendig ist, in absehbarer Zukunft um jährlich rund 6% wachsen wird. Dadurch entstehen Anlagemöglichkeiten in Bereichen wie Wasseraufbereitung, Wasserbewirtschaftung und Wasserinfrastruktur.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Ernährung. Jeden Tag müssen zusätzlich rund 200 000 Menschen ernährt werden. Um diese Nachfrage erfüllen zu können, muss die Effizienz der Landwirtschaft gesteigert werden. Diese Herausforderung lässt sich durch eine optimierte Bewässerung, den Entwurf widerstandsfähigerer Kultur­pflanzen und die «Präzisionslandwirtschaft» bewältigen. Diese Innovation bringt fortschrittliche Informationstechnologie zur ältesten Industrie der Menschheit. Sie ermöglicht den Landwirten, Daten zu sammeln und die Art des Anbaus für jeden einzelnen Quadratmeter Land, bis hin zur Düngung einzelner Pflanzen anzupassen. Unternehmen, die sich darauf konzentrieren, mit weniger Ressourcen mehr Nah­rungsmittel zu produzieren, dürften florieren.

Gesundheit

Ein bedauerlicher Nebeneffekt der Urbanisierung und der steigenden Einkommen in den Schwellenländern ist die Zunahme der Fettleibigkeit. Im Jahr 2013 waren 2,1 Milliarden Menschen fettleibig oder übergewichtig. Diese Zahl übertrifft die gesamte Weltbevölkerung von 1927. Sie könnte mit zunehmender Expansion der Städte weiter steigen. Stadtbewohner laufen in der Regel weniger und fahren weniger Fahrrad. Sie benutzen häufiger motorisierte Verkehrsmittel. Die Zunahme der Bürojobs fördert oft einen bewegungsarmen Lebensstil, während in den Städten mehr multinationale Supermärkte und Fast-Food-Ketten zu finden sind, die kalorien­reiche Snacks verkaufen.

Zudem ist die gesunde Ernährung zu einem Luxus geworden. Der Preisauftrieb bei frischem Obst und Gemüse lag in den führenden Schwellenländern in den letzten beiden Jahrzehnten 90% über der allgemeinen Inflationsrate. Im Gegensatz dazu sind die Preise von Fertigmahlzeiten um zwanzig Prozent gesunken. Fettleibigkeit hat sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft negative Auswirkungen.

Profitieren werden Unternehmen, die helfen, schlanker zu werden. Das Wachstum des Markts für ihre Produkte und Dienstleistungen wird gemäss unseren Prognosen im mittleren bis hohen einstelligen Bereich liegen. Unternehmen, die gesündere Lebensmittel und Fitnessprodukte anbieten, und solche, die sich auf medizinische Produkte oder Dienstleistungen zur Gewichtsabnahme oder zur Behandlung von Diabetes und anderen durch Fettleibigkeit hervorgerufenen Erkrankungen konzent­rieren, dürften zu den Gewinnern zählen.

In meinem Schreiben vom letzten Monat habe ich die Fortschritte in der Krebsbehandlung und die Chancen, die sie für die Anleger bieten, hervorgehoben.

Allgemeiner möchte ich anmerken, dass die Schwellenländer im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt derzeit weniger als die Hälfte für die Gesundheitsversorgung ausgeben als die Industrienationen. Diese Lücke dürfte sich mit ihrem wachsenden Wohlstand und der zunehmenden Alterung ihrer Bevölkerung im kommenden Jahr­zehnt allmählich schliessen. Wir gehen davon aus, dass ihre Gesundheitsausgaben doppelt so schnell steigen werden wie auf globaler Ebene. Die Nutzniesser werden unter anderem Arzneimittelhersteller, Hersteller von medizinischen Geräten und Anbieter von medizinischen Dienstleistungen sein.

Soziale Infrastruktur

Die zunehmende Urbanisierung der Weltbevölkerung dürfte zudem das Wachstum in Branchen wie der Abfallbewirtschaftung und dem Recycling kräftig ankurbeln. Unter Berücksichtigung der kürzeren Lebenszyklen elektronischer Geräte rechnen wir damit, dass sich das Abfallaufkommen weltweit bis 2050 mehr als verdoppelt.

Die zurzeit bestehenden Entsorgungsanlagen sind jetzt schon nicht mehr in der Lage, die aktuellen Abfallmengen zu bewältigen. Weniger als die Hälfte des in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen anfallenden Abfallaufkommens wird eingesammelt, und 3,5 Milliarden Menschen haben überhaupt keinen Zugang zur Müllentsorgung. Bei steigendem Einkommen versuchen die Schwellenländer, dieses Problem zu lösen. Dabei dürften Privatunternehmen die Angebotslücke schliessen. Strengere Vorschriften sollten zu höheren Investitionsausgaben führen, von denen gewisse Unternehmen profitieren dürften. Unsere Analyse deutet zum Beispiel darauf hin, dass sich die Kapazitäten der kommunalen Müllverbrennungsanlagen in China von heute bis 2020 um fast 130 000 Tonnen erhöhen werden… und das pro Tag. Dies entspricht der Abfallmenge von über 10 000 beladenen Müllwagen.

Unternehmen, die im Bau von öffentlichen Verkehrssystemen tätig sind, dürften ebenfalls profitieren. Prognosen zufolge wird sich die Zahl der in Megastädten (mehr als 10 Millionen Einwohner) lebenden Asiaten bis 2025 voraussichtlich verdoppeln. Da sich die Zahl der Fahrzeughalter alle fünf Jahre verdoppelt, verschärfen sich die Probleme im Zusammenhang mit Staus und der Luftqualität. Immer mehr Regie­rungen sind daran interessiert, den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel voran­zutreiben. Im kommenden Jahrzehnt dürften die asiatischen Länder 200 Milliarden US-Dollar für neue öffentliche Verkehrssysteme ausgeben, um Staus und der Luft­verschmutzung zu begegnen.

Fazit

Angesichts der bevorstehenden Zinserhöhung der Fed und der Bemühungen Chinas, die schwächeren Wachstumsraten zu bewältigen, sollten wir auf Volatilität an den Aktienmärkten vorbereitet sein. In gewisser Weise begrüssen wir dies sogar. Einige unserer bevorzugten Hedge-Fund-Strategien profitieren zum Beispiel von den grös­seren Chancen an volatilen Märkten, die eine breite Streuung unter den Aktienkur­sen aufweisen.

Vor dem Beginn eines neuen Jahres könnte es für Privatanleger angebracht sein, über die entferntere Zukunft nachzudenken und sich auf Bereiche zu konzentrieren, in denen sie gegenüber den institutionellen Anlegern einen Vorteil haben könnten. Ich hoffe, dass dieses Schreiben die Chancen beleuchtet, die einige wichtige Me­ gatrends in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Infrastruktur eröffnen. Etwas wird sich allerdings nicht ändern: Ein gut diversifiziertes Portfolio wird auch weiter­hin ein überlegeneres Risiko-Rendite-Profil bieten.

Auf ein gesundes und rentables Jahr 2016 … und weitere Jahre danach. Auch wenn wir bis 2050 noch keine fliegenden Autos haben werden, hoffe ich auf noch inte­ressantere Entwicklungen wie die Heilung von Krebs, den universellen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Roboter-Butler und weitere Folgen von Zurück in die Zukunft.

 Quelle:  AdvisorWorld.ch

 


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