LGT Navigator: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre geldpolitische Ausrichtung bestätigt, zugleich aber auf Ende Jahr eine «moderate Drosselung» ihrer Anleihenkäufe im Rahmen des Corona-Notkaufprogramms PEPP in Aussicht gestellt.
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Die EZB-Präsidentin machte klar, dass es sich hierbei um eine «Rekalibrierung» und nicht um ein «Tapering» handelt. Kurzfristig können die Aktienmärkte also weiterhin auf eine expansive Geldpolitik der EZB und auch des Fed bauen.
Die Aussicht auf eine äusserst vorsichtige Vorgehensweise der EZB und des Fed sowie besser als erwartet ausgefallene Daten vom US-Arbeitsmarkt sorgten an den Börsen zunächst für Rückenwind. Dieser liess jedoch schnell nach, denn die anhaltende Unterstützung durch die Geldpolitik war grösstenteils bereits in den Kursen eingepreist. Der EuroStoxx 50 hatte nach dem EZB-Entscheid zunächst die zuvor verbuchten Verluste aufgeholt, ging dann aber unverändert bei 4’177.11 Punkten aus dem Handel. In New York schlossen die Aktienindizes am Donnerstag schwächer. Nach einem zunächst freundlichen Start gaben der Dow Jones Industrial um -0.43% auf 34’879.38 Punkte nach und der S&P 500 verlor -0.46% zum Schlussstand von 4’493.28 Zählern.
In Asien erholten sich die Börsen zum Wochenschluss von den vorangegangenen zwei Verlusttagen. Der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien ausserhalb Japans legte um rund +0.5% zu. In Tokio gewinnt der Nikkei-225 ein Prozent und in Hongkong steigt der Hang Seng-Index um +1.75%.
«Kein Tapering, sondern Rekalibrierung»
EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte klar, dass die auf Ende dieses Jahres in Aussicht gestellte leichte Drosselung des EZB-Pandemiekaufprogramms PEPP noch keine wirkliche Absicht zur Reduktion der quantitativen Massnahmen oder «Tapering» darstelle, sondern es sich vielmehr um eine «Rekalibrierung» handle. Gleichzeitig hält die EZB ihre Leitzinsen angesichts der nach wie vor überwiegenden Abwärtsrisiken für die Euro-Wirtschaft vor dem Hintergrund der Delta-Variante, der langsamen Impfkampagne und Lieferengpässen weiterhin auf einem Rekordtief, resp. teilweise im negativen Bereich.
Aktuelle EZB-Prognosen: Wirtschaftserholung intakt, bei leicht höherer Inflation
In ihren neusten Konjunkturprognosen für den Euroraum geht die EZB davon aus, dass sich die Wirtschaft schneller vom Corona-Einbruch – das Euro-BIP fiel 2020 um -6.4% – erholen wird als bisher angenommen. Für 2021 stellt die Notenbank ein BIP-Wachstum von +5.0% in Aussicht (bisherige Prognosen +4.6%). Im nächsten Jahr sollen die 19 Euroländer gesamthaft um +4.6% wachsen (bisher +4.7%) und für 2023 rechnet die EZB unverändert mit einer Expansion um +2.1%. In ihrer aktuellen Einschätzung der Inflationsentwicklung in der Eurozone erwartet die EZB im laufenden Jahr eine Jahresteuerungsrate von +2.2%, leicht höher als die noch im Juni antizipierten +1.9%. Für 2022 rechnet die Notenbank mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um +1.7% (bisher +1.5%) und 2023 um +1.5% (+1.4%). Die Zielsetzung der EZB ist bekanntlich eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent, die aber zeitweise moderat überschritten werden darf.
Besser als erwartete kurzfristige US-Arbeitsmarktdaten
Neuste Zahlen vom US-Arbeitsmarkt zeigten einen stärker als antizipierten Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Im Wochenvergleich gingen die «Initial Jobless Claims» um 35’000 auf 310’000 zurück – der stärkste Rückgang seit Ende Juni. Die Gesamtlage am US-Jobmarkt bleibt aber fragil, wie das jüngst enttäuscht ausgefallene Beschäftigungswachstum zeigte.
Chinas Erzeugerpreise steigen auf 13-Jahreshoch
In China sind die Preise auf Produzentenebene im August so stark gestiegen wie seit August 2008 nicht mehr. Auf Jahressicht erhöhte sich das Preisniveau um +9.5%, getrieben vor allem von höheren Rohstoffpreisen, wie Industriemetalle, Kohle oder Chemikalien. Die Preisentwicklung auf Erzeugerebene wirkt sich teilweise mit Verzögerung auf die Verbraucherpreise aus und kann aufgrund der starken Verflechtung des chinesischen Aussenhandels auch Einfluss auf die Inflationsraten bei den Handelspartnern nehmen. Bisher bleibt in China die Konsumentenpreisteuerung aber äusserst moderat. Im August ging die offizielle Inflationsrate insbesondere wegen tieferer Lebensmittelpreise sogar von +1.0% im Juli auf +0.8% zurück.
Lieferengpässe und Materialmangel bremsen deutsche Exporte
Die deutschen Ausfuhren sind im Juli gegenüber dem Vormonat um -0.5% zurückgegangen, nachdem die Exporte im Juni noch um +1.3% auf Monatssicht zugenommen hatten. Im Vergleich zur stark durch Corona-Effekte gezeichneten Vorjahresperiode nahmen die deutschen Exporte aber um +12.4% zu. Wird das Vorkrisenniveau im Februar 2020 als Vergleichswert herangezogen, waren die Ausfuhren im Juli 2021 um +1.6% höher.
Wirtschaftskalender 10. September
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 08:00 | DE | Verbraucherpreise (August, J/J) | +3.1% |
| 10:00 | IT | Industrieproduktion (Juli, J/J) | +13.9% |
| 11:00 | EZ | EZB-Lagarde Rede | |
| 14:30 | USA | Erzeugerpreise (August, J/J) | +7.8% |
| 14:30 | USA | Kern-Erzeugerpreise (August, J/J) | +6.2% |
Unternehmenskalender 14. September
| Land | Unternehmen | Periode |
| CH | Roche “Pharma Day” |
Quelle: BondWorld.ch
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