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Flossbach von Storch : Märkte stellen Haushaltsdefizite immer stärker infrage

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Flossbach von Storch : Wachsende Haushaltsdefizite und globale Unsicherheiten führen zu einer steileren Zinskurve. In diesem Umfeld sind aktive Anleihestrategien attraktiver denn je.

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Lars Conrad, Portfolio Director Fixed Income bei der Flossbach von Storch SE


Die Zinskurven sind in jüngster Vergangenheit wieder deutlich steiler geworden: Während kurzfristige Zinsen, insbesondere im Euroraum, deutlich sanken, bewegten sich die Renditen langfristiger Anleihen wieder etwa auf das Niveau von 2023, was massgeblich auf unterschiedliche wirtschaftliche und marktseitige Faktoren zurückzuführen ist.

Am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve dominieren die geldpolitischen Impulse der Zentralbanken. Im Zuge eines beginnenden Zinssenkungszyklus, angeführt von der Europäischen Zentralbank, wurden die kurzfristigen Renditen spürbar reduziert. Demgegenüber bestimmen am langen Ende der Kurve vor allem strukturellere Faktoren das Geschehen. ein zentrales Thema in vielen entwickelten Volkswirtschaften ist derzeit die Verschuldung – sowohl in absoluten Zahlen als auch im Hinblick auf die Dynamik. Der Markt blickt zunehmend kritisch auf die Frage, wie die wachsenden Haushaltsdefizite künftig refinanziert werden sollen. Würden doch mehr Schulden mehr Angebot an Staatsanleihen bedeuten, das vom Markt absorbiert werden muss. Diese Unsicherheit treibt die Risikoprämie für langfristige Anleihen nach oben. Die Entwicklung am langen Ende wird derzeit mit grosser Aufmerksamkeit verfolgt – auch wegen der Auswirkungen auf andere Anlageklassen, deren Bewertungen stark von langfristigen Zinsen abhängen.

Positionierung im Zinsumfeld: Offensive Duration und Fokus auf Qualität

Die Realrenditen von Anleihen sind in den vergangenen Quartalen spürbar gestiegen, während die Risikoprämien bei Aktien zuletzt deutlich zurückgegangen sind. Das macht Anleihen für langfristig orientierte Investoren wieder deutliche interessanter. Anleihen erfüllen damit insbesondere in Multi-Asset-Portfolios wieder eine doppelte Rolle: Sie tragen zur Diversifikation bei und liefern im Vergleich zu anderen Vermögensklassen eine wettbewerbsfähige Rendite. Positionierungen am langen Ende der Kurve sind jedoch mit Vorsicht zu behandeln – insbesondere bei nominalen Staatsanleihen mit sehr langen Laufzeiten.

Hochzinsanleihen spielen hingegen nur eine sehr untergeordnete Rolle: Im Bereich Unternehmensanleihen bewegen sich die Risikoaufschläge nahe historischer Tiefstände, weshalb der potenzielle Mehrertrag das zusätzliche Risiko nicht rechtfertigt. Speziell inflationsgeschützte Papiere auf qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen bieten am langen Ende die Möglichkeit, attraktive Rendite-Risiko-Profile zu erzielen.

Fremdwährungen als ergänzender Baustein

Zur Diversifikation und Ertragsoptimierung kann auch der gezielte Einsatz von Fremdwährungen in Rentenportfolios beitragen. Währungen sollten jedoch nicht als Spekulationsinstrument betrachtet werden. Sie spielen vielmehr eine ergänzende Rolle, die mit Bedacht eingesetzt werden sollte. Der Fokus von Rentenfonds liegt klar auf Anleihen als primäre Ertragsquelle.

Die jüngste Schwäche des US-Dollars unterstreicht die Notwendigkeit, Fremdwährungen nicht isoliert, sondern stets im Kontext des Gesamtportfolios zu betrachten. Der strategische Einsatz offener Währungspositionen sollte nur dort erfolgen, wo sie im Einklang mit den übergeordneten Portfoliozielen stehen und einen sinnvollen Beitrag zur Risikosteuerung sowie Renditeoptimierung leisten können.

Politische Risiken und die US-Notenbank

Die Unabhängigkeit der US-Notenbank steht aktuell in Frage. Die direkte Kritik des US-Präsidenten an Fed-Chef Jerome Powell hat das sensible Gleichgewicht zwischen geldpolitischer Unabhängigkeit und politischem Einfluss deutlich herausgefordert. Ein potenzieller Nachfolger Powells wäre womöglich stärker einer expansiven Linie verpflichtet, was langfristig strukturelle Auswirkungen auf die Ausrichtung der US-Geldpolitik haben könnte.

Trotz dieser Entwicklungen zeichnen sich derzeit keine Anzeichen für einen grundlegenden Vertrauensverlust institutioneller Investoren in die Stabilität des US-Anleihemarkts ab. Der US-Treasury-Markt bleibt der wichtigste und liquideste Rentenmarkt der Welt – und ein zentraler Anker für das globale Finanzsystem. Folglich fliessen diese politischen Risiken zwar kontinuierlich in die Analysen ein, dominieren jedoch nicht den Ausblick.

Aktives Management in volatilem Marktumfeld

Passiv gemanagte Fixed-Income-ETFs gewinnen weiterhin Marktanteile und werden von Investoren zunehmend als kostengünstigere Kernbausteine eingesetzt. Sie sind jedoch starr an Indizes gebunden und enthalten häufig Klumpenrisiken. In einem Marktumfeld mit makroökonomischen Unsicherheiten können gerade diese übergewichteten Segmente besonders unter Druck geraten.

Aktiv gemanagte Fonds hingegen bieten die Flexibilität, bewusst und schnell auf Veränderungen zu reagieren. Fondsmanager übernehmen bewusste Allokationsentscheidungen über Währungsräume, Laufzeiten und Bonitäten hinweg. Gerade in einem Marktumfeld mit hoher makroökonomischer Unsicherheit und teils volatilen Szenarien ist es entscheidend, flexibel und aktiv auf Veränderungen reagieren zu können. Hier liegt der Mehrwehrt von aktiv gemanagten Fonds gegenüber passiven ETFs.

Quelle: InvestmentWorld.ch


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