Schmidlin Dominik St.Galler Kantonalbank

St. Galler Kantonalbank : Trügerische Ruhe

St. Galler Kantonalbank : Der Start ins dritte Quartal ist an den Finanzmärkten oft geprägt von Ferienstimmung und sommerlicher Ruhe. Die Handelsvolumina sinken und die Marktbewegungen flachen ab.

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Dominik Schmidlin ist Leiter Anlagestrategie und Analyse der St.Galler Kantonalbank.


Das weltweite Aktienhandelsvolumen liegt in dieser Phase bis zu 15% unter dem Jahresdurchschnitt. Gerade in Phasen mit geringerer Liquidität kann es an den Märkten zu plötzlichen Turbulenzen kommen. So etwa im August 2024, als ein unerwartet schwacher US-Arbeitsmarktbericht Sorgen vor einer Konjunkturdelle schürte. Gleichzeitig hob die Bank of Japan die Leitzinsen an, was zur abrupten Auflösung von Yen-Carry-Trades führte und den japanischen Aktienindex Topix an einem Tag um über 12% einbrechen liess. Zwei Jahre zuvor, im Sommer 2022, lösten restriktive Aussagen des Vorsitzenden der US-Notenbank Jerome Powell am Notenbanksymposium in Jackson Hole eine scharfe Korrektur aus. Der S&P 500 verlor im August über 4%, im September weitere 10%.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass der Sommer oft trügerisch ruhig ist. Auch im laufenden Jahr sollten Anleger wachsam bleiben. Der wichtigste Unsicherheits- faktor ist und bleibt die amerikanische Handelspolitik. US-Präsident Trump droht weiterhin mit neuen Zöllen, neuerdings mit dem Stichtag 1. August. Die Finanzmärkte reagieren bislang erstaunlich gelassen. Der „Taco Trade“, ein Akronym für „Trump always chickens out“, beschreibt die verbreitete Erwartung, dass der amerikanische Präsident seine Drohungen letztlich doch nicht umsetzt. Allerdings hat Trump die Zölle bereits mehrfach deutlich erhöht, auch gegenüber der Schweiz. Zwar fielen die Anpassungen bislang weniger drastisch aus als befürchtet, doch viele Länder haben sich offenbar mit den bestehenden Aufschlägen arrangiert. Aus der relativen Ruhe darf allerdings keine Entwarnung abgeleitet werden. Erstens könnte Trump gerade wegen der weitverbreiteten Taco-Erwartung nun bewusst gegensteuern. Zweitens entfalten viele zollbedingte Effekte erst verzögert ihre Wirkung.

US-Konjunktur stabil, die Geldpolitik bleibt restriktiv

Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich zwar nach wie vor robust, die Konsumdaten überraschen positiv und zyklische Sektoren legen zu. Von einer unmittelbar drohenden Rezession ist derzeit keine Rede. Geldpolitisch bleibt das Umfeld jedoch fragil. Zwar bewegen sich die US-Inflationsraten bislang im Rahmen der Erwartungen, doch einzelne Güter- und Dienstleistungspreise ziehen bereits deutlich an. Die US-Notenbank warnt, dass die tatsächlichen Effekte der Importzölle erst in der zweiten Jahreshälfte sichtbar werden dürften. Angesichts der weiterhin soliden US-Konjunktur bleibt der Leitzins vorerst unverändert, was insbesondere Donald Trump gar nicht gefällt. Seit Monaten fordert er eine Senkung der Leitzinsen, um die Konjunktur weiter anzukurbeln. Um Druck aufzubauen, attackiert er Fed-Chef Jerome Powell wiederholt auch persönlich.

Wachsam bleiben und Portfolio breit aufstellen

Ein bedeutender Stabilitätsfaktor bleibt der weltweite KI-Boom sowie die ungebrochene Nachfrage nach Hochleistungschips. In Europa wirken zusätzlich die angekündigten Investitionen in Rüstung und Infrastruktur unterstützend. Diese Trends stärken bislang die Widerstandsfähigkeit der Märkte. Allerdings wird der aktuelle Aufschwung an den Aktienmärkten zunehmend von einer kleineren Zahl von Titeln getragen. Dies war in der Vergangenheit oftmals ein Warnsignal, dass die Anfälligkeit für Kurskorrekturen erhöht ist. Die Liste potenzieller Auslöser für Volatilität ist derzeit lang. Der Handelskonflikt, politische Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank oder die Zinsentwicklung in Japan zählen zu den Faktoren mit globaler Wirkung. Oft reicht bereits eine unglückliche Kombination verschiedener Faktoren, um deutliche Marktbewegungen auszulösen. Umsichtige Anlegerinnen und Anleger tun daher gut daran, die Sommermonate zur Erholung zu nutzen, ohne dabei die Bedeutung breit diversifizierter Portfolios aus dem Blick zu verlieren.

Quelle: InvestmentWorld.ch


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