LGT Navigator : Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen am Donnerstag überraschend deutlich erhöht. Zudem lanciert sie ein neues Anti-Krisen-Instrument. Nach dem Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi kommt es in Italien zu Neuwahlen.
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Nach einem verhaltenen Start verzeichneten die amerikanischen Börsen am Donnerstag deutliche Gewinne. Der S&P 500 kletterte +1.0% und der Dow Jones avancierte +0.5%. Der Nasdaq Composite legte +1.4% zu.
In Asien handeln die Märkte am Freitag uneinheitlich. In Tokio gewinnt der Nikkei +0.4%. Der Hang Seng avanciert in Hongkong +0.2% und der Shanghai Composite notiert leicht im Minus.
Der Euro notiert am Freitag knapp unter der Marke von USD 1.02. und kostet mit USD 1.0183 etwa so viel wie am Vorabend. Damit hat die Gemeinschaftswährung nur kurz von der Zinserhöhung im Euroraum profitiert, obwohl sie stärker ausfiel als erwartet. So bleiben die Gaslieferungen aus Russland weiterhin ein Unsicherheitsfaktor. Gemäss Meldungen des Netzbetreibers fliesst das Gas bislang konstant durch die Pipeline Nord Stream 1. Zudem dämpft die Regierungskrise in Italien die Marktstimmung und belastet auch den Euro.
EZB erhöht Zinsen
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag wie erwartet die Zinswende eingeleitet und die Leitzinsen erstmals seit elf Jahren erhöht. Mit einer Zinserhöhung von 50 Basispunkten war sie dabei überraschend mutig. Der Grossteil der Analysten hatte einen Zinsschritt von 25 Basispunkten prognostiziert. Damit liegt der Einlagesatz neu bei 0%. Der Hauptrefinanzierungssatz steigt auf 0.5% und der Spitzenrefinanzierungssatz klettert auf 0.75%. Zudem haben die Währungshüter ein neues Anti-Krisen-Programm beschlossen. Das «Transmission Protection Instrument» (TPI) zielt darauf ab, die Fragmentierung innerhalb des Währungsraums einzudämmen und sicherzustellen, dass die Straffung der Geldpolitik hochverschuldete Länder wie Italien nicht übermässig belastet.
Mit dem überraschend grossen Zinsschritt reagierte die EZB auf das rasante Preiswachstum im Währungsraum. Im Juni hat die Jahresinflation einen neuen Rekord erreicht und ist auf +8.6% geklettert, nach +8.1% im Mai.
Politchaos in Italien
In Italien kommt es nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Mario Draghi zu vorgezogenen Neuwahlen, nachdem der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella am Donnerstag die Auflösung der beiden Parlamentskammern verfügt hat. Die Wahlen sollen am 25. September stattfinden. Ursprünglich waren sie erst im Frühling 2023 angesetzt. Draghis Regierung wird so lange im Amt bleiben, bis es einen neuen Ministerpräsidenten gibt. Einen politischen Stillstand kann sich Italien nicht leisten: Das Land muss weitere Reformen beschliessen, bevor es Wiederaufbaugelder aus dem Pandemie-Hilfsfonds beziehen kann. Zudem muss das Parlament den Haushaltsplan für 2023 festlegen.
An der Mailänder Börse verlor der italienische Leitindex -0.7%. Der Risikoaufschlag für zehnjährige italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen Papieren weitete sich am späten Nachmittag wieder aus, nachdem er unmittelbar nach dem EZB-Entscheid noch geschrumpft war.
Wirtschaftskalender 22. Juli
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 10:00 | EZ | Einkaufsmanagerindex Industrie (Juli) | 52.1 |
| 15:45 | USA | Einkaufsmanagerindex Industrie (Juli) | 52.7 |
Unternehmenskalender 22. Juli
| Land | Unternehmen | Periode |
| NOR | Norsk Hydro | Q2 |
| CH | Schindler | Q2 |
| CH | Sika | Q2 |
| USA | Q2 | |
| USA | Verizon | Q2 |
Quelle: BondWorld.ch
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