Becker Peter Capital Group

Capital Group : Positive Signale für Emerging Markets

Capital Group : Die Situation der Emerging Markets (EM) hat sich nach der  Coronapandemie neu geordnet.

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Peter Becker, Investment Director bei Capital Group


– …Die nächste Wachstumsphase von EMs wird  anders verlaufen als in den letzten 20 Jahren: Chinas Wirtschaft  durchläuft eine schwierige Phase der Reformen. Geopolitische Spannungen  und die Energiewende treiben Investitionen immer mehr in Richtung der  EMs, um dort zu produzieren und den Bedarf an natürlichen Ressourcen zu  decken.

Peter Becker, Investment Director bei Capital Group, erklärt die Trends und Chancen, die sich aus dieser Entwicklung ergeben.

„In vielen Schwellenländern schwächt sich die Inflation momentan ab, was die jeweiligen Zentralbanken zu Zinssenkungen bewegen könnte“,  erläutert der Experte. Unter anderem Brasilien, Chile, Ungarn und China  hätten damit bereits begonnen und dürften ihren Volkswirtschaften damit  Auftrieb verleihen. Das sollte sich auch positiv auf die jeweiligen  Aktienmärkte auswirken.

Im Vergleich zu früheren Zeiten stünden viele Schwellenländer ausserdem  wirtschaftlich deutlich solider da. Zwischen 2019 und 2021 habe sich die Summe der Bilanzüberschüsse aller Schwellenländer mehr als  verdreifacht. „Reformen haben die Geschäftstätigkeit in Ländern wie  Indien erleichtert. Die indische Regierung hat unternehmensfreundliche  Reformen und ein digitales Identifizierungssystem eingeführt, die das  Wachstum beschleunigt haben, indem sie die Ausweitung der Kreditvergabe  erleichtert und grosse Teile der Wirtschaft in den formellen Sektor  gebracht haben“, sagt Becker. „Indonesien hat mehr Flughäfen, Strassen  und Seehäfen gebaut, mehr Industriezweige für ausländische Investitionen geöffnet und versucht, durch Änderungen des Arbeits- und Steuerrechts  Bürokratie abzubauen.“

China ist der Elefant im Raum

Der rasante Aufstieg der chinesischen Wirtschaft hätte seinen Höhepunkt  im Jahr 2020 erreicht. Die Wachstumsraten würden sich in den nächsten  Jahren verringern und China müsse in höhere Stufen der  Wertschöpfungskette in Produktion und Technologie aufsteigen. In  Bereichen wie der Robotik und der Batterietechnologie für  Elektrofahrzeuge beweise China bereits seine Fähigkeiten als  High-End-Hersteller. Der Aufstieg der chinesischen Elektroauto-Industrie könne sogar die Dominanz der deutschen Autohersteller gefährden, was  jedoch auch davon abhängig sei, wie sich der chinesische  Konsumentenmarkt entwickelt. „Das Vertrauen der Verbraucher ist durch  die strengen COVID-Sperren und die Probleme im Immobiliensektor  erschüttert worden und wird sowohl Zeit als auch staatliche Massnahmen  benötigen, um wiederhergestellt zu werden. Dennoch bleiben wir  optimistisch, dass dies mit der Zeit geschehen wird”, so Becker.

China wird laut Becker weiter eine zentrale Rolle in den globalen  Handelsbeziehungen spielen, trotz aller Bemühungen von Europa, den USA,  Japan, Indien etc. sich unabhängiger von China zu machen. In den letzten Jahren hätten sich viele Investoren von China abgewendet. Der  Ausverkauf chinesischer Aktien seit 2021 habe Anleger anfällig für  Volatilität gemacht, insbesondere diejenigen, die über ein passives  Indexvehikel in China investiert gewesen seien. Peter Becker sieht darin eine gute Gelegenheit für aktive Manager: „Es ist die Aufgabe von  Vermögensverwaltern und anderen Anlegern, aus erster Hand zu untersuchen und zu kalibrieren, welche Bereiche, Branchen und Unternehmen am besten positioniert sind, um von diesen säkularen Verschiebungen und Trends zu profitieren”.

EMs könnten von geopolitischen Spannungen profitieren

Länder wie Indonesien, Indien, oder Mexiko seien nicht mehr abhängig von einer ökonomischen Supermacht, sondern könnten sowohl mit den führenden westlichen Industrienationen als auch mit China handeln. Der Wunsch  nach Lieferkettendiversifikation bei vielen multinationalen Unternehmen  komme den Emerging Markets ebenfalls zugute. „Wenn ein multinationales  Unternehmen eine Produktionsstätte baut, zieht dies häufig Investitionen anderer Unternehmen aus dem Ökosystem der Zulieferer nach sich, die  ebenfalls eine physische Präsenz in dieser bestimmten Region aufbauen”,  erklärt Becker.

Indonesien versuche sich als wichtiger Nickelverarbeiter zu einem integralen Bestandteil der Lieferketten für  Elektroauto-Batterien zu entwickeln. Das locke bereits Milliarden an  Investitionen aus China in den Inselstaat und habe Vereinbarungen über  Beteiligungen an der Nickelverarbeitung mit multinationalen Unternehmen  wie dem südkoreanische Autokonzern Hyundai, dem deutschen Chemiekonzern  BASF und dem US-Automobilhersteller Ford gebracht.

Mexiko habe vor Kurzem China als grösster  Handelspartner der USA verdrängt. Die Investitionen in das Land würden  sich heute nicht mehr weitestgehend auf die Automobilbranche und die  Herstellung von kleinen Elektrogeräten beschränken, sondern sich auf  medizinische Geräte, komplexere Elektronik, Möbel und allgemeine  Industriegüter erweitern. Ausländische Direktinvestitionen von  Autoherstellern wie Tesla, oder BMW und Herstellern von elektronischen  Bauteilen wie Bosch, oder Continental hätten stark zugenommen.

Indien habe seine Produktionskapazitäten für  Mobiltelefone, Haushaltsgeräte, Computer und Telekommunikationsgeräte  ausgebaut. Im Ausland habe Indien einige grosse Unternehmen davon  überzeugen können, in diese Kapazitäten zu investieren, darunter Apple,  Foxconn, Daikin und Mitsubishi Electric. Die indische Strategie sei  zweigleisig: Zunächst sollen die Kapazitäten zur Versorgung der eigenen  Bevölkerung ausgebaut werden, um über einen längeren Zeitraum auch ein  grösserer Akteur auf den Exportmärkten zu werden. Der gross angelegte  Ausbau der Infrastruktur solle die Nachhaltigkeit des  Wirtschaftswachstums fördern.

Die Energiewende könne ein weiterer Rückenwind für das  Wachstum sein. „Mit dem weltweiten Bestreben, energieeffiziente  Fahrzeuge, Stromnetze und Gebäude zu bauen, steigt die Nachfrage nach  Kupfer, Nickel, Eisenerz und Lithium. Wir gehen davon aus, dass dies zu  grösseren Investitionen in neue Bergbauprojekte in Teilen Afrikas,  Südamerikas und Asiens führen wird”, prognostiziert Becker.

Quelle: InvestmentWorld.ch


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