Aktuelle Situation in den Emerging Markets

Yerlan Syzdykov, Head of Global Emerging & High Yield Bond bei Pioneer Investments am Standort London
Welche Gründe stehen hinter den aktuellen Turbulenzen in den Emerging Markets (EM)?…


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Der aktuelle Ausverkauf, der insbesondere die Anleihemärkte der Schwellenländer trifft, dürfte auf eine Kombination aus globalen und regionalen Faktoren zurückzuführen sein. Der wichtigste globale Faktor ist die schrittweise Rückführung der geldpolitischen Impulse der US-Notenbank. Diese Tapering-Strategie hatte die Fed bereits vor langer Zeit angekündigt; nun werden die ersten Schritte umgesetzt. Die Fed wollte die Märkte hinsichtlich der Tempoverringerung ihrer Anleihekäufe beruhigen: Wenn die binnenwirtschaftlichen Daten nicht allzu stark ausfallen, wird es wohl kaum beschleunigt. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten blieben hier hinter den Markterwartungen zurück.
Die meisten Anleger, die sich auf der Suche nach Zusatzrenditen in Emerging Markets engagiert hatten, zeigten sich jedoch bereits enttäuscht, als Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung sichtbar wurden, was die Lokalwährungen etwas unter Abwärtsdruck setzte. Parallel zum in Aussicht gestellten Ende des billigen Geldes – der wichtigsten “Lokomotive” für die Renditesuche – stiegen die Sorgen um die Gruppe der “Fragile Five” – Südafrika, Türkei, Indien, Indonesien, Brasilien – und deren Fähigkeit, Wachstum über Auslandsinvestitionen zu finanzieren. Die Investoren waren vermutlich nicht angemessen darauf vorbereitet, dass länderspezifische Fundamentaldaten die Märkte wieder bewegen.
Was sind die wichtigsten länderspezifischen Themen?
Eine Reihe kritischer Entwicklungen sind eine Analyse wert. Mit einem Leistungsbilanzdefizit von mehr als 7,4% ist die Türkei stark von Mittelzuflüssen aus dem Ausland abhängig. In einer Krisensitzung hat die türkische Zentralbank alle Leitzinsen angehoben, um den Verfall der Lira zu stoppen, den die jüngsten politischen Turbulenzen und Sorgen um die Anfälligkeit des Landes ausgelöst haben.
Die über Nacht ergriffenen Maßnahmen sollen die Glaubwürdigkeit der Zentralbank in Bezug auf eine wirksame geldpolitische Steuerung und Inflationskontrolle wiederherstellen. Ähnliche Maßnahmen wurden in Indien und Südafrika ergriffen – und auch in Brasilien, wo die Leitzinsen bei sechs Zentralbanksitzungen in Folge erhöht wurden. Argentinien, dem geringere Reserven zur Verteidigung der Währung zur Verfügung stehen, entschied sich für eine massive Abwertung. Eine Stabilisierung des Pesos wird sich unseres Erachtens schwierig gestalten.
China sollte sich in einer besseren Position befinden. Doch auch hier ließen Berichte, dass ein Ausfall eines (über das “Schattenbankensystem” vertriebenen) Treuhandfonds drohe, einige Besorgnis über die Gesundheit des Finanzsektors aufkommen. Die geplante Rettung des Anlageprodukts vermag dieses konkrete Problem zu lösen, sorgt aber wohl kaum für nachhaltige Entspannung, solange die Gefahr ähnlicher Vorfälle nicht gebannt wird.
Schließlich wurde just zu dem Zeitpunkt, als die Risikobereitschaft der Investoren nachließ, der Markt durch ein erhöhtes Angebot an Neuemissionen belastet. In Anbetracht all dieser Faktoren verlangen die Investoren höhere Risikoprämien, und es ist nicht auszuschließen, dass sich die Neubewertung der Assetklasse in den kommenden Monaten fortsetzt.
Glauben Sie, dass eine länger anhaltende Korrektur zu weiteren Ansteckungswirkungen führt?
Wir gehen nicht davon aus, dass die aktuelle Preiskorrektur wie bei den letzten Malen zu weitflächigen Ansteckungseffekten führt, denn die EM-Landschaft ist inzwischensehr heterogen. Mittelfristig wird der Markt Länder mit solider Auslandspositionpräferieren, angefangen mit China, das einen Großteil zum Bruttoinlandsprodukt der Schwellenländer beisteuert und bekanntlich auch als Anlageziel stark im Blickpunkt steht. Über ein sorgfältiges Auswahlverfahren sollten dann jene Länder identifiziert werden, die eine solide Wirtschaftspolitik betreiben (z.B. einige osteuropäische Staaten), in einer Phase der Risikoaversion jedoch ohne stärkere Differenzierung der Märkte abgestraft werden könnten. Kurzfristig ist allerdings kaum vorstellbar, dass sich der Markt wieder auf Fundamentaldaten konzentriert. Daher befürchten wir, dass mit weiterhin hoher Volatilität zu rechnen ist, insbesondere bei den Währungen. Für Investoren, die gezielt Risiken eingehen, könnte dies mittelfristig einige Kaufchancen eröffnen.
Sie haben China als exponiertes Anlageziel erwähnt. Welche Auswirkungen sehen Sie dort speziell?
Die Reaktion auf die jüngsten Wirtschaftsdaten ist insofern ein Abbild des herausfordernden Klimas, als die meisten relevanten Daten den Erwartungen entsprachen – angefangen mit dem BIP-Wachstum im vierten Quartal. Wir sollten stets berücksichtigen, dass sich China in einer Übergangsphase befindet und der Wechsel zu einer stärker vom privaten Konsum getragenen Wirtschaft mit einem langsameren Wachstumstempo einhergeht. Länder, die von Chinas Wachstum stärker abhängig sind, werden in dieser Übergangsphase wahrscheinlich eher belastet. Hingegen sollten jene Länder, die Konsumgüter verkaufen, mittelfristig profitieren. Wenn sich die von der neuen chinesischen Führung zugesagten Reformen als erfolgreich erweisen – wovon wir ausgehen – wird dies den Weg zu strukturellen Veränderungen beschleunigen, wodurch das Vertrauen in die Emerging Markets in ihrer Gesamtheit wiederhergestellt werden könnte.
Könnte der Unternehmenssektor eine defensive Alternative im EM-Anleiheuniversum darstellen?
Bisher war dies der Fall. Im letzten „Ausverkauf“ weiteten sich die Risikoprämien(Spreads) im Segment für Staatsanleihen stärker aus als im Unternehmenssektor. Im Segment der Unternehmensanleihen konnten Investment-Grade-Titel (IG) im Zuge steigender Risikoaversion High-Yield-Papiere (HY) outperformen. Im bisherigen Jahresverlauf* verzeichnete der Index für Auslandsanleihen im Staatssegment einen negativen Gesamtertrag von 0,17%, während der für Unternehmensanleihen eine positive Performance von 0,59% erzielte (IG +0,77%, HY +0,19%). Unserer Ansicht nach werden die Kreditmärkte auch künftig selektive Chancen bieten, wenn man sich auf solide Fundamentaldaten und Sektoren wie Energie konzentriert, die von einer Erholung in den Industrienationen profitieren könnten.

Wie wahrscheinlich ist eine Ansteckung bei den globalen Zinsen?

Risikoaversion belastet oftmals die Kreditmärkte generell, aber nur, wenn die Vertrauenskrise sehr weit um sich gegriffen hat. In diesem Fall könnten bei den Investoren neuerliche Rezessions- und Deflationsängste aufkommen, die möglicherweise in einer Flucht in deutsche Bundespapiere und US-Treasury-Anleihen münden. Wir sehen in der aktuellen Konstellation allerdings nur begrenzte Ansteckungsgefahren, doch die Möglichkeit überschießender Reaktionen sollte stets berücksichtigt werden. Wir für unseren Teil halten unter diesen Umständen einen besonders selektiven Ansatz für erforderlich und streben derzeit eine defensivere Asset Allocation (Vermögensaufteilung)an.

*Stand: 29.01.2014. Bei den betrachteten Indizes handelt es sich um den JPMorgan EMBI Global Diversified und den JPMorgan CEMBI Broad Diversified.

Source: BONDWorld – Pioneer Investments


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