DJE: Dr. Jens Ehrhardt äussert sich zur aktuellen Krise in Ukraine und den Auswirkungen auf die Finanzmärkte.
Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter
Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG
Den II. Weltkrieg, als der Rüstungsboom der Nazis die Aktienkurse noch 1941 um 20 Prozent nach oben trieb, hat Dr. Jens Ehrhardt an der Börse nicht erlebt. Aber viel fehlt nicht: Ehrhardt, Grandseigneur der deutschen Vermögensverwalter, Gründer von DJE Kapital in Pullach, wird im März 80 – und hat in seinen fast 60 Jahren an der Börse einige Kriege und Konflikte durchlitten: Vietnam, Prager Frühling, Sechstagekrieg, Jom Kippur, Kuwait, Irak, Krim. Jetzt eben Putin in der Ukraine. «Die Geschichte zeigt, dass die Börsen politische Schocks schnell überwinden», sagt Ehrhardt. Er setzt auf Verhandlungen.
Eher ein Nonevent für die Weltkonjunktur
Die Ukraine-Krise werde uns länger treffen, erläutert Jens Ehrhardt: «Das liegt vor allem an unserer Abhängigkeit vom russischen Erdgas. Es ist Unsinn, wenn Ursula von der Leyen sagt, wir könnten uns mit Flüssiggas versorgen, dafür fehlt es an der Infrastruktur und den Schiffen.» Der Ukraine/Russland-Konflikt dürfte aber kaum der «grösste Angriffskrieg seit dem Zweiten Weltkrieg» werden (so die Prognose von US-Präsident Biden), sondern eher ein Nonevent für die Weltkonjunktur. Russland habe zwar selektive Bedeutung für Erdöl und Rohstoffe als Lieferant, aber mache nur 1,3 % des Welt-Bruttosozialprodukts aus.
Eskalation wäre gefährlich – Fokus auf Rohstoffe
Bisher hätten die Russen immer geliefert, auch im Kalten Krieg. Die Kriegsangst sieht man auch an den Börsen «Aktuell halte ich beim Dax ein langfristiges Minus von fünf Prozent für möglich. Man weiss aber nicht, wie es sich entwickelt, wenn Europa mehr Sanktionen erlässt und die Lage weiter eskaliert. Wenn Russland uns das Gas abdreht, können wir froh sein, wenn wir über den Winter kommen, von der Industrie ganz schweigen», so Erhardt. Man muss ja auch unangenehme Themen wie Cyber-Angriffe bedenken, bei denen die Russen Spezialisten sind. Sollte noch mehr passieren, erwarte er eine starke Rezession in Deutschland und Europa: «Deswegen ist es Unsinn, jetzt die Muskeln spielen zu lassen.»
Rohstoffe als Anlageform seien jetzt eine gute Wahl, Gold, Silber und Paladium, gerne auch physisch. Die Preise seien zwar aktuell hoch, aber er glaube nicht, dass sie schon ihre Spitze erreicht haben «In Krisenzeiten flüchten die Menschen in sichere Anlagen – und hier ist noch Luft nach oben. Auch die Aktien von Öl- und Gaskonzernen können jetzt profitieren – sofern sie nichts mit Russland zu tun haben.»
Quelle: AdvisorWorld.ch
Newsletter




