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REYL Group : Digitalisierung der Vermögensverwaltung

REYL Group : Die Finanzbranche war sich des technologischen Fortschritts schon immer sehr bewusst.

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von Frédéric Le Hellard, Chief Information Officer, REYL Group


Banken und Technologie

Obwohl die IT im letzten Jahrhundert zunächst in der Wissenschaft, der Luft- und Raumfahrt und dem Militär ihren Siegeszug antrat, fanden die grossen Technologieträger sehr schnell Abnehmer für ihre imposanten Mainframes in den Banken. Seit den 1980er Jahren ermöglicht das Interbanken-Austausch-Netzwerk SWIFT schnelle, papierlose Transaktionen. Ab Ende der 1990er Jahre setzten sich Handels- und Discount-Brokerage-Sites spektakulär durch. Dann entwickelten alle Retail-Banken ihre eigenen Websites. Diese technologischen Entwicklungen haben die Bankenlandschaft und die den Kunden angebotenen Dienstleistungen geprägt. Keine Retail-Bank kann heute ohne ein seriöses Online-Angebot überleben. In wenigen Jahrzehnten wurden dank kontinuierlicher und erheblicher Investitionen grundlegende Bankfunktionen wie Kontoführung, Zahlungen oder Wertpapiertransaktionen entmaterialisiert, automatisiert und beschleunigt. Dadurch wurde der Bedarf an Mitarbeitenden in Back-Offices und Support-Funktionen stark reduziert.

Dieses hohe Mass an Nutzung von und Investitionen in digitale Technologien in Kombination mit einem restriktiven regulatorischen Umfeld erklärt grösstenteils, warum die Finanzbranche (noch?) nicht wesentlich durch den Eintritt neuer Technologieanbieter gestört wurde. Es stimmt, dass Banken, vor allem Retail-Banken, unter starkem Druck von Fintechs stehen. Das betrifft die Leistungsfähigkeit der von ihnen angebotenen Dienstleistungen wie schnelle Transaktionen und Druck auf die Transaktionsgebühren oder die Benutzerfreundlichkeit wie intuitive Oberfläche und vollständig digitales Onboarding. Aber es ist noch nicht so weit, dass sich die Branche grundlegend verändern muss.

Asset Management ist ein Geschäft mit menschlichem Anteil

Dies gilt insbesondere für ausgewählte Finanzberufe, die ein sehr hohes Mass an Interaktion und Vertrauen zwischen dem Berater und seinem Kunden erfordern. Dies gilt insbesondere in entscheidenden Momenten im Leben eines Unternehmens oder einer Person, wie bei der Verhandlung von Entwicklungskrediten für ein Unternehmen oder einem Hypothekendarlehen, das eine Person oder eine Familie für Jahrzehnte bindet. Das sind Engagements, bei denen Beratung und Vertrauen in den Banker unerlässlich sind. Dies gilt auch für das Wealth Management und die Vermögensverwaltung. Dieses Geschäft bleibt ein Geschäft mit Menschen. Über die Dienstleistungen und die Solidität der von einer Bank beworbenen Marke hinaus bleibt die Beziehung zu ihrem Kundenbetreuer der Schlüssel zu einer dauerhaften und fruchtbaren Beziehung. Diese menschliche Interaktion hat natürlich ihren Preis. Die operative Effizienz der Privatbanken – die Kosten-Einkommen-Relation – kann mit der von Retailbanken kaum mithalten.

Coronavirus-Krise vs. Digitale Strategie

Die digitalen Strategien der meisten Banken sind seit vielen Jahren etabliert und zielen sowohl auf ihr Online-Angebot wie Applikation, Website, soziale Netzwerke als auch auf die interne Transformation, vor allem auf die Automatisierung von Prozessen und auf die Anreicherung ihrer Daten. Diese strategischen Achsen der digitalen Transformation sind durch die COVID-Krise gestärkt worden. Aber die Krise hat den Unternehmen und ihren Mitarbeitenden auch gezeigt, dass sich die Arbeitsmuster sehr schnell in Richtung viel flüssigerer, schnellerer und vollständig digitaler Interaktionen und Prozesse entwickeln können. Erzwungen durch die weit verbreitete Arbeit im Homeoffice war es notwendig, mit grosser Agilität Prozesse und Interaktionen neu zu erfinden, indem sie maximal verfeinert wurden. Die Umsetzung und Beschleunigung bestimmter Prozesse wurde durch den Einsatz von kollaborativen Technologien schnell alltäglich.

Auch die Bankkunden haben diesen Wandel in ihrem privaten und beruflichen Leben erfahren. Die Verkürzung der Wege und der Zeit und die neuen Arbeitsweisen werden nach all den Monaten der Enge zu einem neuen Standard der erwarteten Dienstleistung.

Neue Technologien müssen integriert werden, um die Interaktion des Kundenberaters mit seinem Kunden zu erleichtern, zu beschleunigen und zu verflüssigen. Aber die Technologien allein werden sie nicht ersetzen. Wealth Management wird ein Geschäft mit Menschen bleiben und die Implementierung von Technologien muss diese Interaktion unterstützen. Es werden weiterhin neue Technologien auftauchen wie Blockchain und künstliche Intelligenz. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, die Kultur und den Einsatz von kollaborativen Technologien durch Kundenbetreuer und Bankmitarbeiter zu stärken, um die direkte Interaktion mit den Kunden zu verbessern.

Quelle: AdvisorWorld.ch


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