LGT Navigator : Die amerikanische Zentralbank (Fed) hat wie erwartet angekündigt, die bereits eingeleitete Drosselung der Anleihenkäufe, das sogenannte «Tapering» angesichts des massiv gestiegenen Inflationsdrucks, zu beschleunigen.
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Zudem stellt das Fed nun drei Zinserhöhungen im nächsten Jahr in Aussicht. An den Aktienmärkten hatten Anleger eine forschere Gangart bereits antizipiert und so fielen die Reaktion überraschend positiv aus. Heute stehen nun die Zinsentscheide der Schweizerischen Nationalbank (SNB) um 09:30 Uhr (MEZ), der Bank of England um 13:00 Uhr und der EZB um 13:45 Uhr im Fokus, gefolgt von der Bank of Japan am Freitag.
Dem US-Notenbankvorsitzenden Jerome Powell zufolge braucht die US-Wirtschaft die Unterstützung im bisherigen Ausmass nicht mehr, und die zuletzt signifikant gestiegene Inflation rechtfertige einen schnelleren Ausstieg aus dem laufenden Anleihenkaufprogramm. Im November erreichte die Teuerungsrate in den USA mit +6.8% den höchsten Wert seit 1982! In der Folge beschloss das Fed, die Reduzierung der Anleihenkäufe auf USD 30 Milliarden pro Monat zu verdoppeln, womit das Fed ab Januar noch Anleihen im Volumen von USD 60 Milliarden pro Monat kauft und das Programm somit bereits im März 2022 auslaufen wird. Der Leitzins bleibt unterdessen unverändert bei 0.0-0.25%, jedoch stellt die US-Notenbank ihren aktuellen Projektionen zufolge im nächsten Jahr nun insgesamt mindestens drei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte in Aussicht, und 2023 könnten weitere drei Zinsschritte folgen.
In ihren gestern vorgestellten neuen Konjunkturprognosen geht das Fed davon aus, dass die Inflation im nächsten Jahr im Schnitt +2.6% betragen wird. Im September lautete die Prognose noch +2.2%. Gleichzeitig erwartet die Notenbank ein leicht stärkeres Wirtschaftswachstum von +4.0% (bisher +3.8%) und einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 3.5%, womit das Ziel der Vollbeschäftigung fast wieder erreicht wird.
An der Wall Street reagierten die Aktienindizes überraschend positiv. Der Dow Jones Industrial legte um rund +1% zu und der breite S&P 500 gewann sogar rund +1.5%. An der zinssensitiven Technologiebörse Nasdaq ging es gar um rund +2% in die Höhe. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries blieb mit 1.45% praktisch unverändert. Die restriktivere Geldpolitik seitens des Fed scheint also offenbar gut eingepreist und bietet im positiven Sinne Investoren eine bessere Visibilität. Zudem fielen die gestern publizierten Konjunkturdaten aus den USA insgesamt gesehen recht solide aus. So meldete die Detailhandelsbranche zwar einen geringer als von Analysten erwarteten Umsatzanstieg im November von +0.3% (Konsens +0.8%), jedoch waren die Verkäufe im Monat zuvor mit +1.8% (erster Ausweis +1.4%) stark. Desweiteren zeigte der Empire-State-Indikator der New Yorker Distriktnotenbank mit einem Anstieg von 30.9 auf 31.9 Punkte eine Verbesserung des Geschäftsklimas in der Wirtschaftsregion. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 25.9 Zähler prognostiziert.
Ist die EZB gezwungen, ihren Inflationsausblick anzupassen?
Mit Spannung wird heute auch die Einschätzung der Europäischen Zentralbank erwartet. Insbesondere hinsichtlich des Inflationsausblicks zeigte sich in jüngster Zeit eine divergierende Meinung an der Notenbankspitze. Wird die EZB also eine früher als bisher antizipierte geldpolitische Wende signalisieren, oder an der bisherigen Annahme einer «nur vorübergehend» eskalierenden Inflation festhalten? Aufschluss wird die auf 14:30 Uhr angesetzte Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde liefern.
In Frankreich kletterte die Inflationsrate unterdessen im November auf +3.4%, von +3.2% im Monat zuvor. Verteuert haben sich neben den Energiepreisen auch die Preise für Dienstleistungen. In Spanien erreichte die Teuerungsrate der Verbraucherpreise im November auf Jahressicht +5.5% (Vormonat +5.4%). Teurer als vor einem Jahr waren Energie, Lebensmittel und Dienstleistungen, insbesondere im Hotel- und Gastgewerbe
Bank of England unter Zugzwang – Inflation steigt auf Zehnjahreshoch
Die britische Notenbank könnte bereits heute dem anhaltenden Inflationsdruck mit einer Straffung der Geldpolitik entgegentreten. Die rasant steigende Teuerung in Grossbritannien setzt die Notenbank jedenfalls immer stärker unter Zugzwang. Die britische Inflationsrate kletterte von +4.2% im Oktober auf +5.1% im November und erreichte damit den höchsten Stand seit zehn Jahren. Analysten hatten mit einer aktuellen Teuerungsrate von +4.8% gerechnet. Getrieben wird der Preisschub vor allem durch Transportkosten wegen höherer Preise für Kraftstoffe sowie durch höhere Preise für Wohnen und Dienstleistungen.
Wirtschaftskalender 16. Dezember
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 08:45 | FR | Konjunkturumfrage (Dezember) | +109.0 |
| 09:15 | FR | IHS Markit Einkaufsmanagerindex Composite (Dezember) | 56.1 |
| 09:30 | CH | SNB Zinsentscheid | -0.75% |
| 09:30 | DE | IHS Markit Einkaufsmanagerindex Composite (Dezember) | 52.2 |
| 10:00 | EZ | IHS Markit Einkaufsmanagerindex Composite (Dezember) | 55.4 |
| 13:00 | GB | Bank of England Zinsentscheid | +0.1% |
| 13:45 | EZ | EZB Zinsentscheid | 0.0% |
| 14:30 | USA | Philly Fed-Industrie-Index (Dezember) | +28.5 |
| 14:30 | USA | Baubeginne (November, M/M) | -0.7% |
| 14:30 | USA | Baugenehmigungen (November, M/M) | +4.2% |
| 15:15 | USA | Industrieproduktion (November, M/M) | +1.6% |
| 15:45 | USA | IHS Markit Einkaufsmanagerindex Composite (Dezember) | 57.2 |
Unternehmenskalender 16. Dezember
| Land | Unternehmen | Periode |
| CH | Straumann | Kapitalmarkttag |
| USA | FedEx | Q2 |
| USA | Adobe | Q4 |
| USA | Accenture | Q1 |
Quelle: BondWorld.ch
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