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LGT : Taktische Asset Allokation Q4/2016

Im Rahmen unserer vierteljährlichen Überprüfung der Anlagepolitik entschieden wir am vergangenen Freitag, unsere taktische Positionierung weitgehend unverändert zu halten. Die einzige wesentliche Verschiebung betrifft die Schliessung einer nunmehr kleinen Untergewichtung von Schwellenländeraktien, woraus sich auch eine moderate Reduktion unseres Übergewichts im US-Dollar ergibt..….


LGT Capital Partners – Strategieteam


Bei LGT Capital Partners überprüfen wir vierteljährlich in umfassender Weise die taktische Asset Allokation (TAA) unserer Multi-Asset-Strategien. Die Ergebnisse dieser Strategiesitzungen repräsentieren die LGT Hausmeinung, aus der diverse andere Investmentprozesse innerhalb der LGT, mit der bereichsweise sinnvollen und notwendigen Flexibilität, abgeleitet werden. Nachstehend fassend wir die Ergebnisse der jüngsten Strategieüberprüfung für das vierte Quartal 2016 zusammen.
 
Makroökonomische Beurteilung bleibt insgesamt gutartig
Obwohl die jüngsten US-Einkaufsmanagerumfragewerte enttäuschten, bleibt der breitere globale Konjunkturdatentrend ermutigend – von der stetigen Aufhellung des US-Arbeitsmarkts bis zu den besseren Handelszahlen in den Schwellenländern und den stabilen Wachstumsindikatoren aus Europa. Mit der Stabilisierung der Rohstoffpreise und vorläufigen Anzeichen eines Lohnauftriebs scheint auch der desinflationäre Druck abzuklingen.
 
In unserem Hauptszenario gehen wir daher weiter von einem ausreichenden Weltwirtschaftswachstum aus. Nur im deutlich weniger wahrscheinlichen Risikoszenario rechnen wir mit einem Einbruch der globalen Konjunktur, sei es aufgrund eines Schwächeanfalls in China oder den verzögerten möglichen Folgen des britischen Votums für den Austritt aus der Europäischen Union.
 
Die taktische Asset Allokation bleibt weitgehend unverändert
Basierend auf diesen leicht aufgehellten Konjunkturaussichten und den Ergebnissen unseres systematischen Bewertungsprozesses der verschiedenen Anlageklassen haben wir uns grosso modo für die Beibehaltung der aktuellen TAA entschieden. Industrieländeraktien bleiben insgesamt über der Neutralquote positioniert, mit wenig regionaler Differenzierung. Mit Ausnahme von Japan, wo wir derzeit eine neutrale Exponierung bevorzugen, sind alle grossen Industrieländerregionen mehr oder weniger bescheiden übergewichtet.
 
Die einzige aktive Verschiebung betraf die Emerging Marktes (EM). Nachdem wir bereits Ende Juli im Rahmen einer Ad-hoc-Entscheidung EM-Aktien hinzugekauft hatten, beschlossen wir am vergangenen Freitag das verbleibende kleine taktische Untergewicht im Segment gänzlich zu schliessen. Unsere EM-Aktienposition ist somit neutral. Innerhalb der EM bevorzugen wir Länder wie Indien, Südkorea und Polen gegenüber Märkten, die derzeit politischen Risiken ausgesetzt sind, wie z.B. Südafrika oder die Türkei.
 
Alternative Anlagen: Immobilieninvestitionen bevorzugt
Wir behalten auch unser Übergewicht in börsennotierten Immobilienaktien (Real Estate Investment Trusts, bzw. REITs) sowie die jeweiligen Untergewichte in Listed Private Equity (LPE) und im Rohstoffsegment. Bei LPE ziehen wir es vor, auf bessere mögliche Einstiegspunkte – d.h. eine Ausweitung des Abschlags auf den zugrundeliegenden Net Asset Value (NAV) – zu warten. Bei Rohstoffen sehen wir derzeit attraktivere Chancen bei Beteiligungen an Produzenten, die bereits ihren Betrieb und die Bilanzen umstrukturiert haben und sich so an das vorherrschende, niedrigere Niveau der Rohstoffpreise angepasst haben.
 
Festverzinsliche Instrumente: Leichte Verschiebung zugunsten von inflationsindexierten Anleihen
Bei Anleihen bleiben wir bei unserer taktischen Untergewichtung von Staatsanleihen zugunsten von Investment-Grade-Credit als Quelle für Mehrertrag gegenüber Bargeld.
 
In ausgewogenen Portfolios mit ausreichenden Bondquoten haben wir allerdings globale inflationsindexierte Anleihen (GILB) auf Kosten der nominalen Staatsanleihen etwas aufgebaut. Langfristige Breakeven-Inflationsraten bleiben bemerkenswert niedrig, obwohl die herkömmlichen Indizes für die aktuelle Inflation vielerorts gestiegen sind und die Zentralbanken weiterhin verpflichtet bleiben, ihre Inflationsziele zu erreichen. Wir rechnen daher mit einem graduellen Anziehen der Inflationserwartungen und einer entsprechenden Outperformance von GILBs gegenüber Nominalanleihen.
 
Fixed Income: Schliessung einer strategischen Trading-Position mit Gewinn
Darüber hinaus haben wir Gewinne auf opportunistisch aktivierten Trading-Positionen in den Segmenten High-Yield-Credit (HY) und Hartwährungsanleihen von Schwellenländern (EM) mitgenommen. Der Hintergrund der Entscheidung: Vor einiger Zeit hatten wir für einige unserer Multi-Asset-Portfolios einen sogenannten «Anti-Cyclical Value Opportunities»-Mechanismus beschlossen, in dessen Rahmen wir bestimmte Anlagen strategisch kaufen bzw. verkaufen, sobald gewisse vordefinierte Bewertungsniveaus erreicht sind.
 
Während der globalen Marktpanik zwischen Ende Januar und Anfang Februar dieses Jahres hatten sich konträre Kaufsignale bei HY-Credit und EM-Hartwährungsanleihen ergeben, welche wir entsprechend nutzten. Nach einer sehr guten Marktentwicklung in beiden Segmenten wurden schliesslich kürzlich auch die vordefinierten Verkaufsniveaus erreicht (d.h. die Spreads haben sich entsprechend deutlich eingeengt). Wir haben diese Positionen folglich mit deutlichen Gewinnen geschlossen. Es sei noch angemerkt, dass sich diese Aktionen auf die Ebene der strategischen Asset Allokation (SAA) beziehen. Die TAA ist davon nicht betroffen. Beide Anlageklassen bleiben in der TAA weiter neutral gewichtet.
 
Devisen: Reduzierte Übergewichtung von USD und JPY
Bei den Währungen behalten wir kleine Übergewichtungen im japanischen Yen und im US-Dollar gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken bei. Nippons Währung schwebt derzeit knapp über der kritischen 100-Yen-Marke gegenüber dem USD. Unserer Einschätzung nach kann nur eine glaubwürdige zusätzliche monetäre Lockerung den Yen wieder schwächen. Ein solcher Schritt durch die Bank of Japan (BOJ) direkt nach der für Ende September anstehenden Publikation ihrer umfassenden Überprüfung der Geldpolitik der letzten Jahren scheint derzeit jedoch eher unwahrscheinlich. Zudem bleibt der japanische Yen fundamental unterbewertet und besitzt nach wie vor die Eigenschaften einer «Safe Haven»-Währung in Zeiten erhöhter globaler Risikoaversion. In Abwesenheit überraschend aggressiver BOJ-Massnahmen machen diese Faktoren den Yen taktisch weiter attraktiv für unsere Portfolios (wir sollten allerdings hinzufügen, dass wir unser Engagement im Yen im Juli bereits etwas reduziert hatten).
 
Im Hinblick auf den USD signalisiert die Federal Reserve eine spürbare Vorsicht, wenn es um das Tempo der zukünftigen US-Zinserhöhungen geht. Das hat die transatlantische monetäre Divergenz abgeschwächt, aber nicht abgeschafft. Die Europäische Zentralbank und eine Reihe weiterer Zentralbanken bleiben zudem tendenziell weiter auf Lockerungskurs. Die USD-Stärke dürfte auf Dauer also doch anhalten, wenn auch in abgeschwächter Form.
 
Fokus auf das Verdienen von Risikoprämien und Durations-Management
Unter dem Strich setzt unsere TAA auf freundliche Finanzmärkte und das Abschöpfen verschiedener Risikoprämien in den Bereichen Aktien, Immobilien und Kredite. Die durchschnittliche Laufzeit der festverzinslichen Anlagen (Duration) bleibt aufgrund der tiefen taktischen Staatsanleihenquote in unseren Portfolios unter der strategischen Normalposition.
 
Das wichtigste vorhersehbare Risiko zu dieser Positionierung liegt in erster Linie in einem Anstieg der Marktvolatilität. Politische Ereignisse im Zusammengang mit den US-Wahlen oder dem italienischen Verfassungsreferendum könnten die entsprechenden Anlässe für solche – voraussichtlich – vorübergehenden Volatilitätsanfälle bieten.
 
Am schädlichsten für die Märkte wären wachsende Zweifel an der Wirksamkeit der Geldpolitik, sowohl unter Marktteilnehmern als auch unter politischen Entscheidungsträgern. Noch ist es unserer Einschätzung nach allerdings nicht so weit. Die Hoffnung, dass die Fiskalpolitik hier sinnvolle Unterstützung bieten kann, wirkt derzeit ebenfalls positiv – auch wenn es sicherlich noch abzuwarten bleibt, wie grosszügig die Fiskalpolitik letztlich tatsächlich agieren wird.
 
In diesem Zusammenhang fügen wir hinzu, dass unser Portfoliomanagement jederzeit Absicherungsstrategien (z.B. mittels Kauf von Put-Optionen auf Aktienindizes) initiieren kann und oft auch umsetzt, um sich gegen Volatilitätsausbrüche zu schützen. Grundsätzlich bleiben wir derzeit allerdings geneigt, etwaige grössere Korrekturen für Käufe zu nutzen und halten eine leicht erhöhte Cash-Position.

Quelle:  AdvisorWorld.ch

 


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