REYL : Die Inflation und die Neubewertung der Zinserwartungen führten zu starken Rückgängen an den Aktienmärkte. Asiatische Indices wurden zum Outperformer. Der Hintergrund.
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von Daryl Liew, Chief Investment Officer, Reyl Singapur
Der Juni war ein schrecklicher Monat für Risikopapiere, denn die Inflationsdaten übertrafen die Markterwartungen: Der Konsumentenpreisindex in den USA stieg im Mai um 8,6% im Jahresvergleich, die höchste Rate seit 1981. Dies löste eine Neubewertung der Zinserwartungen aus, da nun erwartet wird, dass die Fed die Geldpolitik schneller straffen und die Zinsen stärker anheben wird als bisher angenommen, um die Inflation zu senken. Dies wiederum erhöht das Risiko, dass diese strengeren monetären Bedingungen die Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnten. Infolgedessen korrigierten alle Anlageklassen, wobei US-Aktien den Juni mit der schlechtesten Performance im ersten Halbjahr (S&P500 -21%; Nasdaq -30%) seit 1970 beendeten. Asiatische Aktien konnten sich dem Trend nicht widersetzen, schafften es aber, andere Regionen zu übertreffen, wobei der MXAPJ im ersten Halbjahr 2022 um 16,8% zurückging.
China als einer der wenigen positiv
Der Hauptgrund für diese Outperformance ist, dass sich die chinesischen Aktien auf einem Erholungspfad befinden. Der MSCI China stemmte sich gegen den negativen Trend und war einer der wenigen Märkte, die im Juni eine positive Rendite erzielten (+5,7%). Tatsächlich hat der MSCI China seit dem Tiefpunkt im März um über 20% zugelegt und einen Grossteil der Verluste aus dem ersten Quartal wieder wettgemacht, so dass er im Jahresvergleich bei -13% liegt und damit die meisten anderen Aktienmärkte im vergangenen Quartal übertroffen hat. Dies war auf einen Rückgang der Covid-19-Fälle und eine allmähliche Wiederbelebung der Wirtschaft zurückzuführen, die als Katalysator für eine Erholung verschiedener Wirtschaftsindikatoren diente. Öffentliche Äusserungen wichtiger chinesischer Politiker zur geld- und fiskalpolitischen Unterstützung der Wirtschaft sowie eine Abschwächung der aufsichtsrechtlichen Kontrollen – die im zweiten Quartal eine Rallye bei chinesischen Tech-Aktien auslösten – tragen ebenfalls dazu bei, die Stimmung der Anleger gegenüber chinesischen Vermögenswerten zu verbessern.
Lockerung der Nullzins-Politik erforderlich
Die grösste Bedrohung für eine nachhaltige Erholung chinesischer Vermögenswerte bleibt das Festhalten der Regierung an der Nullzins-Politik, die schwerwiegende negative wirtschaftliche Auswirkungen hat. Bestimmte Sektoren sind von dieser Politik unverhältnismässig stark betroffen, insbesondere der Dienstleistungssektor wie Gastronomie und Tourismus, was zu geringeren Ausgaben im Einzelhandel geführt hat. Auch der Immobiliensektor hat es schwer, sich zu erholen. Periodische Schliessungen in verschiedenen Städten und die Unsicherheit über Arbeitsplätze und Einkommen den Verkauf von Häusern bremsen. Trotz der Senkung der Hypothekenzinsen und der Lockerung der Eigentumsbeschränkungen haben sich die Immobilienverkäufe noch nicht deutlich erholt, was die Finanzen der Bauträger belastet. Um diese Schwierigkeiten zu veranschaulichen, werden etwa 70% der chinesischen hochverzinslichen Immobilienanleihen immer noch zu Notstandsbedingungen gehandelt, was auf einen Ausfall oder eine Umstrukturierung schliessen lässt. Zwar kann die Politik der Regierung diesen in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen vorerst helfen, sich über Wasser zu halten, doch ist eine Umkehrung oder Lockerung der Nullzins-Politik erforderlich, bevor sich diese Unternehmen wirklich erholen können.
Immer noch günstig bewertet
Trotz der jüngsten Outperformance sind chinesische Aktien immer noch günstig bewertet: Der MSCI China wird mit einem KGV von 11,2 gehandelt. Zu beachten ist auch, dass bei diesem Multiplikator bereits eine erhebliche Abschwächung des chinesischen Gewinnwachstums berücksichtigt wurde. Die Konsenserwartungen des MCSI China für das Jahr 2022 lagen zu Beginn des Jahres bei 15,7%, wurden aber bis Ende Juni auf 2,7% gesenkt. Während eine weltweite Rezession die Gewinne weiter unter Druck setzen könnte, sind die chinesischen Gewinne wohl näher an der Talsohle als viele andere Märkte, die gerade erst damit beginnen, ihre Gewinnprognosen nach unten zu korrigieren.
Schliesslich steht im November der 20. Parteikongress Chinas an, auf dem Präsident Xi voraussichtlich für eine beispiellose dritte Amtszeit wiedergewählt werden wird. Die Behörden sind also stark gefordert, dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft für den Rest des Jahres in guter Verfassung ist, was sich positiv auf chinesische Vermögenswerte auswirken dürfte.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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