Die robuste US-Konjunktur, die tieferen Ölpreise und die Geldpolitik Japans und Europas halten das globale Wachstum grundsätzlich weiter auf Trab. Allerdings haben die nahende US-Zinserhöhung und Chinas ungeschickt wirkenden Börsen- und Währungsinterventionen zumindest kurzfristig neue Unsicherheitsfaktoren ins Spiel gebracht. So haben wir uns entschieden, das Risikoprofil unserer Strategien vorerst etwas zu «stutzen» und die Cashquoten zu erhöhen..….
Mikio Kumada
Makroökonomisches Hauptszenario: ausreichendes Wirtschaftswachstum
Unsere globale Konjunktureinschätzung hat sich kaum geändert: Die US-Wirtschaft wächst weiter mit ansehnlichem Tempo, die Arbeitslosigkeit sinkt stetig, die Löhne steigen und die wichtigsten Frühindikatoren verweisen zum Teil auf hochkonjunkturelle Aussichten. Die Wachstumsunterschiede zwischen den entwickelten Industrieländern schrumpfen zudem weiter, da Europa und Japan geldpolitisch auf «Vollgas» bleiben und zudem in manchen Bereichen bzw. Regionen langfristig wachstumsfreundliche Strukturreformen angehen. Gleichzeitig sorgen die tieferen Basismetall- und Energiepreise sowohl bei den industrialisierten als auch den industrialisierenden Nettorohstoffimporteuren entweder für zusätzlichen konjunkturellen Rückenwind oder zumindest für einen Ausgleich.
Fed-Entscheidung dürfte nur im Extremfall überraschen
Was die Absicht der US-Notenbank über die Lancierung ihres Straffungszyklus betrifft, ist nach unserer Einschätzung bereits so viel Tinte aufgebraucht worden, dass die am nächsten Donnerstag anstehende Zinsentscheidung allenfalls die volatilen Emotionen nur sehr kurzfristig orientierter Anleger bewegen dürfte. Aus mittelfristiger Sicht dürfte die erste Zinsanhebung, verbunden mit beschwichtigenden Worten für den weiteren Verlauf der geldpolitischen Normalisierung, grundsätzlich nicht lange für Marktturbulenzen sorgen. Wirklich überraschen können nur mehr eine Wende zu einer entweder wirklich harten Haltung zugunsten deutlich beschleunigter oder höherer Zinserhöhungen (höchst unwahrscheinlich) oder ein Rückzieher, d. h. die Normalisierung würde auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden (etwas wahrscheinlicher, wenn auch erst zu einem späteren Zeitpunkt).
Chinas Marktinterventionen verunsichern
Das planwirtschaftliche und kommunikationspolitische Verhalten der chinesischen Wirtschaftslenker während und nach dem Platzen seiner jüngsten Börsenblase sowie die abrupte und etwas verwirrende Ankündigung eines neuen Wechselkursfindungssystem für den Yuan im August hat viele Anleger schockiert. Damit wurde erstmals das einst stark verbreitete Sinnbild von der immer alles gut im Griff habenden Führung des «Reichs der Mitte» angekratzt. Zudem kam es zur endgültigen Etablierung einer allgemeinen Erwartungshaltung, dass sich die chinesische Volkswirtschaft und auch der Yuan fortan graduell weiter abschwächen dürften. Kurzfristig trägt auch diese Entwicklung zu einer Erhöhung der Unsicherheit bei. Wir gehen zwar nicht davon aus, dass diese Entwicklungen die Weltwirtschaft letztlich stark belasten werden (wir berücksichtigen diese Möglichkeit nur in unserem Risikoszenario). Die Aussicht auf Stimmungsschwankungen und volatile Märkte bewegt uns allerdings sehr wohl dazu, etwas Risiko aus unseren Portfolios herauszunehmen.
Risikoabbau mittels Reduzierung des Aktienübergewichts
Vor diesem Hintergrund könnte es jedenfalls durchaus noch mehrere Monate dauern, bis das Vertrauen in die globalen Aktienhausse vollständig wiederhergestellt werden kann – wie während der letzten Korrekturphase in der zweiten Jahreshälfte 2011.
So reduzieren wir unser Übergewicht bei Aktien, indem wir Gewinne aus Japan mitnehmen und die Exponierung gegenüber dem Rest von Asien-Pazifik abbauen (aufgrund der hohen Korrelation zum Komplex der Schwellenländer (EM), wo wir weiter das prononcierteste Untergewicht fahren). Japan und Europa stellen weiterhin unsere am stärksten bevorzugten Regionen dar.
Veränderungen der taktischen Allokation nach Anlageklasse:
Aktien: Europa und Japan weiterhin bevorzugt
Der Bullenmarkt ist nun im siebten Jahr. So stellt sich wieder die wichtige Frage, ob der jüngste Kursrückgang den ersten Vorläufer einer Baisse oder einfach nur eine weitere, temporäre Marktbereinigung darstellt. Als Team neigen wir insgesamt zur zweiten Interpretation. Dennoch könnte es angesichts der genannten neuen kurzfristigen Unsicherheiten und der erhöhten Volatilität noch einige Zeit dauern, bis das Vertrauen in den globalen Bullenmarkt vollständig wiederhergestellt werden kann.
Als Konsequenz nehmen wir unser Übergewicht bei Aktien etwas zurück, indem wir weitere Gewinne aus Japan mitnehmen (wie auch im letzten Quartal) und auch im restlichen asiatisch-pazifischen Raum Aktien abbauen. Letztere Region ist bekanntlich am stärksten von den jüngsten Entwicklungen in den EM betroffen. Unsere regionalen Präferenzmuster bleiben aber grundsätzlich unverändert: Wir haben weiterhin eine spürbare Übergewichtung in Europa und Japan (obwohl kleiner als zuvor), eine leicht übergewichtete Position in den USA. Asien-Pazifik ist jetzt leicht untergewichtet, während die Schwellenländer nach wie vor am deutlichsten untergewichtet bleiben.
Innerhalb der EM haben wir China zurückgestuft, während Indien und Polen bei den bevorzugten Märkten verbleiben. Diese Länder dürften immer noch von den niedrigeren Energiepreisen profitieren, ohne gleichzeitig der anhaltenden Abschwächung der chinesischen Wirtschaft ausgesetzt zu sein. Südafrika, Brasilien und Russland würden wir am ehesten meiden.
Fixed Income: Zukäufe von Unternehmensanleihen
Unsere Untergewichtung in der Anlageklasse und die durchschnittliche Laufzeit der Wertpapiere ist in unseren Portfolios leicht reduziert worden. Konkret haben wir Hartwährungsschwellenländeranleihen verkauft. Die Ölbaisse und der starke US-Dollar belasten die zyklischen Konjunkturaussichten vieler EM-Länder zusätzlich. Gleichzeitig haben wir vor allem Unternehmensanleihen hinzugekauft, was das Untergewicht leicht senkte.
Hart- und Lokalwährungs-Schwellenländeranleihen sind jetzt untergewichtet. Andererseits erhöhen wir unsere Hochzinskreditposition («High Yield») auf neutral. Die Risikoprämien in diesem Segment sind im Schlepptau der jüngst wieder aufgeflackerten Konjunkturängste auf attraktive Niveaus gestiegen. Den auf den ersten Blick ebenfalls günstig wirkenden Öl- und Gassektor in den USA möchten wir allerdings weiterhin meiden, weil wir in diesem Bereich mit einer Verschlechterung der Lage in den nächsten Quartalen rechnen (Bankrotte, Zahlungsausfälle, usw.).
Alternative Investments: REITs weiter bevorzugt
Real Estate Investment Trusts (REITs) haben sich aufgrund der Entwicklung der europäischen Immobilienaktien zufriedenstellend entwickelt und wir schätzen den Ausblick weiterhin positiv ein. Trotz eines leichten Abbaus unserer Position bleibt dieser Bereich daher übergewichtet. Unverändert belassen wir unsere Positionen in Listed Private Equity (neutral), Hedgefonds (neutral) und bei Edelmetallen (neutral). Das marktgetriebene Untergewicht bei Rohstoffen wird hingegen weiter ausgebaut.
Währungen: USD-Übergewicht leicht abgebaut
Die US-Dollarstärke lässt an Intensität nach, zumindest gegenüber dem Euro. Dahinter stecken sich ändernde Erwartungen betreffend den kurzfristigen Plänen der Federal Reserve und einige technische Faktoren (Investoren hatten begonnen, historisch hohe Niveaus von «Short Euro»-Positionen zu bereinigen – auch wir hatten einen solchen Schritt im Juni getätigt).
Das grosse Gesamtbild bleibt dennoch unverändert: Die Europäische Zentralbank wird weiterhin geldpolitisch locker bleiben oder die Massnahmen sogar noch erhöhen, während die Fed früher oder später mit der Normalisierung ihrer Zinspolitik beginnen wird. Wir halten daher an einer etwas weniger stark ausgeprägten Position zugunsten des «Greenback» fest.
Aufgrund der recht guten wirtschaftlichen Fundamentaldaten und der Ähnlichkeiten mit dem geldpolitischen Ausblick der USA haben wir auch eine etwaige Übergewichtung des britischen Pfunds diskutiert. Letztlich haben wir uns dagegen entschieden. Gegenüber dem Euro dürfte dies weitgehend eingepreist worden sein und das Thema EU-Referendum stellt ein Risiko für das Pfund dar.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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