Devan Kaloo ist Head of Global Emerging Markets Equities bei Aberdeen Asset Management und einer der bekanntesten Fondsmanager in Asien. Daher ist seine Einschätzung zu den Schwellenländeraktien von besonderem Interesse…..
Devan Kaloo ist Head of Global Emerging Markets Equities bei Aberdeen Asset Management und einer der bekanntesten Fondsmanager in Asien
Wie sehen Ihre Prognosen und Erwartungen für die asiatische Wirtschaft aus? Könnte ein Anstieg der US-Zinsen diese Volkswirtschaften erneut belasten? Erwarten Sie einen erneuten Rückgang wie im Jahr 2013, als Ben Bernanke eine erste Zinsanhebung erwog?
Asien ist in diesem Jahr mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Die Verlangsamung der Konjunktur in China ist einer der Hauptfaktoren. Obwohl die Gefahr für eine Kreditkrise noch nicht gebannt ist, verfügt Peking unserer Ansicht nach über eine Bilanz, die solide genug ist, um Systemrisiken in seinen Finanzmärkten entgegensteuern zu können. In Indien und Indonesien ist das Reformtempo bisher ermutigend, doch sollten die Erwartungen nicht erfüllt werden, könnten die Investoren die Geduld verlieren. In Thailand hat sich die Lage nach dem Putsch im letzten Jahr und der Aufhebung des Kriegsrechts zum Monatsbeginn wieder stabilisiert. Die Anhänger des Ex-Premierministers Thaksin Shinawatra sind jedoch nach wie vor militant, so dass der geringste Fehler der Militärregierung erneute politische Unruhen auslösen könnte. Gleichzeitig dürften zahlreiche asiatische Unternehmen von der Erholung der US-Wirtschaft profitieren. Dies gilt vor allem für die Unternehmen exportorientierter Länder. Mit Blick auf die Inlandsnachfrage kommen den asiatischen Verbrauchern und Unternehmen die niedrigeren Ölpreise zugute, obwohl den Energieunternehmen kurzfristig eine Durststrecke bevorstehen dürfte.
Die Aussicht auf eine Zinserhöhung in den USA und ein stärkerer US-Dollar könnten auf kurze Sicht zu Kapitalabflüssen aus Asien führen. Wir sind jedoch der Auffassung, dass die Normalisierung der US-amerikanischen Geldpolitik Sinn macht, denn sie zwingt die Märkte, sich von spekulativem Kapital zu verabschieden, das langfristig nicht wünschenswert ist. Obwohl 2015 für die Weltwirtschaft ein Jahr der Ungewissheit werden dürfte, bleiben wir hinsichtlich der Qualität unserer Unternehmen zuversichtlich, die sich durch ihre breite regionale Aufstellung, ihre etablierte Marktposition und eine solide Finanzlage auszeichnen. Angesichts des schwierigen Geschäftsumfelds dürfte das Ertragswachstum 2015 im oberen einstelligen Bereich oszillieren. Trotz der höheren Verschuldung der privaten Haushalte ist das asiatische Langfrist-Szenario nach wie vor intakt und wird durch den wachsenden Wohlstand, die junge Bevölkerung und die steigende Nachfrage nach Wohnimmobilien sowie Transport- und Bankdienstleistungen gestützt.
Für welche Schwellenländer sind Sie am zuversichtlichsten? Warum?
Wir investieren in Unternehmen, nicht in Länder oder Regionen. So hat Indien derzeit zwar mit seinem Leistungsbilanzdefizit, seiner schwerfälligen Bürokratie und der mangelnden Infrastruktur zu kämpfen, aber einige indische Unternehmen zählen gemessen an ihrer Eigenkapitalrendite und ihrem Ertragswachstum zu den Top-Playern in Asien.
Welche Länder sollten Investoren dagegen besser meiden und warum?
Auch hier gilt das oben bereits Erwähnte. Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn die Antwort hängt von der Risikobereitschaft des Anlegers ab. Das Jahr wird von der Volatilität sämtlicher Assetklassen geprägt sein, doch für aktive Fondsmanager wie wir bietet die erhöhte Volatilität eine gute Gelegenheit für die Aufstockung unserer Positionen zur Nutzung von Kursabschlägen. Für uns liegt das Hauptrisiko nicht in kurzfristigen Kursschwankungen, sondern in einem möglichen dauerhaften Kapitalverlust für unsere Kunden.
Unsere Sorge ist vielmehr, dass die Zentralbanken weltweit aufgrund politischer Erwägungen zu viel Geld in alle Assetklassen gepumpt haben. Dies kann problematisch werden, wenn der allmähliche Abbau der quantitativen Lockerungsmassnahmen der Zentralbanken vollständig abgeschlossen ist.
Auf welche wirtschaftlichen Filter (z. B. Schwerpunkt auf Inlandsnachfrage, Exposure in der US-amerikanischen bzw. in den europäischen Volkswirtschaften usw.) konzentrieren Sie sich?
Wir investieren an verschiedenen Schwellenländermärkten und lassen uns von der Qualität der dortigen Unternehmen leiten, nicht von makroökonomischen Gründen. Die Einzeltitelauswahl ist ein wichtiges Merkmal, mit dem wir uns vom Wettbewerb abheben. Wir führen unsere eigenen Unternehmensanalysen durch, und wenn eine Aktie unsere Kriterien nicht erfüllt, kaufen wir sie nicht. Im Unterschied zu vielen anderen Fondsmanagern sind wir langfristig orientiert. Dies bedeutet, dass wir die Unternehmen immer wieder besuchen und analysieren. Ein ausgeprägter Schwerpunkt liegt auf der Unternehmensführung, was meistens bedeutet, dass die Zusammenarbeit mit dem Management entscheidender Bestandteil des Prozesses ist. Wir legen Wert darauf, dass unsere Rechte als Aktionäre gewahrt werden. Der Vorteil unseres Ansatzes besteht darin, dass wir gut geführte Unternehmen mit attraktiven langfristigen Geschäftsaussichten auswählen und im Portfolio halten, wenn sie ein attraktives langfristiges Wachstumspotenzial aufweisen und wirklich werthaltig sind. Genauso wichtig wie die Qualität ist natürlich auch der Preis, denn es macht keinen Sinn, einen zu hohen Preis zu zahlen, und sei das Unternehmen noch so attraktiv.
Unsere Anlagephilosophie und -strategie geht davon aus, dass die Aktienpreise langfristig den wahren Wert im Hinblick auf die Fundamentaldaten der Unternehmen widerspiegeln. Wir filtern die „besten Anlageideen“ mit angemessenen Bewertungen aus dem Anlageuniversum heraus und stützen unsere Anlageentscheidungen durch Unternehmensbesuche und eigenes fundamentales Research. Jedes Unternehmen durchläuft eine strenge Prüfung, bevor wir es in unser Portfolio aufnehmen. Wir investieren in erstklassige Aktien mit angemessenen Bewertungen, denn unserer Auffassung nach entsteht das Risiko durch Anlagen in schwache oder überteuerte Unternehmen. Unsere Einzeltitelauswahl ist nicht benchmarkabhängig: Wir verlassen uns auf die gebündelte Expertise aller Teammitglieder – Starmanager haben bei uns keinen Platz.
Das Management eines global investierten Fonds erfordert hohe Kompetenzen und immense Ressourcen. Aberdeen Asset Management beschäftigt über 700 Investmentexperten in einem über 30 Niederlassungen umfassenden weltweiten Netzwerk. Das Global Emerging Market Equities-Team besteht aus rund 50 Investmentspezialisten, die in den Regionen, in denen wir investieren, ansässig sind.
In welche Sektoren ist Ihr Portfolio hauptsächlich investiert? Welche Sektoren meiden Sie?
Im Portfolio sind die Finanzwerte deutlich übergewichtet, denn die Unternehmen des Finanzsektors sind für uns Indikatoren für das Wirtschaftswachstum, vor allem auf ihren nationalen Märkten. Die Nachfrage wird von einer wachsenden Mittelschicht und der niedrigen Marktdurchdringung bei Finanzprodukten befeuert. Dagegen beruht unsere Übergewichtung der Basiskonsumgüter auf unserer Überzeugung, dass das strukturelle Wachstum des Binnenkonsums in den Schwellenländern von der wachsenden Mittelschicht und ihrem steigenden Wohlstand gestützt wird.
Einer der am stärksten untergewichteten Sektoren ist die Informationstechnologie. Diese Untergewichtung ist auf die Merkmale des Sektors wie Zyklizität, ständig wechselnde Geschäftsmodelle und immer kürzere Produktlebenszyklen zurückzuführen.
Grund für die Untergewichtung der Industriewerte ist hauptsächlich die Zyklizität, die für diesen Sektor typisch ist. Die Unternehmen setzten in der Regel auf ein aggressiveres Bilanzmanagement, wodurch die Ausführungsrisiken zunehmen.
Unsere Untergewichtung der Versorger beruht auf der Ungewissheit über die regulatorischen Risiken, obwohl dieser Sektor relativ defensiv ist.
Letzte Frage: Wo würden Sie in Asien derzeit Ihr Geld anlegen (Land/Sektor)?
Da wir jedes Unternehmen einzeln analysieren und bewerten, würde durch die Empfehlung eines Landes oder Sektors ein falscher Eindruck entstehen.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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