AllianzGI : Die Unsicherheiten über die US-Handelspolitik sorgen bei US-Investment-Grade-Anleihen für ein komplexes, aber nicht unattraktives Bild.
Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter
von Anil Katarya, Fondsmanager des Allianz US Investment Grade Credit, Voya IM, sowie Mathias Peter (Photo) , Head of Wholesale Switzerland, Allianz Global Investors
Die Finanzmärkte verzeichneten 2025 eine deutlich erhöhte Volatilität, die in erster Linie auf die Unsicherheit hinsichtlich der US-Handelspolitik zurückzuführen war. Dies wirkte sich auch auf die Zinsaufschläge am US-Anleihemarkt aus. Während diese im Januar und Februar noch in einem relativ engen Band handelten, verlangten Anleger im März aufgrund schwächerer Konjunkturdaten höhere Risikoprämien. Im April, als die Volatilität infolge gestiegener Zollunsicherheiten weiter zunahm, erreichte der optionsbereinigte Spread (OAS) des Investment-Grade-Marktes (IG-Markt) mit 119 Basispunkten den höchsten Stand seit 2023. Bereits Ende desselben Monats konnte ein Grossteil der Ausweitung allerdings wieder wettgemacht werden, als die Unsicherheit hinsichtlich der Zölle nachliess.

Wie geht es nun in der zweiten Jahreshälfte 2025 weiter? Lässt man den Unsicherheitsfaktor US-Handelspolitik zunächst einmal aussen vor, sieht die technische Marktlage nicht schlecht aus. So lag die Primärmarktaktivität bislang auf einem gesunden Niveau und entsprach weitgehend den Erwartungen, selbst nach der kurzen Flaute im April. In den ersten sechs Monaten von 2025 belief sich das Brutto-Emissionsangebot auf 900 Mrd. US-Dollar, was einem Anstieg von 4,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 entspricht. Gleichzeitig dürften hohe Renditen und die Aussicht auf gewisse Zinssenkungen die Nachfrage nach US-Unternehmensanleihen weiter hoch halten. Zudem bleibt das makroökonomische Umfeld günstig für Investment-Grade-Anleihen. Sofern keine unvorhergesehenen Schocks eintreten, dürften sich die Spreads in naher Zukunft also nicht wesentlich ausweiten.
Die Schlagzeilen zur Zollpolitik indes dürften zunächst volatil bleiben. Deren längerfristige Auswirkungen werden erst mit der Zeit sichtbar werden und sich wahrscheinlich im weiteren Jahresverlauf in den Konjunkturdaten und in schwächeren Unternehmensgewinnen niederschlagen. Selbst wenn man im Zollstreit mit wichtigen Handelspartnern von einer Deeskalation ausgeht, werden die durchschnittlichen Zollsätze voraussichtlich deutlich höher ausfallen. Die einzelnen Sektoren werden davon allerdings unterschiedlich betroffen sein – je nach geografischer Ausrichtung ihrer Lieferketten sowie der Preisgestaltungsmacht und Margen.
Obwohl letztlich kein Sektor vor möglichen Zweitrundeneffekten geschützt ist, sind die folgenden Bereiche des IG-Marktes am unmittelbarsten und stärksten betroffen: Dies ist erstens der stark exponierte Einzelhandel, dabei vor allem modeorientierte Emittenten, die einen erheblichen Teil ihrer Produkte aus dem Ausland beziehen. Zweitens die Automobilbranche, die kapitalintensiv ist und in der bereits Margenprobleme auftreten und die Möglichkeiten für weitere Preiserhöhungen fraglich sind. Drittens schliesslich sind im Bereich der Konsumgüter einzelne Unternehmen stark exponiert, darunter Spielzeughersteller, Haushaltsgerätehersteller und Hersteller von Freizeitfahrzeugen.
Zu den Sektoren mit mässiger oder gemischter Anfälligkeit zählt zuvörderst der Bereich Lebensmittel und Getränke. Obwohl Alkoholhersteller besser aufgestellt sind als andere Konsumgüterbranchen, sehen sie sich aufgrund der erwarteten Aluminiumzölle auf Dosen mit Gegenwind konfrontiert. Zudem könnten bestimmte Lebensmittelunternehmen unter Druck geraten, wenn die Preise für Rohstoffimporte steigen. Auch für Hardware-Hersteller und Technologie-Distributoren können die Auswirkungen der Zölle angesichts ihrer globalen Lieferketten erheblich sein. Diese Unternehmen sind allerdings mitunter in der Lage, ihre Lieferketten zu optimieren und die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Und schliesslich dürften die meisten Halbleiterunternehmen, die nicht in den USA ansässige Fertigungsstätten nutzen, einen erheblichen Anstieg ihrer Kostenstruktur verzeichnen. Die konkreten Auswirkungen werden jedoch davon abhängen, an welcher Stelle der Lieferkette die Zölle eingeführt werden.
Letztlich gibt es aber auch Sektoren, die weitgehend abgeschirmt sind. Dies sind erstens Banken, für die es keine direkten Zollauswirkungen gibt. Wichtige Kreditnehmer und Ertragstreiber könnten allerdings aufgrund möglicher Sekundäreffekte teilweise betroffen sein. Ähnlich wie Banken sind auch Versicherer relativ wenig zollanfällig, wenngleich deren inflationäre Auswirkungen für Schaden- und Unfallversicherer einen Belastungsfaktor darstellen können. Die am wenigsten betroffene Branche schliesslich dürften aber Versorger sein, aufgrund ihrer Ausrichtung auf den Binnenmarkt.
Für Anleger in US-Investment-Grade-Anleihen heisst das: Einerseits bleibt die politische Unsicherheit erhöht, was im Blick zu behalten ist. Anleger sollten daher sektoral selektiv vorgehen. Andererseits dürften starke technische Faktoren und weiterhin solide Fundamentaldaten die Bewertungen in der zweiten Jahreshälfte 2025 stützen. Mögliche Spreadausweitungen sollten daher auch immer unter dem Blickwinkel betrachtet werden, ob dies attraktive Einstiegszeitpunkte bietet.
Quelle: InvestmentWorld
Newsletter





