Carmignac : Die Öl- und Gaspreise sind rückläufig. Der EUR ist gegenüber dem USD seit den diesjährigen Tiefstständen um 10% gestiegen.
Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter
Von Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee
Die Inflationsaussichten über 5 Jahre liegen bestenfalls bei 1,7% (gemäss Inflationsswaps). Und die Entwicklung des Vertrauens sowohl der Unternehmen als auch der privaten Haushalte ist ein schlechtes Omen für die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum.
Alles deutet auf niedrigere Leitzinsen hin.
Die Märkte haben in dieser Woche einen weiteren Schritt in Richtung einer Lockerung der europäischen Geldpolitik weitgehend integriert, wobei eine Senkung um 25 Basispunkte eingepreist ist. Damit wird der Leitzins von 2,5% auf 2,25% gesenkt.
Doch auch nach der Sitzung am Donnerstag bleiben geldpolitische Entscheidungen in der Schwebe. Die vorherrschende Ungewissheit macht es unmöglich klare zukunftsgerichtete Leitlinien zu geben.
Die erste Stufe des «Tail-Risk»-Szenarios eines von den USA angeführten Handelskriegs ist eingetreten. Trumps Drohung mit einer Importsteuer von 20% liegt eindeutig am oberen Ende der möglichen Szenarien, die sich die Märkte ausgemalt hatten. Selbst eine optimistische Rücknahme der Zölle um 50% wäre ein massiver Schlag für die europäische Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund sind die Inflationserwartungen zusammen mit den Ölpreisen gesunken, und die massvolle Reaktion der europäischen Behörden, die bereit sind, mit den US-Behörden zu verhandeln, lässt einen geringeren Aufwärtsschock für die Verbraucherpreise erwarten.
In diesem prekären Umfeld ist es schwer vorstellbar, dass der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bis zum Sommer über der 2%-Schwelle bleibt. Die Kombination aus sinkenden Inflationserwartungen (und dem Risiko, dass die Inflation das 2%-Ziel verfehlt) und der «Taylor-Regel»[1] führt dazu, dass der faire Wert der Einlagenzinsen um 1% unter dem heutigen Stand
Wie wir alle ist auch die EZB mit dem höchsten Grad an politischer Unsicherheit konfrontiert, den es je gab[2] . Der potenzielle Aufwärtsschock für das Wachstum durch Mertz’ Plan und die Angebotsbeschränkungen durch Zölle legen nahe, dass die EZB die Zinssätze in einem engen bis neutralen Bereich halten sollte. Die Realität sieht jedoch so aus, dass das durch die Politik von Trump und Navarro verursachte geringere Vertrauen der Haushalte und Unternehmen zuerst zu spüren sein wird. Das ist ein ziemliches Rätsel.
Vor diesem Hintergrund ist eine weitere Versteilerung der europäischen Renditekurve und eine Präferenz für inflationsgebundene Anleihen im EUR-Staatssegment zu erwarten.
Das kurze Ende der Renditekurve dürfte im Zuge der Zinssenkungen von Lagarde nach unten tendieren. Während die Renditen längerer Laufzeiten tendenziell steigen dürften, da die Finanzierung der kurzfristigen fiskalischen Unterstützung und ein langfristiger Paradigmenwechsel mehr Emissionen von Staatsanleihen und bessere Wirtschaftsaussichten erfordern.
Auch die realen Renditen sind attraktiv, vor allem angesichts des Aufwärtspotenzials, das sie bieten. Entweder schwächt sich das Wachstum ab, und die Renditen von inflationsgebundenen Anleihen, die sich seit Jahresbeginn weiter in den positiven Bereich bewegt haben, sollten etwas nachgeben. Oder die realen Kernzinssätze sinken mit höheren Inflationserwartungen für die Region, die die fiskalische Reaktion der lokalen Behörden, den stagflationären Charakter der Zölle und den zunehmenden Lokalismus auf der ganzen Welt widerspiegeln.
1 Die Taylor-Regel sieht eine Anpassung der Leitzinsen nach unten vor, wenn sich die Inflation und das BIP-Wachstum verlangsamen.
2 gemäss Stanford EPU-Index
Quelle: InvestmentWorld
Newsletter





