Naumer Hans-Jorg Allianz GI

Allianz GI : Hochstimmung

Allianz GI : Über den März hinweg herrschte an den Kapitalmärkten weiter Hochstimmung.

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Von Dr. Hans-Jörg Naumer Director Global Capital Markets & Thematic Research


Neue Höchststände beim S&P 500, dem Nikkei, dem EuroSTOXX und DAX wurden geknackt oder zumindest verteidigt. Bitcoin und Gold schraubten sich ebenfalls weiter nach oben.

Die Indikatoren für finanziellen Stress der Europäischen Zentralbank (EZB) und der regionalen Zentralbanken von Kansas und St. Louis gingen weiter zurück. Die Anleger (gemessen am Sentix) bewegen sich ebenfalls in Hochstimmung. Lediglich die Stimmung deutscher Anleger scheint getrübt, ist aber auf dem Weg der Besserung. Ein Gefühl von Schwerelosigkeit macht sich breit, wie auch die Relation des Kurs-GewinnVerhältnisses des S&P 500 zum VIXIndex als Risikomaß zeigt. Risiken scheinen kaum gepreist zu werden.

Gleichzeitig haben sich die Finanzmärkte seit Jahresbeginn einem Realitätscheck unterzogen, ausgelöst durch eine unerwartet gute Wirtschaftsnachrichtenlage und subtile Veränderungen in der Kommunikation der Zentralbanken.

Wegen des unveränderten KonsensSzenarios eines soliden globalen Wirtschaftswachstums bei gleichzeitig weiter rückläufigen Inflationsraten wurden die Erwartungen von Zinssenkungen mit Blick auf die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) und die EZB auf dem Zeitstrahl nach hinten in Richtung unserer Erwartungen verschoben. Die Fed ließ sich etwas in die Karten schauen. Die bereits erwarteten drei Zinsschritte noch in diesem Jahr sind in den Bereich des Wahrscheinlichen gerückt. In trockenen Tüchern sind sie aber noch nicht. Gleichzeitig deuten die jüngsten Konjunkturindikatoren darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer stabilen Konjunkturentwicklung zunimmt, die Rezessionsgefahr also vom Tisch ist.

„Bonds are back“: Dass Anleihen als Vermögensgattung zurück sind, hat nach der rasanten Zinswende 2022 keinen Neuigkeitswert mehr. Jetzt aber ist auch das Ende von „NIRP“, der „Negative Interest Rate Policy“, erreicht. Die Bank of Japan (BoJ; Zentralbank Japans) hat sich von der jahrelangen Politik negativer Zinsen Mitte März verabschiedet und lupfte die kurzfristigen Zinsen um etwa 10 Basispunkte (0,10%) an. Die Maßnahmen zur Steuerung der Zinskurve („Yield Curve Control“, YCC) werden gestoppt. Auch wenn der Leitzinsschritt nur geringfügig ist und es zu weiteren Anleihekäufen kommen wird, so ist der Beginn einer Straffung der japanischen Geldpolitik doch von Bedeutung.

Die Woche voraus

Das wichtige Signal dahinter: Die BoJ rechnet damit, dass das Inflationsziel von 2% in den nächsten zwei Jahren endlich (!) erreicht werden dürfte und der jahrelange Kampf gegen die Deflation zum Ende kommt.

Das Anlageumfeld bleibt fordernd. Die Lehren aus der Vergangenheit zeigen, dass risikoreiche Anlagen, insbesondere die Aktienmärkte, in den kommenden Monaten noch Spielraum haben sollten, wenn es der Federal Reserve und anderen wichtigen Zentralbanken gelingt, eine sanfte Landung der Wirtschaft bei nachhaltig niedrigerer Inflation und einer lockeren Geldpolitik zu erreichen. Ein Scheitern in einem dieser Bereiche – sei es das Abrutschen in eine Rezession, sei es ein Wiederanstieg der Inflation oder wider Erwarten anhaltende geldpolitische Restriktionen – könnte jedoch zu merklichen Enttäuschungen führen. Die kurzfristige Stimmung an den Finanzmärkten könnte im Falle einer anhaltenden Neubewertung in Richtung einer geringeren oder späteren Lockerung der Geldpolitik bei gleichzeitig negativen Überraschungen seitens der Inflation gedämpft werden.

Das legt folgende taktische Allokation für Aktien und Anleihen nahe:

  • Der konstruktive Ausblick für Aktien wird durch fundamentale Faktoren gestützt, vor allem durch das vorherrschende Soft-Landing-Szenario.
  • Mit einer zunehmenden Volatilität sollte gerechnet werden. Die Bilanzreduktion der großen Zentralbanken („Quantitative Tightening“) dürfte fortgesetzt werden. Die zwischenzeitlich an den Märkten eingepreisten Zinsschritte sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zentralbankbilanzen weiter normalisiert werden sollten, was sich auf die Liquiditätslage auswirken dürfte.
  • Frei von Rückschlaggefahren ist die „Hochstimmung“ also nicht. Die Bewertungen sind teilweise ambitioniert und die Aktienmärkte scheinen ein „Beste aller Welten“-Szenario einzupreisen.
  • Ein langsamer werdendes Wachstum würde sich im Gewinnbild der Firmen fortsetzen, was eine unangenehme Entwicklung in Anbetracht teilweise deutlich erhöhter Bewertungen z.B. im Bereich der Technologietitel wäre.
  • Im aktuellen Umfeld liegt es nahe, einen Schwerpunkt auf Qualitätsaktien mit starken, idealerweise konjunkturunabhängigen Cashflows zu legen sowie auf Strategien, die ein Augenmerk auf einen stetigen Dividendenfluss haben.
  • Die sich bei EZB und Fed abzeichnenden Zinssenkungen lassen steiler werdende Zinsstrukturkurven erwarten.
  • Die Risikozuschläge („Spreads“) im Unternehmensanleihesegment sollten vom vorherrschenden „Risiko an“-Modus unterstützt werden und von der attraktiven Mehrrendite, dem „Carry“. Wer mit einer konjunkturellen Verlangsamung rechnet, für den sollten Titel aus dem Segment bester Qualität naheliegen.

Quelle: InvestmentWorld.ch


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