Raithatha Shaan Vanguard

Vanguard EZB-Ausblick Juli 2024

Vanguard : EZB -Wenig Änderungen erwartet, Blick richtet sich auf September.

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Von Shaan Raithatha, Senior Economist und Strategist bei Vanguard


  • Zinssenkungen: Keine Senkung auf der kommenden Sitzung, im September ein weiterer Zinsschritt um 25 Basispunkte und anschliessend vierteljährliche Senkungen
  • Inflation: Kerninflation erreicht im zweiten Quartal 2025 das Zwei-Prozent-Ziel, Ende dieses Jahres wird sie bei 2,6 Prozent liegen
  • Wachstum: Schwaches Wachstum von 0,8 Prozent für 2024 erwartet
  • Drei wichtige Statistiken: Konsumentenpreise für Juli und August sowie Informationen zu Löhnen, Produktivität und Unternehmensgewinnen

Die EZB wird am Donnerstag ihren aktuellen geldpolitischen Kurs beibehalten, nachdem sie im letzten Monat den Zinssenkungszyklus eingeleitet hat. So erwarten wir, dass bei der nächsten Sitzung im September eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte beschlossen wird. Bis dahin werden jedoch zweimal der Konsumentenpreisindex sowie die Arbeitnehmerentgeltstatistik für das zweite Quartal veröffentlicht. Positive Überraschungen in diesen Berichten könnten weitere Zinssenkungen verzögern. Wir halten weiterhin daran fest, dass die Zinssätze vierteljährlich gesenkt werden sollten, sodass der Einlagensatz bis Ende 2024 bei 3,25 Prozent und bis Ende 2025 bei 2,25 Prozent liegen würde.

Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihren Kurs beibehält und diese Sitzung keine grossen Überraschungen bereitet. Allerdings wird es Aktualisierungen zu den Konjunktur- und Inflationsaussichten seit Juni geben. Unserer Einschätzung nach ist eine Zinssenkung im September nun etwas wahrscheinlicher als noch vor sechs Wochen. Während die Inflation im Juni im Jahresvergleich weitgehend stabil blieb, vor allem aufgrund der erhöhten Dienstleistungsinflation, hat das Wachstum enttäuscht, wie etwa die schwache Industrieproduktion in Deutschland und der niedrige Dienstleistungs-PMI im Euroraum zeigen. Die niedrigen US-Inflationszahlen erhöhen nun die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen im September senken wird.

Letztlich wird das Tempo der Lockerung von der erwarteten Entwicklung der Dienstleistungsinflation abhängen, die laut EZB hauptsächlich durch das Lohnwachstum bestimmt wird. Im ersten Quartal stieg das Arbeitnehmerentgelt im Jahresvergleich um 5,1 Prozent, was weitgehend der EZB-Prognose vom Juni entsprach. Präsidentin Lagarde erklärte in Sintra, dass der Grossteil dieses Anstiegs auf Nachholeffekte und einmalige Zahlungen in Deutschland zurückzuführen sei und erwartet in Übereinstimmung mit Umfragen eine deutliche Abschwächung in den kommenden Quartalen. Allerdings waren die monatlichen Lohnstatistiken in den letzten sechs Wochen uneinheitlich: Während sich die Lohnentwicklung in Deutschland im zweiten Quartal verlangsamte, stiegen die Löhne laut Indeed-Statistik erneut. Die Umfragen deuten weiterhin darauf hin, dass sich das zugrunde liegende Lohnwachstum bis Jahresende auf unter vier Prozent verlangsamen wird, was den Weg dafür ebnen würde, das Inflationsziel von zwei Prozent im ersten Halbjahr 2025 zu erreichen.

Bis September werden noch drei wichtige Statistiken veröffentlicht: die Konsumentenpreise für Juli und August sowie Informationen zu Löhnen, Produktivität und Unternehmensgewinnen im zweiten Quartal. Führende EZB-Ratsmitglieder wie Vizepräsident Luis de Guindos haben erklärt, dass die Inflation in nächster Zeit schwanken wird, dies jedoch nicht als Hindernis für eine Zinssenkung gesehen werden sollte. Signifikante positive Überraschungen bei diesen Daten, insbesondere im Dienstleistungssektor, könnten ausreichen, um den derzeitigen Kurs bis zum vierten Quartal aufrechtzuerhalten.

Wir erwarten, dass die EZB ihre Zinssenkung vom Juni um 25 Basispunkte im September wiederholen und anschliessend vierteljährlich weitere Lockerungen vornehmen wird. Ohne entsprechende Gegenmassnahmen wird die reale Geldpolitik zunehmend restriktiver, da die Inflation weiter steigt. Angesichts des doppelten Drucks durch restriktive Geld- und Fiskalpolitik sowie der anhaltenden Auswirkungen der Energiekrise auf das verarbeitende Gewerbe erwarten wir für dieses Jahr weiterhin ein schwaches Wachstum von 0,8 Prozent. Unserer Einschätzung nach wird die Kerninflation zum Jahresende bei 2,6 Prozent liegen und im zweiten Quartal 2025 das Ziel von zwei Prozent erreichen wird.

Quelle: InvestmentWorld


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