LGT Navigator : Nach den jüngsten Inflationsdaten aus den USA erwarten die Finanzmärkte, dass die US-Notenbank die Zinsen schnell erhöhen wird. Die amerikanischen Börsen reagieren mit Verlusten. In Europa versucht EZB-Chefin Christine Lagarde inzwischen, die Inflationssorgen zu zerstreuen.
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In den Vereinigten Staaten steigen die Preise schneller als erwartet. So ist die Inflation im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um +7.5% gestiegen, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Das ist die höchste Teuerungsrate seit 1982. Analysten hatten mit einem Preisanstieg von +7.3% gerechnet, nachdem die Inflation im Dezember bereits bei +7.0% lag.
An den US-Börsen sorgten die aktuellen Inflationsdaten für schlechte Stimmung und schüren Befürchtungen, dass die US-Notenbank die Zinsen schneller als bislang erwartet erhöhen wird. Dazu trug auch James Bullard bei, der Präsident der Distriktnotenbank St. Louis. Er erklärte nach der Veröffentlichung der Zahlen, er befürworte eine Zinserhöhung von 1 Prozentpunkt bis Juli. Die Terminbörse CME beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung von 50 Basispunkten im März mit fast 100%. Zudem erwarten die Finanzmärkte inzwischen sieben Zinserhöhungen im laufenden Jahr.
Der S&P 500 verlor am Donnerstag schliesslich -1.8% und der Dow Jones büsste knapp -1.5% ein. Am härtesten traf es erneut Technologieaktien. Der Nasdaq 100 gab -2.3% nach. Die bevorstehende Zinswende sorgt auch an den Bondmärkten für Bewegung. Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen kletterten am Donnerstag erstmals seit Mitte 2019 auf über 2%. Zweijährige US-Treasuries stiegen im Tagesverlauf bis zu 26 Basispunkte und verzeichneten damit den grössten Sprung seit 2009.
EZB-Chefin Lagarde dämpft Inflationssorgen
In Europa versucht derweil EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die Inflationssorgen zu zerstreuen. In einem Interview erklärte sie, es gebe derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die steigenden Preise auf die Lohnforderungen durchschlagen. Eine solche Spirale kann das Preiswachstum zusätzlich anheizen. Zudem verteidigte sie die Geldpolitik der EZB und sagte, die Notenbank mache Fortschritte, das Inflationsziel von 2% zu erreichen. Das gehe aber nur stufenweise. Gemäss Lagarde müssen sich die Menschen dennoch darauf einstellen, dass die Teuerung im Euroraum in den kommenden Monaten hoch bleibt. Im Jahresverlauf soll das Preiswachstum dann nachlassen, meint die EZB-Chefin.
EU-Kommission erhöht Inflationsprognose
Auch in der Eurozone dürften die Preise im laufenden Jahr schneller steigen als bislang erwartet, prognostiziert die EU-Kommission. Gemäss den Experten wird die Teuerung 2022 auf durchschnittlich +3.5% steigen, wie aus der jährlichen Winterprognose hervorgeht. Im Herbst hatten sie noch einen Preisanstieg von +2.2% erwartet. 2023 soll ein Plus von +1.7% resultieren. Die Preise im europäischen Währungsraum sind zuletzt unerwartet rasant gestiegen, insbesondere angefacht von hohen Energiekosten. Die Europäische Zentralbank hält bislang an der lockeren Geldpolitik fest, allerdings schliesst sie eine Zinserhöhung im laufenden Jahr nicht mehr aus.
Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone hat die EU-Kommission dagegen reduziert und erwartet dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von +4.0% (bislang +4.3%). Sie verweist dabei auf die hohen Corona-Infektionen, die steigenden Energiepreise sowie die Engpässe in den Lieferketten. 2023 soll die Wirtschaftsleistung um +2.8% wachsen.
Die Schwedische Notenbank bleibt locker
Die schwedische Notenbank will sich Zeit lassen mit der ersten Zinserhöhung. Obschon die Jahresteuerung mit rund +4% deutlich über dem Inflationsziel von 2% liegt, will die Schwedische Reichsbank den Leitzins erst Ende 2024 anheben. Bis dahin soll die Nullzinspolitik fortgeführt werden, teilte sie am Donnerstag nach der Zinssitzung mit. Zudem wollen die Währungshüter die Notenbankbilanz noch nicht reduzieren. Damit schlägt die Reichsbank einen anderen Weg ein als die US-Notenbank und auch die EZB, die sich jüngst besorgt über die hohe Teuerung zeigte. Die schwedischen Währungshüter führen die schnell steigenden Preise insbesondere auf die hohen Energiekosten zurück. Die Kernrate liege bei knapp 2%, erklärte die Zentralbank.
Wirtschaftskalender 11. Februar
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 08:00 | DE | Verbraucherpreise (Januar, J/J) | +4.9% |
| 08:00 | UK | Bruttoinlandprodukt (Q4, J/J) | +6.4% |
| 08:30 | CH | Verbraucherpreise (Januar, J/J) | +1.5% |
| 14:30 | USA | Verbrauchervertrauen (Februar) | 67.50 |
Unternehmenskalender 11. Februar
| Land | Unternehmen | Periode |
| UK | BAT | Q4 |
| CH | Bell | Q4 |
| USA | Under Armour | Q4 |
Quelle: BondWorld.ch
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