LGT Navigator : Ein später Rückgang der Anleiherenditen verhalfen der New Yorker Börse zu einem fulminanten Wochenendspurt und dem Dow Jones Industrial erstmals seit rund einem Monat über die Marke von 31’000 Punkten.
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Hintergrund war ein Artikel im Wall Street Journal, der die Hoffnungen auf eine etwas moderatere Gangart der US-Zentralbank (Fed) hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen nährte. So sollen sich einige Vertreter des Fed besorgt über eine zu starke geldpolitische Straffung geäussert haben, nachdem der Leitzins seit Jahresbeginn bereits um insgesamt drei Prozentpunkte angehoben wurde. Neben der laufenden Unternehmensberichtssaison steht in dieser Woche insbesondere der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag im Mittelpunkt.
Am Freitag beendete der Dow den Handel mit einem soliden Tagesgewinn von +2.47% bei 31’082.56 Punkten. Auf Wochensicht legte der Leitindex damit um knapp +5% zu. Der S&P 500 gewann Ende der letzten Woche +2.37% und ging bei 3’752.75 Punkten aus dem Freitagshandel – Wochenbilanz +4.7%. Auch an der Technologiebörse Nasdaq legten die Indizes am Freitag kräftig um rund +2.4% zu und verbuchten auf die Woche betrachtet ein eindrucksvolles Plus von +5.8%. Die Bewegungen sind vor dem Hintergrund des jüngsten Anstiegs der Anleihenrenditen besonders eindrucksvoll. Die richtungsweisende Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog am Freitag zeitweise bis auf 4.33% an und erreichte damit das höchste Niveau seit 2007. Vor dem Wochenende gab die Rendite dann aber wieder bis auf aktuell 4.15% nach.
Die Aktien im asiatisch-pazifischen Raum tendierten am Montag uneinheitlich. In Hongkong verliert der Hang Seng-Index im Schatten des 20. Nationalkongresses der Kommunistischen Partei Chinas rund -5%, wobei der Hang Seng Tech-Index um mehr als -6% einbrach. Die Märkte auf dem chinesischen Festland notierten hingegen dank besser als erwarteter Wirtschaftsdaten nur moderat im negativen Terrain. Der Shanghai Composite verlor rund -0.9%. In Tokio legte der Nikkei 225 um rund +0.5% zu. Der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien ausserhalb Japans gab indessen um etwa -1.2% nach.
Chinas Wirtschaft wuchs im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal wieder deutlich stärker um +3.9% und damit auch kräftiger als von Analysten mit +3.4% antizipiert. Die Einzelhandelsumsätze verfehlten die Erwartungen und lagen im September um +2.5% über dem Vorjahreswert, während die Industrieproduktion mit +6.3% stärker als der Konsens von +4.5% positiv überraschte.
Inoffizielle Schützenhilfe für bedrängten Yen
Nachdem der japanische Yen letzte Woche gegenüber dem US-Dollar erstmals seit 1990 auf knapp 152 gefallen war, haben Marktinterventionen seitens des japanischen Finanzministeriums etwas stabilisiert. Der Kursanstieg des Yen löste am Markt Spekulation aus, dass Japans Regierung erneut am Devisenmarkt eingegriffen haben könnte. Im Vorfeld hatte Japans Finanzminister Shunichi Suzuki bekräftigt, dass angemessene Massnahmen gegen spekulative Bewegungen ergriffen werden und die Wirtschaftszeitung «Nikkei» zeigte sich überzeugt, dass die Regierung am Devisenmarkt eingegriffen habe. Den Kursverfall des Yen aufzuhalten, dürfte aber wegen der nach wie vor ultralockeren Geldpolitik der Bank of Japan schwierig sein.
Wer zieht in die Downing Street 10 ein?
Nach dem Rücktritt von Premierministerin Liz Truss am Donnerstag dreht sich in Grossbritannien das Kandidatenkarussell. Als aussichtsreichste Nachfolger von Truss gelten derzeit der frühere Finanzminister Rishi Sunak und die ehemalige Verteidigungsministerin Penny Mordaunt. Der ehemalige Premierminister Boris Johnson zog unterdessen am Sonntagabend seine Kandidatur zurück. Die oppositionelle Labour-Partei fordert derweil Neuwahlen. Die unsichere politische Situation belastete am Freitag erneut die britischen Anleihenmärkte und sorgte für steigende Bondrenditen.
Deutschland droht eine Rezession
Die deutsche Wirtschaft dürfte sich an der Schwelle zu einer Rezession befinden. Zu diesem Schluss kommt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für den Oktober. «Die anhaltend hohe Inflation und die Unsicherheit über die Energieversorgung und ihre Kosten belasten die deutsche Wirtschaft deutlich», heisst es im Report. Die Bundesbank erwartet daher, dass sich die Konjunktur im Winterhalbjahr deutlich abkühlen wird. Dank der robusten Entwicklung im ersten Semester könnte Deutschland für das Gesamtjahr dennoch ein Wirtschaftswachstum ausweisen. Mit Blick auf die hohe Inflation bleiben die Ökonomen pessimistisch und erwarten, dass die Verbraucherpreise in den kommenden Monaten weiterhin im zweistelligen Bereich wachsen. Die Jahresteuerung liegt in Deutschland derzeit bei +10%. Einziger Lichtblick ist gemäss der Bundesbank der Arbeitsmarkt, wo die Nachfrage nach Arbeitnehmern hoch ist, was auch im Falle einer Konjunkturabkühlung so bleiben dürfte.
Wirtschaftskalender 24. Oktober
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 10:00 | China | Exporte (September, J/J) | +7.1% |
| 10:00 | China | Importe (September, J/J) | +0.3% |
| 10:00 | EZ | Einkaufsmanagerindex Industrie (Oktober) | 48.4 |
| 15:45 | USA | Einkaufsmanagerindex Industrie (Oktober) | 52.0 |
Unternehmenskalender 24. Oktober
| Land | Unternehmen | Periode |
| NL | Philips N.V. | Q3 |
Quelle: BondWorld.ch
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