Federated Hermes : China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Land macht ein Drittel des Schwellenländeruniversums aus und steuert die Hälfte des BIP der Schwellenländer bei.
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Kunjal Gala, Head of Global Emerging Markets
China spielt eine entscheidende Rolle für die globalen Lieferketten und ist führend in wichtigen Bereichen wie erneuerbare Energien, Elektrofahrzeugbatterien und Herstellung älterer Chipgenerationen. Zudem hat China auf weiteren Gebieten der Hochtechnologie rasant aufgeholt, darunter Biotechnologie, Automatisierung, Robotik und künstliche Intelligenz (KI). Diesen Markt vollständig außer Acht zu lassen, ist daher keine realistische Strategie. Die weit verbreitete Ansicht, der chinesische Markt sei „weitgehend uninvestierbar“, teilen wir nicht. Vielmehr weist das Land in unseren Augen ein günstiges Risiko-Rendite-Profil auf.
China steht an einer Wegscheide mit diversen Herausforderungen, darunter die geopolitische Rivalität mit den USA, die Folgen der Pandemie und die kritische Lage des Immobiliensektors, um nur einige zu nennen. Diese enormen Probleme sind eine Herausforderung für die Entschlossenheit der chinesischen Führung.
Wir sind trotz der erheblichen Schwierigkeiten zuversichtlich, dass die Regierung den Forderungen des Markts nach umfassenden fiskalischen Anreizen widerstehen wird, da diese lediglich einen Aufschub bewirken würden, statt die Strukturprobleme der Volkswirtschaft zu lösen. China setzt hingegen entschieden auf einen Schuldenabbau, was unserer Ansicht nach die richtige Herangehensweise ist. Unser Blick richtet sich daher über die Wiederöffnung der Wirtschaft hinaus auf den Übergang zu einem auf höhere Wertschöpfung ausgerichteten Wirtschaftsmodell.
Während der Abbau von Schulden auf kurze Sicht zu Belastungen führt, trägt er langfristig zu einem nachhaltigen Konjunkturwachstum ohne größere Gefahr von Schulden- oder Asset-Blasen bei. Eine überzeugende Strategie zur Stabilisierung der Wirtschaft sollte China dabei unterstützen, die globalen Indizes auf kurze Sicht zu übertreffen – die langfristige Entwicklung des Landes wird jedoch vom Erfolg der chinesischen Führung bei der Neuausrichtung der Wirtschaft abhängen.
Die wirtschaftliche Umstellung des Landes umfasst die Abkehr von der Abhängigkeit vom Immobiliensektor und der Konzentration auf Ressourcen (vermeintlich unerschöpfliche Quellen von Rohstoffen und Energie, die die Wirtschaft antreiben) und eine Hinwendung zu nachhaltigeren Wachstumstreibern, wie dem zunehmenden Konsum der Mittelklasse, einer Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität und stärkerem Fokus auf Aktivitäten mit höherer Wertschöpfung. Diese Faktoren ermöglichen eine Wirtschaftsentwicklung mit einer besseren, effizienteren und produktiveren Kapitalallokation.
Mohammed Elmi, Senior Portfolio Manager – Emerging Markets Fixed Income, Federated Hermes Inc.
Chinesischer Anleihenmarkt steht auch 2024 unter Druck
China entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Thema an den Risikomärkten. Eine Eintrübung der Wirtschaftslage könnte die Stimmung in den Schwellenmärkten im kommenden Jahr belasten.
Mit der Wiederöffnung nach den besonders strikten Einschränkungen in der Pandemiezeit wurde vielfach die Hoffnung auf einen Konjunkturaufschwung wie nach der Weltfinanzkrise 2008–2009 verbunden, als China dem Rest der Welt Auftrieb gab. Diese Hoffnung lässt jedoch außer Acht, dass zahlreiche Probleme bereits vor der Pandemie bestanden und sich durch das strikte Vorgehen der chinesischen Führung noch verschärft haben, unter dem auch die Zuversicht der Bevölkerung litt. Obwohl sich einige in kurzen Abständen erhobene Konjunkturdaten geringfügig aufgehellt haben (was möglicherweise auf einen Zyklussprung hindeutet), bleiben die mittel- bis langfristigen Herausforderungen bestehen. Um eine nennenswerte Wachstumserholung zu erreichen, werden sich die politischen Entscheidungsträger im kommenden Jahr dem Immobiliensektor mit seiner Schuldenlast in Form von Fremdmittelaufnahmen durch Entwickler und Hypothekenkrediten zuwenden müssen. Da dieser Sektor in direkter und indirekter Form rund 25 Prozent des BIP (1) ausmacht, würde ein Ende der Immobilienrezession eine willkommene Entlastung darstellen und könnte einen entscheidenden Positivbeitrag leisten.
Auch die Präsidentschaftswahl in den USA im kommenden Jahr könnte einen erheblichen Einfluss auf das Risiko in den Schwellenländern haben, da sich jede Veränderung der bilateralen Beziehungen zwischen den USA und einzelnen Schwellenländern oder Wirtschaftsblöcken auf die Spreads auswirken könnte. Eines der größten geopolitischen Risiken in diesem Zusammenhang wäre eine Eskalation der angespannten Handelsbeziehungen zwischen den USA und China. Wie die jüngsten Gespräche in Kalifornien gezeigt haben, könnte ein Wahlsieg von Joe Biden hier für weitere Entspannung sorgen. Bei einem Sieg von Donald Trump wäre die Rückkehr zu einer Außenpolitik denkbar, die auf Sanktionen zum Erreichen zentraler politischer Ziele setzt. Doch letztlich könnte jede Veränderung im Weißen Haus eine erneute Eskalation auslösen.
Wir sind der Auffassung, dass der chinesische Anleihenmarkt im Jahr 2024 weiterhin unter Druck steht und gemessen an den Bewertungen unattraktiv ist. Daher sollte der Blick unbedingt über China hinaus auf Schwellenländer gerichtet werden, die eine lukrative Alternative darstellen könnten, wie die Outperformance von Mexiko, Brasilien, Peru und der Türkei kürzlich gezeigt hat.
[1] Peak China Housing, National Bureau of Economic Research
Jonathan Pines, Head of Asia ex-Japan
Aktienmärkte China und Korea: Positionierung für Outperformance
Unsere Benchmark für die Region Asien ohne Japan enthält vier große Indexkomponenten: China, Korea, Taiwan und Indien. Unter diesen Positionen haben sich China und Korea mindestens in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten besonders schwach entwickelt. Die chinesischen Bewertungen im Vergleich zum Rest der Welt liegen auf einem Rekordtief, und Korea wird mit einem durchschnittlichen Kurs-Buchwert-Verhältnis von unter 1 gehandelt. In beiden Ländern notieren viele Einzeltitel mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis und bieten ungewöhnlich hohe Dividendenrenditen.
Die schwache Entwicklung Chinas und die niedrigen Bewertungskennzahlen resultieren aus der Verschlechterung der Beziehungen mit dem Westen sowie einer Wachstumsverlangsamung, die wiederum auf das gemessen an der Gesamtwirtschaft übermäßige Gewicht des Immobiliensektors zurückzuführen ist. Im Falle Koreas ergeben sich die günstigen Bewertungen aus dem hohen Anteil konjunktursensibler Unternehmen, von denen viele (bis auf Weiteres) rückläufige Ergebnisse erwarten, sowie aus der unzureichenden Corporate Governance, die zur Benachteiligung von Minderheitsaktionären führt.
Angesichts der extremen – absoluten und relativen – Bewertungen positionieren wir uns dennoch sowohl für den koreanischen als auch für den chinesischen Aktienmarkt für eine Outperformance. Haben die Aktienkurse ein derart niedriges Niveau erreicht, reichen für einen Kursanstieg schon Nachrichten, die weniger ungünstig als befürchtet ausfallen. Der chinesische Aktienmarkt könnte von einer Entspannung der Beziehungen mit den USA und einer Fortsetzung der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen profitieren – gefolgt von der Reaktion von Fondsmanagern, die keine Chance aufgrund von Untergewichtung verpassen wollen. In Korea könnten sich Impulse aus der Erwartung ergeben, dass in Schlüsselbranchen ein neuer Aufwärtszyklus bevorsteht, sowie aus der schrittweisen Verbesserung der Corporate Governance (ausgehend von einem niedrigen Niveau) durch eine wachsende Zahl aktivistischer Anleger mit mehr Einfluss im Land.
Quelle : InvestmentWorld
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