Auch auf die Gefahr der Wiederholung, die alte Erkenntnis, dass Geld nicht glücklich macht, selbst wenn es Zentralbankgeld ist, hat an Aktuali-tät nichts verloren. Daran hat in der abgelaufenen Woche auch die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder erinnert…..
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Hans-Jörg Naumer Global Head of Global Capital Markets & Thematic Research
Wie aggressiv auch immer die EZB nach ihrer jüngsten Ratssitzung erschei-nen mag, eines bleibt ungeklärt: Macht diese Form der Geldpolitik wirk-lich glücklich, oder verfestigt sie am Ende nicht doch eher die Deflations-sorgen und ist damit kontraproduktiv? Und: Wird nicht, wer Deflation erwartet und sich einer klaffenden Pensionslücke im Alter gegenüber sieht, gerade wegen der negativen Zinsen am Ende mehr, statt wie gewünscht weniger sparen?
Genauso wie es auch die Bank of Japan (BoJ) noch nicht geschafft hat, nach ihrer über 25 Jahre andauernden Politik des billigen Geldes Inflation herbeizuzaubern oder gar die japanische Wirtschaft auf den Tugendpfad des Wachstums zurückzuführen, so stehen auch bei dem monetären Großexperiment der EZB die Erfolge noch aus. Zwar sind gegenwärtig etwa 45% der europäischen Staatsanleihen mit einer negativen Rendite behaftet und die Euro-Zentralbank hält einen zunehmenden Anteil der öffentlichen Staatsschulden auf ihren Büchern (vgl. Grafik der Woche), aber die Kreditvergabe der Banken hat sich nur graduell verbessert, die langfristigen marktbasierten Inflationserwartungen stehen „fest gemau-ert in den Erden“ (Friedrich von Schiller) und die Inflationsrate selbst dümpelt (dem Ölpreis, nicht der vermeintlichen Deflation sei Dank) an der Nullgrenze herum, wie unser „QE Monitor“ zeigt. Der Glückwunsch zu einem Jahr QE könnte verhaltender kaum ausfallen.
Nicht vergessen werden sollten, neben dem „ECB Watching“, die Kon-junkturindikatoren, die rund um den Globus während der letzten Tage veröffentlicht wurden. Das Wachstum in Japan kommt nicht vom Fleck, in China verzeichneten die Exporte den stärksten Rückgang seit fast sieben Jahren, und der Arbeitsmarktindikator der Fed zeigt sich leicht eingetrübt.
Erfreulich dagegen die deutsche Industrieproduktion, die stark zulegte. Das zeigt, dass die Abhängigkeit von der chinesischen Wirtschaft so stark doch nicht ist. Etwa 5% der deutschen Exporte nur fließen in das Reich der Mitte. Der Durchschnitt der EU-Exporte liegt bei 3%.
In der kommenden Woche geht es mit einer massiven Tagungsfolge der Zentralbanken weiter. Montag und Dienstag tagt die BoJ, Mittwoch-abend sind die Ergebnisse des Offenmarktausschusses der Fed zu er-warten, am Donnerstag dann steht die Bank of England (BoE) an. Um es kurz zu machen: Das vorherrschende Paradigma der Geldpolitik bleibt das Gefangenendilemma: Ist die eine Zentralbank expansiv, braucht die andere – so sie denn überhaupt will – gute Gründe, um in die andere Richtung zu marschieren. Wissend, dass auch ihr Geld nicht glücklich macht.
Sofern in der kommenden Woche bei dem geldpolitischen Reigen die Konjunkturdaten zum Tragen kommen, stammen diese hauptsächlich aus den USA. Die Erwartungen gehen überwiegend von einer Verbesse-rung aus. Am Dienstag kommen die US-Einzelhandelsumsätze und der Empire-Index für das verarbeitende Gewerbe. Am Mittwoch werden die „housing starts“, die Industrieproduktion und die Verbraucherpreise veröffentlicht. Donnerstag und Freitag stehen aus den USA die Erstan-träge auf Arbeitslosengeld und der Sentimentindex der Universität von Michigan an. Die Lage in Europa ist dagegen vergleichsweise ruhig. Aus dem Newsflow stechen die EU-Industrieproduktion (Montag), die Ver-braucherpreisentwicklung für die Eurozone (final, Donnerstag) und die Produzentenpreise aus Deutschland hervor. Wer eine „Deflation“ hineininterpretieren will, der wird es nicht schwer haben. Interessant wird auch die Bloomberg-Konjunkturumfrage zu China am Donnerstag.
Treffen die Erwartungen ein, sollten die Aktienmärkte von den Konjunk-turindikatoren eher Rückenwind erhalten, vor allem aus den USA. Die geldpolitischen Beschlüsse der Zentralbanken nehmen diesen keinen Wind aus den Segeln. Der Grundtenor für die kommende Woche ist von dieser Seite her positiv. Bleibt die Technik. Die Volatilität an den großen Märkten ist währender der letzten Tage gesunken. Das Terrain ist aber nicht einfacher geworden. Besonders der Leitmarkt, gemessen am S&P 500, ist unverändert stark überkauft. Was für Abgabedruck spricht. Die Emerging Markets bergen dagegen mehr Potenzial einer Stabilisierung.
Quelle: BondWorld.ch
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