LGT Navigator : Die US-Notenbank (Fed) hat ihren Leitzins wie erwartet erneut kräftig um 75 Basispunkte auf den höchsten Stand seit 14 Jahren angehoben.
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Damit setzt das Fed ihren Kampf gegen den unverminderten Inflationsdruck fort. Japans Zentralbank hingegen beliess alles beim Alten und hält an ihrer expansiven Geldpolitik fest, obwohl auch in Japan die Inflation jüngst deutlich angezogen hat. Mit Spannung werden heute auch weitere geldpolitische Entscheide aus Bern, Oslo und London erwartet. An den Börsen sorgte der Entscheid des Fed für Volatilität und schlussendlich eine negative Tagesperformance der Indizes. Nach der von Putin angekündigten Teilmobilmachung in Russland rücken nun auch wieder verstärkt geopolitische Unsicherheiten in den Fokus.
Mit dem erneut aussergewöhnlich starken und fünften Zinsschritt erreicht der Schlüsselzins des Fed nun eine Spanne von 3.00-3.25%. Mit der mehrfachen Straffung der Geldpolitik versucht die amerikanische Zentralbank dem ungebremsten Inflationsauftrieb entgegenzutreten. Aktuell notiert die Inflationsrate in den USA bei +8.3%. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell stellte in Aussicht, dass das Fed die Zinsen bis Ende dieses Jahres bis 4.4% anheben wird und im Laufe des nächsten Jahres nochmals auf bis zu 4.6%. Im Kampf gegen die Inflation wird das Fed auch eine Rezession in Kauf nehmen müssen. In ihren aktualisierten Wirtschaftsprognosen geht das Fed davon aus, dass die Arbeitslosenquote von derzeit 3.7% bis im nächsten Jahr auf 4.4% ansteigen wird. Gleichzeitig wird für 2022 ein Rückgang des BIP-Wachstums auf nur noch +0.2% prognostiziert. Aufgrund der aggressiven Straffung soll die Inflation, gemessen am von der Fed bevorzugten Preisindex für persönliche Konsumausgaben, in diesem Jahr voraussichtlich auf +5.4% zurückgehen. Im August lag dieser Wert bei 6.3%.
An der Wall Street war der Zinsschritt des Fed in diesem Umfang weitestgehend erwartet worden und die Anleger reagierten erleichtert, dass nicht eine noch stärkere Zinserhöhung beschlossen wurde. Nach einem volatilen Handel schloss der Dow Jones Industrial am Tagesende bei 30’183.78 Punkten -1.7% tiefer und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Der S&P 500 gab ebenfalls um -1.71% auf 3’789.93 Punkte nach und an der Nasdaq fielen die Indizes um -1.8%.
Am Anleihenmarkt legten die Notierungen nach der Zinserhöhung zu. Die Rendite der richtungsweisenden US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren kletterte zunächst bis auf 3.64% – den höchsten Stand seit 2011 – gab dann aber wieder auf 3.51% nach. Die Rendite der zweijährigen Treasuries stieg bis auf 4.13% und näherte sich damit dem Höchststand vom Oktober 2007. Am Devisenmarkt drückte der Greenback den Euro auf den tiefsten Stand seit rund 20 Jahren. Zuletzt kostete der Euro 0.9830 US-Dollar.
In Asien folgten die meisten Aktienindizes den negativen Vorgaben aus New York. In Tokio gibt der Nikkei 225 um rund -0.8% nach und in Hongkong fällt der Hang-Seng-Index um etwa -1.9%. Der Shanghai Composite auf dem chinesischen Festland verliert rund -0.3% und der Shenzhen Component gibt um -0.6% nach. Der breiteste MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien ausserhalb Japans notiert rund -1.4% tiefer als am Vortag.
Bank of Japan hält ihr Pulver noch trocken
Japans Zentralbank hält an ihrer Politik zur Steuerung der Zinskurve fest und beliess ihren Leitzins bei -0.1% unverändert im negativen Bereich. Dies war von Analysten weitestgehend so erwartet worden. Der japanische Yen schwächte sich kurz nach der Entscheidung auf 145 gegenüber dem US-Dollar ab – das tiefste Niveau seit 24 Jahren. Die Bank of Japan geht davon aus, dass die kurz- und langfristigen Zinssätze auf ihrem derzeitigen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden und änderte damit nichts an ihrer «dovishen» Ausrichtung. Im Kommentar hiess es, «Japans Wirtschaft habe sich erholt, obwohl sie von Faktoren wie einem Anstieg der Rohstoffpreise beeinflusst wurde».
SNB und Bank of England dürften dem Fed ihrerseits mit Zinserhöhungen folgen
Heute folgen noch weitere Zinsentscheide der Schweizerischen Nationalbank (SNB) – es wird ein weiterer Zinsschritt von 50 bis 75 Basispunkten erwartet – und der norwegischen Zentralbank um 10:00 Uhr (MEZ) sowie am 13:00 Uhr die Ankündigung der Bank of England. Auch in London dürften die Währungshüter mit einer neuerlichen Zinserhöhung auf die hohe Inflation von knapp 10% reagieren. Zudem fiel das britische Pfund gegenüber dem US-Dollar mittlerweile auf den tiefsten Stand seit 37 Jahren!
Schwache Hausverkäufe in den USA spiegeln steigende Hypothekenzinsen
In den Vereinigten Staaten ist der Absatz bestehender Häuser im August weniger stark als erwartet gesunken. Im Vergleich zum Vormonat gingen die Verkäufe, gemäss der Maklervereinigung National Association of Realtors (NAR), bereits den siebten Monat in Folge zurück, diesmal aber «nur» um -0.4%. Analysten hatten mit einem Rückgang um -2.3% gerechnet. Auf das Jahr hochgerechnet betrug die Zahl der Verkäufe saisonbereinigt 4.8 Millionen, womit der niedrigste Stand seit Mai 2020 erreicht wurde. Laut NAR spiegeln die schwachen Hausverkäufe die steigenden Hypothekenzinsen wider.
Wirtschaftskalender 22. September
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 06:00 | JP | Bank of Japan Zinsentscheid | -0.1% |
| 08:45 | FR | Konjunkturindikator (September) | 104.0 |
| 09:30 | CH | SNB Zinsetnscheid | -0.25% |
| 10:00 | CH | SNB Pressekonferenz | |
| 10:00 | EZ | EZB Monatsbericht | |
| 10:00 | NOR | Norges Bank Zinsentscheid | 1.75% |
| 13:00 | GB | Bank of England Zinsentscheid | 1.75% |
| 14:30 | USA | Erstanträge Arbeitslosengeld (wöchentlich) | 224’000 |
| 16:00 | USA | Frühindikator (August) | -0.4% |
| 16:00 | EZ | Konsumentenstimmung (September) | -24.9 |
Unternehmenskalender 22. September
| Land | Unternehmen | Periode |
| USA | FedEx | Q1 |
| USA | Accenture | Q4 |
| USA | Qualcomm | Investorentag |
| USA | Costco Wholesale | Q4 |
Quelle: BondWorld.ch
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