AllianzGI : Private Markets – oder Privatmärkte – schauen auf ein spannendes Jahrzehnt zurück.
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Von Raluca Jochmann, Head of Private Markets Solutions & Mathias Peter, Head of Wholesale Switzerland, Allianz Global Investors
Lange Zeit waren diese nicht an öffentlichen Börsen gehandelten Kapitalanlagen eine klassische Domäne professioneller oder institutioneller Investoren, die häufig in geschlossenen Fonds mit einem sehr langfristigen Anlagehorizont investiert waren. Doch mittlerweile hat sich die Assetklasse gewandelt. Ein wachsendes Interesse zunehmend diverser Investorengruppen hat zur Etablierung neuer, offener Fondsstrukturen beigetragen. Diese offenen Fonds, auch semi-liquide- bzw. Evergreen-Fonds – oder kurz: Evergreens – genannt, haben die Private Markets-Landschaft verändert und dieses Investmentuniversum einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. So etabliert sich etwa aktuell in Europa mit dem ELTIF (European Long-Term Investment Fund) ein semi-liquides Investmentvehikel, das auch Privatkunden Zugang zu Privatmärkten ermöglicht. Grund genug, sich die Charakteristika von Evergreens einmal näher anzuschauen.

Bereits seit geraumer Zeit bieten Banken und Wealth Manager wohlhabenden, als professionell oder semi-professionell eingestuften Kunden Private Markets Anlagen in Form geschlossener Fonds an. In einer festgelegten Zeichnungsphase konnten diese Kunden dann Anteile erwerben und waren danach für die Laufzeit des Fonds mehr oder minder stark gebunden. Nach Ende der Platzierungsphase wurde der Fonds geschlossen, es wurden keine weiteren Anteile für neue Anleger ausgegeben. Dieses etwas starre Korsett hat mit zum Aufkommen semi-liquider oder Evergreen-Fonds beigetragen. Deren Definition ist zwar nicht immer einheitlich, typischerweise ermögliche Evergreens jedoch in regelmässigen Zeitabständen neue Mittelzuflüsse (in Form neuer Anleger oder Aufstockungen) sowie – unter bestimmten Bedingungen – regelmässige Anteilscheinrücknahmen, also Verkäufe. Es gibt somit keine fixe Laufzeit mehr, wenngleich langfristiges Engagement empfehlenswert ist.
Diese Konstruktion hat aus Investorensicht interessante Implikationen: So gibt es beispielsweise keine Kapitalabrufe (Capital Calls) mehr, die Anleger zeitnah bedienen müssen und für die sie zwischenzeitlich rentierliche Anlagealternativen finden müssen. Damit kann der sogenannte J-Kurven-Effekt verringert oder vermieden werden (J-Curve Mitigation). Das heisst das Problem der negativen Renditen ganz zu Beginn einer Investmentperiode wird abgemildert. In vielen Fällen besteht ab dem ersten Tag ein (fast) vollständig in Private Markets investiertes Portfolio. Erfolgskritisch hierfür ist der Einsatz passender Tools durch den Asset Manager, etwa in Form von Sekundärmarkttransaktionen (Secondaries) oder von Kapitalanlagen Seite an Seite mit einem Fonds (Co-Investment) zu Beginn der Investmentperiode. Eine Alternative ist der Einsatz der eigenen Bilanz des Asset Managers, so kann etwa im Rahmen von Warehouse-Lösungen ein Teil des eigenen investierten Portfolios in das Vehikel eingebracht werden.
Mit dem Wegfall der Capital Calls wird die Performance des Investments automatisch zu einer zeitgewichteten Rendite und ist nicht länger ein interner Zinsfuss (IRR, Internal Rate of Return). Dadurch wird sie für Anleger vergleichbar zur Performance liquider Investments. Zudem können Anleger nicht nur zu bestimmten Fundraising-Zeiten, sondern regelmässig investieren, üblicherweise zum Quartalsende. Gleichzeitig eröffnen sich bei Kapitalbedarf regelmässig Zeitfenster für die Rückgabe der eigentlich illiquiden Vermögenswerte. Hierbei gibt es üblicherweise aber Nebenbedingung. Beispiele sind Mindesthalteperioden (Lock-up Period), vorgegebene Kündigungsfristen und/oder volumenmässige Rücknahmebeschränkungen (Gating). Anleger sollten Rückgaben daher als grundsätzlich vorgesehene Möglichkeit ansehen, nicht aber als Garantie. Nichtsdestoweniger erleichtert die im Vergleich zu geschlossenen Fonds verbesserte Liquidität von Evergreens die dynamische Allokation eines Private Markets Exposures.
Wenn sich Investoren einmal für eine semi-liquide Anlage entschieden haben, bleibt die Frage, wie diese Lösung aussehen kann. Cross-Asset-Lösungen ermöglichen eine breit diversifizierte Aufstellung in Private Markets. Durch Investments in vielen Anlagesegmenten, Geografien, Sektoren und Vintages bieten diese ein Renditepotenzial über alle Privatmarkt-Anlagebereiche hinweg und sorgen so für ausbalancierte Portfolien, die flexibel und aktiv an sich ändernde Marktopportunitäten angepasst werden können. Cross-Asset-Lösungen können daher für Kunden ein „One Stop Shop“ Investment werden, das in ihrem Portfolio den gesamten Privatmarkt-Bereich in einem Produkt abbildet. So gibt es etwa Multi Private Markets Evergreen Portfolios, die über Investments in Private Equity, Infrastructure Debt und Equity sowie Private Credit ohne J-Kurven-Effekt einen Grossteil des investierbaren Private Markets Universums abdecken.
All dies zeigt: Semi-liquide Privatmarktfonds bringen aus Anlegersicht viele interessante Facetten mit sich. Wichtig allerdings: Sie ersetzen geschlossene Fonds nicht, für die es gerade auf Seiten Institutioneller weiterhin Bedarf gibt; vielmehr ergänzen sie diese. So gesehen stellen Evergreens eine wichtige Erweiterung des Optionenraums im Private Markets Segment dar.
Quelle: InvestmentWorld.ch
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