Jupiter AM : Angesichts der jüngsten, durch die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Marktvolatilität sollten Anleger prüfen, ob ihre Portfolios ausreichend diversifiziert sind.
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Von Amadeo Alentorn, Head of Systematic Equities, Mark Nash (Photo) , Investment Manager, Fixed Income Alternatives, und Ned Naylor-Leyland, Investment Manager, Gold & Silver, bei Jupiter Asset Management.
Für viele Investoren wurde Trumps „Liberation Day“ am Mittwoch, dem 2. April, zum „Liquidation Day“, dem Auftakt für massive Abverkäufe von Aktien, vor allem teureren US-Aktien. Dass Trump Zölle verhängen würde, war klar – sein Rundumschlag fiel jedoch deutlich aggressiver aus als erwartet. Wirtschaftsführer befürchteten, dass die Zölle den Unternehmen schaden, die Inflation anheizen und den internationalen Handel stören würden. Vielen Ökonomen zufolge machen sie eine Rezession wahrscheinlicher.
Am 9. April wurden die Märkte zum zweiten Mal überrascht: Auf Trumps Ankündigung einer 90-tägigen Zollpause für Länder, die keine Gegenzölle verhängt hatten, reagierten die Aktienmärkte mit einer Erleichterungsrally. Allerdings kündigte Trump auch Zölle von 125% auf Waren aus China an, das Vergeltungszölle in Kraft gesetzt hatte, und für die meisten Länder gilt weiter ein Zollsatz von 10%.
Märkte und Unternehmen brauchen eine beständige Regierungspolitik. Zuverlässige Prognosen zu Lieferketten und wirtschaftlichen Bedingungen sind eine Voraussetzung für eine effektive Investitionsplanung – zum Beispiel für den Bau einer neuen Fabrik oder die Entwicklung eines neuen Produkts. In der vergangenen Woche hat die Handelspolitik die Märkte auf eine wilde Achterbahnfahrt geschickt, und Anleger sollten sich auf weitere Kursausschläge gefasst machen.
Das Problem mit den Zöllen
Trumps Zollpläne waren zu jeder Zeit eine schlechte Idee. Die konventionelle Wirtschaftstheorie besagt, dass Zölle den Handel einschränken und das Wirtschaftswachstum bremsen. So schrieb schon David Ricardo, der britische Ökonom, Politiker und Befürworter des Freihandels aus dem frühen 19. Jahrhundert¹:
„Unter einem System von vollständig freiem Handel widmet natürlicherweise jedes Land sein Kapital und seine Arbeit solchen Verwendungen, die jedem am segensreichsten sind. Dieses Verfolgen des individuellen Nutzens ist wunderbar mit der allgemeinen Wohlfahrt der Gesamtheit verbunden.“
Und wie der Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman vor nicht so langer Zeit schrieb: 2 „Wenn es so etwas wie ein Glaubensbekenntnis der Ökonomie gäbe, würde es mit Sicherheit die Sätze ‚Ich verstehe das Prinzip der komparativen Kostenvorteile‘ und ‚Ich unterstütze Freihandel‘ beinhalten.”
Nach gängiger ökonomischer Lehre machen Trumps Zölle wenig Sinn. Sie basieren auf einer grob vereinfachenden Formel, die nur das Handelsdefizit der USA mit den betreffenden Ländern betrachtet. Trumps Ziel ist es, die heimische Fertigungsindustrie wiederzubeleben. Das wird jedoch viele Jahre dauern und hohe Investitionen erfordern. Dagegen werden die Nachteile für die amerikanischen Verbraucher (in Form höherer Preise für importierte Waren) sofort spürbar sein.
Alternative Anlageklassen
Wie können Anleger mit einer Marktvolatilität und Unsicherheit umgehen, wie wir sie in den letzten Tagen erlebt haben?
„Das Einzige, was es bei der Kapitalanlage gratis gibt, ist die Diversifikation“, soll der Ökonom und Nobelpreisträger Harry Markowitz, Begründer der modernen Portfoliotheorie, gesagt haben. Diversifikation bedeutet, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Das Halten verschiedener Arten von Vermögenswerten kann helfen, die Einzelrisiken eines Portfolios zu reduzieren.
In den vergangenen Jahren und Monaten waren viele Anleger in US-Aktien übergewichtet. Unserer Ansicht nach sollte ein diversifiziertes Portfolio aber viele, über verschiedene Anlageklassen gestreute Anlagewerte enthalten, also nicht nur traditionelle Aktien- und Anleihenpositionen. Anleger sollten auch alternative Anlageklassen bzw. -strategien in Betracht ziehen. Neben Gold und Silber zählen dazu auch marktneutrale Aktienstrategien und Absolute-Return-Strategien für Anleihen.
Ein marktneutraler Aktienansatz ist darauf ausgelegt, die Direktionalität der Märkte zu meiden. Dazu hält ein marktneutrales Portfolio zu gleichen Teilen Long- und Short-Positionen. Ziel ist es, Renditen aus Alpha und nicht aus Beta zu erzielen. In einem fallenden Markt kann das Short-Portfolio einen positiven Wertbeitrag liefern, auch wenn das Long-Portfolio im Minus ist. Umgekehrt kann das Long-Portfolio in einem steigenden Markt einen positiven Wertbeitrag liefern, auch wenn das Short-Portfolio im Minus ist. Wenn ein Portfolio im Plus und das andere im Minus ist, bestimmt die relative Differenz zwischen beiden die Rendite der Strategie. Das bedeutet, dass die Renditen nicht mit der Performance der Aktienmärkte korreliert sein können, wodurch Anleger die benötigte Diversifikation erhalten.
Ein ähnlicher Absolute-Return-Ansatz lässt sich auch auf Anleihenanlagen anwenden. Eine Absolute- Return-Anleihenstrategie kann das Risiko durch eine sorgfältige Portfoliokonstruktion kontrollieren. Dabei kommt ein definiertes Risikobudget zur Anwendung. Durch ein aktives Management der kurzfristigen Volatilität können Verluste minimiert werden. Ziel dieses Ansatzes sind positive Gesamtrenditen mit einer stabilen Volatilität im Vergleich zu den Anleihen- und Aktienmärkten. Dadurch erhalten Anleger eine Diversifikation gegenüber den Anleihenmärkten.
Gold ist ein Währungsmetall und vielleicht die ultimative Form von Geld. Gold dient traditionell als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten sowie als Portfoliodiversifikator.
Mit alternativen Ansätzen wie einer marktneutralen Aktienstrategie, einer Absolute-Return-Anleihenstrategie und einer Gold- und Silberstrategie erhalten Anleger eine potenziell bessere Diversifikation. Denn in Zeiten wie diesen sollten Sie nicht alles auf eine Karte setzen.
Quellen
1 Ricardo, David. On the Principles of Political Economy and Taxation, 1817. Verfügbar unter:
2 Krugman, Paul. Is Free Trade Passe? Journal of Economic Perspectives, Vol. 1, No. 2, Herbst 1987. Verfügbar unter https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/jep.1.2.131. Siehe auch Krugman, Paul. Ricardo’s Difficult Idea, 1996. Verfügbar unter web.mit.edu/krugman/www/ricardo.htm
Quelle: InvestmentWorld
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