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Kapital 1852 : Unruhigen Zeiten mit Private-Markets-Strategien trotzen

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Kapital 1852 :  Die Implementierung von Private-Markets-Portfolien innerhalb Gesamtvermögensallokation bietet Diversifikation, Stabilität und Schutz. Dafür ist ein klar strukturierter Investmentprozess entscheidend.

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Von David Hansen und Sven Gralla, Fondsmanager Private Debt & Infrastruktur, Kapital 1852 Beratungs GmbH


Bob Dylan sang “You better start swimming, or you’ll sink like a stone”. So oder so ähnlich könnte man das unsichere Kapitalmarktgeschehen seit nunmehr über drei Jahren aus Investorensicht be-schreiben: Angefangen mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie und gefolgt vom Beginn des russischen Angriffskriegs und jetzt dem Konflikt im Nahen Osten. Private-Markets-Strategien kön-nen in genau diesen unruhigen Marktlagen nicht nur zur Portfoliodiversifikation beitragen, sondern echten Schutz bieten. Stabile Bewertungsniveaus sowie attraktive auf Sicht einer Dekade stabile Renditen als Portfoliostabilisator überzeugen hier besonders. Der illiquide Charakter bietet Investo-ren nicht nur die Möglichkeit, Illiquiditätsprämien zu vereinnahmen, sondern vielmehr von der ge-ringen Volatilität und Stabilität sowie dem teilweise inflationsindexierten Charakter der Renditen zu profitieren.

Quo vadis Private Markets?

„Private Markets are here to stay and to grow“ beschreibt die Rolle von Private-Markets-Strategien äusserst treffend. Ausgehend von ersten Investitionen in Immobilien, Private Equity und Venture Capital sind die Portfolien Investoren im Zeitverlauf stetig gewachsen. Insbesondere die Anlage-klassen Private Debt und Infrastruktur, entwickeln sich weiter zu festen Bestandteilen der strategi-schen Asset Allokation (SAA). Dabei ist der Entwicklungsstand zwischen Family Offices, hochvermö-genden und institutionellen Investoren, wie Versicherungen, Versorgungswerken und Pensions-kassen, aber auch innerhalb der Gruppen, sehr unterschiedlich.

Gemäss BAI Investor Survey des Bundesverbandes für Alternative Investments (BAI) steigt der Anteil an Private-Markets-Strategien sukzessive an: Lag die durchschnittliche Allokation 2020 noch bei rund 21 Prozent, ist sie Stand heute auf über 23 Prozent angestiegen. Die SAA liegt bei fast 26,5 Prozent und zeigt das weitere kurz bis mittelfristige Wachstumspotenzial. Während die grössten Portfolioanteile derzeit auf die Asset-Klassen Real Estate Equity, Corporate Private Equity (inklusive Venture Capital) und Infrastructure Equity entfallen, ist eine klare Ausweitung der Investments in Debt-Strategien festzustellen.

Breit aufgestellte Portfolien profitieren

Bei Aufbau einer Private-Markets-Allokation steht zunächst die Festlegung der SAA unter Berück-sichtigung des bestehenden Portfolios und den individuellen Präferenzen sowie dem Risikoprofil des Investors im Vordergrund. Unabhängig davon, wie das Portfolio schliesslich ausgestaltet wird, bieten Private-Markets-Strategien einen positiven Beitrag mit Blick auf Rendite-Risiko-Kennzahlen des Gesamtvermögens. Das heisst, Investoren können durch die Beimischung entweder die Rendi-te bei gleichbleibendem Risiko steigern – oder das Risiko bei gleichbleibender Rendite senken. In Abhängigkeit des Zieles ist das entstehende Private-Markets-Portfolio entsprechend unterschied-lich in einzelne Anlageklassen gewichtet. Während Private Equity und Venture Capital besondere Renditetreiber im Portfolio sind, bietet (Corporate) Private Debt durch die variable Zinsbasis einen natürlichen Schutz gegen Zinsänderungsrisiken. Real Estate oder Infrastrukturanlagen bieten durch den tangiblen Sachwertbezug einen Schutz vor Inflation – teils sind Renditen sogar inflationsinde-xiert. Letztere drei Assetklassen weisen zudem teils laufende Ausschüttungen auf, während Pri-vate Equity und Venture Capital hohe Renditen massgeblich durch Exits realisieren. Folgerichtig sollte ein defensiv und auf laufende Erträge ausgerichteter Investor sein Portfolio stärker in Rich-tung Private Debt, Infrastruktur und Real Estate allokieren. Renditeorientierte, unternehmerisch geprägte Investoren sollten eine höhere Allokation in Private Equity und Venture Capital anstre-ben. Wo auch immer der Schwerpunkt liegt, eine Diversifikation über mehrere, am besten alle An-lageklassen kann ein Schlüssel sein, um eine maximale Robustheit der SAA im Bereich Private Mar-kets zu erzeugen.

Eine krisenfeste Investmentstrategie sollte zudem auch verschiedene Wirtschaftsräume berück-sichtigen, um die jeweiligen konjunkturellen und politischen Einflüsse und damit verbundene öko-nomische Implikationen auszubalancieren. Gleichzeitig verringert sich das Risiko idiosynkratrischer Schocks. Der Aufbau des Portfolios über mehrere Jahre sowie kontinuierliche Reallokationen in den Folgejahren machen das Portfolio ebenfalls robuster und minimieren das Timing-Risiko. Gerade im aktuellen Umfeld und den sich laufend ändernden Rahmenbedingungen ist kontinuierliches Inves-tieren entscheidend. So bieten Investments in der Krise eine grosse Chance, von geringen Bewer-tungsniveaus und hoher Kreditqualität der Unternehmen zu profitieren oder solche Marktphasen sogar mit Spezialstrategien wie etwa Distressed Debt oder PE-Turnaround gezielt zu nutzen.

Auswahl von Zugangswegen und Assets

Ist die SAA verabschiedet, gilt es, das Private-Markets-Portfolio mit der richtigen Selektion der In-vestments umzusetzen. Doch was ist eigentlich der richtige Zugangsweg? Hier gilt: „Know your size and ability“. Je länger die Erfahrung und je breiter die Personalbasis, verbunden mit einem hohen Investitionsvolumen, desto direkter können Investmentstrategien umgesetzt werden. Hier kann das Spektrum von Einzelfonds über Secondarys und Co-Investments bis hin zu Direktbeteiligungen reichen. Im Fall von kleinen institutionellen Investoren, vermögenden und hochvermögenden, die die Anlageklassen für sich erschliessen wollen, empfiehlt sich ein breiter Ansatz über Dachfonds oder Managed-Account-Lösungen. Solche Zugangswege können auch dann vorteilhaft sein, wenn die Investoren zu einer breiten Anzahl an Managern eine erste Beziehung und Erfahrungswerte aufbauen wollen. Unabhängig vom Zugangsweg sollte der jeweilige Partner insbesondere mit den regulatorischen und individuellen Anforderungen vertraut sein.

Individuelle Risikoanalyse angezeigt

Steht auch der Zugangsweg fest, geht es darum, die passenden Investments zu selektieren. Dafür gibt es aber kein einheitliches Rezept. Gute Investments sollten niemals losgelöst aus einem Port-folio-Kontext getätigt werden. Und möglichst auch erst dann, wenn der Markt in seinen Breiten und Tiefen analysiert und eine entsprechende Datenbasis, notwendiges Marktverständnis sowie Zugänge erarbeitet wurden. Ein klar strukturierter und kaskadierender Investmentprozess ist ent-scheidend. Egal ob Direkt- oder Fondsinvestment: Vor jedem guten Investment steht eine tiefge-hende Due Diligence. Bei der ökonomischen Fonds-Due-Diligence stehen verschiedenste Faktoren im Fokus, wie etwa Organisation, Investmentprozess, Strategie, Rahmendaten, Track-Record und Themen wie Reporting oder ESG. Abgerundet wird die ökonomische Due Diligence durch On-Site-Visits und Reference Checks, die das Bild der zugrundeliegenden Analyse bestenfalls untermauern und festigen sollten.

Unabhängig vom Fortschritt des Portfolio-Aufbaues ist eine genauere, individuelle Risikoanalyse und Bestandsaufnahme der Allokation ratsam, denn die aktuellen Verwerfungen durch Geopolitik, Geldpolitik, Inflation oder Lieferketten stellen die Portfolien eher früher als später auf die Probe. Dabei gibt es nicht eine goldene Einzellösung: Eine Allokation muss immer und regelmässig im Ge-samtkontext gesehen werden, „because the Time’s they are a-changin“, um es erneut mit Bob Dylan zu sagen.

Quelle:  InvestmentWorld


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