LGT Navigator : Im Euroraum ist die Inflation im Juni erneut auf einen Rekordwert gestiegen. Nun spekulieren Anleger, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen am Donnerstag um 50 Basispunkte erhöhen könnte.
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Diese Aussichten haben auch den Euro beflügelt, der sich gegenüber dem US Dollar verteuert hat.
Nach einem schwachen Wochenstart haben sich die amerikanischen Börsen am Dienstag deutlich erholt. Der S&P 500 kletterte +2.8% und der Dow Jones gewann +2.4%. Der Nasdaq Composite legte gar +3.1% zu. Zur guten Stimmung haben unter anderem Unternehmensergebnisse beigetragen, die besser als erwartet ausgefallen sind.
In Asien folgen die Aktienmärkte am Mittwoch den starken Vorgaben aus den USA. Der Nikkei gewinnt in Tokio +2.5%. In Hongkong avanciert der Hang Seng Index +1.6% und der Shanghai Composite legt +0.7% zu.
EZB im Dilemma
Der Countdown zum geldpolitischen Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) läuft. Am morgigen Donnerstag werden die Währungshüter über die Geldpolitik entscheiden, und es gilt als sicher, dass sie erstmals seit elf Jahren eine Zinserhöhung beschliessen werden. Die Frage ist nur, ob die EZB einen Zinsschritt von 25 oder 50 Basispunkten beschliessen wird. So meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag, dass die Notenbank angesichts der hohen Inflation eine Zinserhöhung von 50 Basispunkten erwäge und berief sich auf gut informierte Kreise. Bereits vergangene Woche haben die Notenbankchefs verschiedener Mitgliedsländer für einen deutlichen Zinsschritt plädiert.
Bislang herrschte an den Finanzmärkten weitegehend Konsens, dass die EZB die Leitzinsen lediglich um 0.25 Prozentpunkte anheben wird. Ob sich die «hawkishen» Stimmen am Donnerstag durchsetzen können, bleibt offen. Zwar steigen die Preise im Euroraum derzeit so schnell wie noch nie seit Bestehen des Währungsraums. Zudem hinkt die EZB anderen wichtigen Notenbanken hinterher, die die Zinswende teilweise bereits vor Monaten eingeleitet haben. Doch gleichzeitig steigt das Risiko einer Rezession im Euroraum. Die Gefahr eines Abschwungs dürfte sich insbesondere dann noch einmal verschärfen, wenn Russland die Energieversorgung kappt. So warnt der Internationale Währungsfonds (IWF), dass in einem solchen Szenario vor allem in Osteuropa und Italien schwere Rezessionen drohen. Es wird daher zentral sein, ob und in welchem Umfang Moskau die Gas-Pipeline Nord Stream 1 wieder in Betrieb nimmt, sobald die derzeit laufenden Wartungsarbeiten abgeschlossen sind. Läuft alles nach Plan, wird die Pipeline ab Donnerstag wieder Erdgas nach Europa liefern. Anleger warten daher gespannt darauf, ob und wie der EZB der Balanceakt gelingt.
Die Aussicht auf steigende Zinsen stützt derweil den Euro. Gegenüber dem US-Dollar kletterte die Gemeinschaftswährung am Dienstag auf USD 1.0232 und verteuerte sich damit um knapp +1%. Vergangene Woche notierte der Euro zwischenzeitlich unter Parität zum US-Dollar.
Preiswachstum in der Eurozone beschleunigt sich
Die Inflation in der Eurozone hat im Juni erneut einen Rekordwert erreicht. So sind die Konsumentenpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um +8.6% gestiegen, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Damit wurde eine erste Schätzung bestätigt. Im Vormonat lag die Teuerung bei +8.1%. Der Preisanstieg wurde einmal mehr von den steigenden Energiepreisen getrieben, die sich im Vorjahresvergleich um mehr als 40% erhöht haben. Aber auch Lebens- und Genussmittel haben sich deutlich verteuert. Werden die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert, ergibt sich eine Kerninflation von +3.7%, nach +3.8% im Mai.
Frankreich will Stromkonzern verstaatlichen
Der französische Staat will den nationalen Stromkonzern EDF für EUR 9.7 Mrd. vollständig übernehmen und so den Ausbau der Atomkraft im Land sicherstellen. Die Regierung, die bereits rund 84% an EFD hält, will pro Aktie EUR 12.00 bieten, wie das Wirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Frankreich setzt vor allem auf Nuklearenergie, um die Energiesicherheit zu gewährleisten und den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Doch um dieses Kaufangebot überhaupt unterbreiten zu können, muss die Nationalversammlung zusätzliche Finanzmittel bereitstellen. Dafür ist die Regierung von Präsident Emmanuel Macron auf Stimmen der Opposition angewiesen. Die Parlamentsdebatte ist noch für diese Woche geplant.
Wirtschaftskalender 20. Juli
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 08:00 | UK | Konsumentenpreisindex (Juni, J/J) | +9.1% |
| 16:00 | USA | Verkauf bestehender Häuser (Juni, M/M) | -3.4% |
Unternehmenskalender 20. Juli
| Land | Unternehmen | Periode |
| NL | Akzo Nobel | Q2 |
| USA | Biogen | Q2 |
| CH | Georg Fischer | Q2 |
| US | Tesla | Q2 |
| CH | Valora | Q2 |
Quelle: BondWorld.ch
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