BNY Mellon IM : Die Bankenkrise könnte zu einer weiteren Verschärfung der Kredit- und Finanzierungsbedingungen führen.
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Shamik Dhar, Chefökonom von BNY Mellon IM
Eine Erholung ist noch nicht in Sicht, sagt Shamik Dhar, Chefökonom von BNY Mellon IM, und erläutert die Gründe in seinem jüngsten Marktausblick.
Obwohl die Inflation in den letzten Monaten schneller als erwartet gesunken ist, bleibt die Kerninflation in den grossen Volkswirtschaften hoch. Eine «sanfte Landung» an den Aktienmärkten ist möglich – es muss jedoch vieles richtig laufen. Aus diesem Grund schreibt BNY Mellon Investment Management diesem Szenario lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 20% zu. Einerseits muss die Bankenkrise überwunden werden und andererseits sollte sich die Inflation wieder dem Zielwert annähern, ohne dass das einen konjunkturellen Einbruch zur Folge hat. Das kann der Fall sein, wenn sich der Arbeitsmarkt wegen der sinkenden Anzahl offener Stellen entspannt.
Ausblick bleibt negativ
Der «verzögerten Landung» schreibt BNY Mellon IM eine Wahrscheinlichkeit von 30% zu. In diesem Szenario halten die Zentralbanken an ihrer Geldpolitik im ersten Halbjahr fest und warten ab, welche Auswirkungen die von ihnen verhängten Straffungsmassnahmen haben. Die Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit sind zwar erkennbar, aber zu gering, um die Inflation mittelfristig wieder auf das Zielniveau zu bringen. Die Inflationserwartungen stabilisieren sich um die Jahresmitte, bleiben dann aber deutlich über dem Zielwert. Daher nehmen Zentralbanken ihren Straffungszyklus im zweiten Halbjahr wieder auf, aber das Endzinsniveau fällt deutlich höher aus, als die Märkte derzeit erwarten. Die überraschende Straffung führt zu einem drastischen Abschwung im Jahr 2024, bei der die Inflation und die Zinsen schliesslich stark fallen. Insgesamt bleibt der Ausblick in diesem Szenario ziemlich negativ – eine Rezession ist zu erwarten und das Risiko für steigende Inflation und Zinsen bleibt.
Bankenkrise führt zu «Credit Crunch»
Der «Credit Crunch» ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% das Basisszenario von BNY Mellon IM. In diesem Szenario führt die Bankenkrise zu einer Verschärfung der Kredit- und Finanzierungsbedingungen, was zu weiteren Zinserhöhungen von 50 bis 100 Basispunkten führt. Als Folge erreichen die Zinssätze ihr Höchst in der Nähe des derzeitigen Niveaus, und einige der grossen Volkswirtschaften bewegen sich im zweiten Halbjahr auf eine Rezession zu. Die Inflation bewegt sich im Laufe des Jahres wieder in Richtung des Zielwerts und die Zinssätze beginnen gegen Jahresende zu sinken. Kurzum: Die Bankenkrise und Verschärfung der Kreditbedingungen sorgen für eine wirtschaftliche Flaute, die erforderlich ist, um die Inflation bei den derzeitigen Zinssätzen wieder zu senken.
Hinzu kommen die Folgen der hohen Energiepreise. China setzt in diesem Szenario die wirtschaftliche Wiedereröffnung fort, aber die schwache Nachfrage weltweit bedeutet, dass der Aufschwung ziemlich schnell verpufft und Asien im zweiten Halbjahr ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum zeigt. Die Inflation sinkt schliesslich im kommenden Jahr auf den Zielwert zurück, aber die Zinssätze bleiben hoch.
Schwellenländer-Aktien bevorzugt
Bei den Aktien werden Schwellenländer gegenüber den USA bevorzugt – wegen der höheren Anfälligkeit für Konjunktureinbrüche gewichten wir die Anlageklasse jedoch noch immer unter. Weltweit gibt es aktuell nur wenige Erfolgsstorys und Chinas Konjunkturerholung ist eine davon: Schwellenländer, vor allem chinesische Aktien, dürften von der Wiedereröffnung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt profitieren. Festverzinsliche Anlagen bleiben allerdings vorerst unsere bevorzugte Anlageklasse, da sie eine angemessene Rendite in Verbindung mit wichtigen Absicherungseigenschaften bieten.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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