Federated Hermes : Aktienanleger werden von einer Reihe geopolitischer Risiken überrollt, und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass sich die Lage entspannt.
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Silvia Dall’Angelo, Senior Economist bei Federated Hermes Limited
Die bevorstehende Berichtssaison wird Aufschluss über diese Ereignisse geben und hat das Potenzial, einschneidend zu sein. Die Zentralbanken beeinflussten die Märkte auch in der vergangenen Woche mit einer weiteren Zinserhöhung um 75 Basispunkte durch die US-Notenbank FED und um 50 Basispunkte durch die Bank of England. Kurzum: Die Marktturbulenzen der vergangenen Woche sind eine ernüchternde Botschaft für die Zentralbanken weltweit.
Silvia Dall’Angelo, Senior Economist, Federated Hermes Limited:
„Es war eine weitere turbulente Woche an den Märkten, in der das Vereinigte Königreich im Zentrum des Geschehens stand. Alles begann vergangene Woche, als die britische Regierung einen radikalen Plan zur Senkung der Steuern ankündigte, der durch zusätzliche Anleihen finanziert werden sollte. Die fehlenden Maßnahmen zur Gewährleistung der mittelfristigen Schulden-Tragfähigkeit und die starre Haltung der Regierung lösten eine Vertrauenskrise auf den Finanzmärkten aus, die bereits mit einer aggressiven Straffung der Geldpolitik zu kämpfen hatten. Die Marktturbulenzen und der massive Stress in der britischen Rentenwirtschaft zwangen die Bank of England schließlich zum Eingreifen, um eine weitere Marktkrise auf dem Gilt-Markt zu verhindern.
Am Mittwoch startete die BOE ein Anleihekaufprogramm im Wert von 65 Mrd. Pfund (mit Schwerpunkt auf Gilts mit langer Laufzeit) für die folgenden 13 Wochentage und kündigte die Aussetzung ihrer bisherigen Pläne an, den aktiven Verkauf von Gilts zu starten. Ein Plan, der erst eine Woche zuvor angekündigt worden war. Obwohl die Maßnahme als Schritt zur Wahrung der Finanzstabilität bezeichnet wurde, steht sie in offenem Widerspruch zum derzeitigen geldpolitischen Kurs der Bank of England und verstärkt das Bild einer zwiespältigen Zentralbank. Da die Regierung jedoch eine Kehrtwende in ihrer umstrittenen Politik ausgeschlossen hat, wird die Bank of England bei ihren nächsten Sitzungen wahrscheinlich aggressive Zinserhöhungen vornehmen müssen. Und die Wirtschaft wird infolgedessen mit einer inkonsistenten makroökonomischen Politik zu kämpfen haben, die in entgegengesetzte Richtungen geht.
Ganz allgemein sind die Marktturbulenzen der vergangenen Woche eine ernüchternde Botschaft für die Zentralbanken weltweit. Während die Dynamik im Vereinigten Königreich in der vergangenen Woche von einem erheblichen Maß an hausgemachtem Leid geprägt war, vermittelt sie auch den Eindruck, dass die Finanzmärkte mit der derzeitigen geldpolitischen Anpassung zu kämpfen haben. Die Zentralbanken werden dies zur Kenntnis nehmen müssen, da die Finanzmärkte einer der wichtigsten Kanäle für die Übertragung der Geldpolitik auf die Realwirtschaft sind.
Der Ausgang der mit Spannung erwarteten Wahlen in Italien war für die Finanzmärkte ein Ereignis zweiter Ordnung, trug aber wahrscheinlich zu einer leichten Ausweitung der Spanne zwischen deutschen und italienischen Renditen bei. Unser Basisszenario geht davon aus, dass die nächste italienische Regierung einen pragmatischen Ansatz verfolgen und den Reformkurs beibehalten wird, um Zugang zu den NextGenEU-Fonds zu erhalten. Auch das Schreckgespenst einer unliebsamen Mahnung seitens der Märkte dürfte sie davon überzeugen, dass sie an der finanzpolitischen Orthodoxie festhalten sollte. Dennoch werden wir die nächsten Schritte genau beobachten.“
Lewis Grant, Senior Portfolio Manager – Global Equities, Federated Hermes Limited:
„Ein früherer britischer Premierminister sagte einmal: „Eine Woche ist eine lange Zeit in der Politik“. Wie treffend.
Der Plan zur Rückkehr zum Wirtschaftswachstum, den die britische Regierung vergangene Woche vorstellte, versetzte den Markt in Aufruhr, da Anleger und Wirtschaftsexperten die Sinnhaftigkeit des Plans in Frage stellten. Das Pfund Sterling fiel daraufhin auf ein Rekordtief, während der Dollar an Wert gewann. Die daraus resultierende Emission von Staatsanleihen, die zur Finanzierung der Steuersenkungen erforderlich war, ließ die Renditen 30-jähriger Staatsanleihen in die Höhe schnellen – bis die BOE mit unlimitierten Käufen langlaufender Anleihen intervenierte und den Trend umkehrte.
Die Gaspreise stiegen in dieser Woche ebenfalls stark an. Denn die Versorgungsaussichten verschlechterten sich, was durch die Schäden an den Nordstream-Pipelines und die potenzielle Drohung Russlands, die Lieferungen über die Ukraine zu drosseln, noch verschärft wurde. Die Verschiffungspreise sind die Nutznießer, denn sie nähern sich einem Rekordniveau.
Aktienanleger werden von einer Reihe geopolitischer Risiken überrollt, und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass sich die Lage entspannt. Die bevorstehende Berichtssaison wird Aufschluss über diese geopolitischen Ereignisse geben und hat das Potenzial, einschneidend zu sein: Die Prognosen haben sich trotz des makroökonomischen Stresses überraschend gut gehalten. Und bei einer derart negativen Anlegerstimmung wird es für Unternehmen, die ihre Vorgaben nicht erfüllen, kein Pardon geben. Ein gut diversifiziertes Portfolio ist der Schlüssel, um die Turbulenzen an diesen Märkten abzufedern.“
James Rutherford, Leiter für europäische Aktien, Federated Hermes Limited:
„Die Zentralbanken beeinflussten die Märkte auch in der vergangenen Woche mit einer weiteren Zinserhöhung um 75 Basispunkte durch die US-Notenbank FED und um 50 Basispunkte durch die Bank of England – nachdem die EZB bereits im September die Zinsen um 75 Basispunkte angehoben hatte, jeweils mit dem Ziel, die ausufernde Inflation zu dämpfen.
Als die Anleiherenditen weiter stiegen, gaben die europäischen Märkte nach, und der STOXX 600 erreichte seinen tiefsten Stand seit 2020. Die meisten wichtigen Währungen gaben weiter nach, da der US-Dollar weiter an Stärke gewann. Und Währungen wie der japanische Yen, die schwedische Krone und das britische Pfund erreichten allesamt mehrjährige Tiefststände gegenüber dem Dollar. Besonders schwach war das Pfund Sterling nach dem „Minibudget“ von Freitag, das die Währung erheblich unter Druck setzte, während die Renditen der Staatsanleihen aufgrund von Bedenken über die Höhe der Kreditaufnahme zur Finanzierung der Steuersenkungen in die Höhe schossen.“
Quelle: BondWorld
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