Eine globale Rezession bleibt unwahrscheinlich. Die Weltwirtschaft hat sich in letzter Zeit jedoch abgekühlt, die mittelfristige Anlagestimmung ist angeschlagen und die jüngsten Notenbankaktionen überzeugen die Märkte nur zum Teil..….
Mikio Kumada
Wir rechnen daher mit einem weiterhin volatilen Marktregime. Mit der nun seit acht Wochen anhaltenden Börsenerholung ist für uns die Zeit gekommen, das Aktienmarktrisiko in unseren Anlagestrategien moderat zu reduzieren.
Makroökonomisches Hauptszenario: Keine Rezession – jedoch erhöhte Unsicherheiten
In unserem Hauptszenario vermeidet die Weltwirtschaft eine Rezession. Unser konjunktureller Ausblick für die nächsten drei bis sechs Monate ist jedoch im Vergleich zum letzten Quartal etwas verhaltener. Eine Reihe von vorausblickenden Wirtschaftsdaten hat sich seit Beginn des Jahres weltweit weiter verschlechtert, und diverse Indikatoren zeigen zudem auf, dass die Wachstums- und Inflationsdaten international laufend die Markterwartungen enttäuschen. Die Zentralbanken bleiben zugleich rund um den Globus flexibel und/oder aggressiv auf das Ziel fixiert, die Geldmenge weiterhin auf einem stark expansiven Pfad zu halten, was letztlich auf Sicht die Realwirtschaft unterstützen sollte. Die Wirksamkeit der Zentralbankpolitik wird allerdings wieder zunehmend in Frage gestellt, was aus den Reaktionen der Finanzmärkte auf die Massnahmen, die in den vergangenen Monaten von den Notenbanken angekündigt wurden, ersichtlich ist.
In den Schwellenländern hat sich Chinas Wirtschaft in den letzten Monaten aus zyklischer Sicht zu stabilisieren begonnen – trotz der Angst um eine Bruchlandung, die am Anfang dieses Jahres wieder aufblühte. In Brasilien hat die Aussicht auf eine politische Wende Erleichterung ausgelöst, was jedoch nicht bedeutet, dass dort grundlegende Reformen anstehen. Letzteres gilt weiterhin auch für andere Länder, von Russland bis Südafrika. Solange es keine überzeugenden Anzeichen einer fundamentalen wirtschaftlichen und politischen Aufhellung gibt, wollen wir in den Schwellenländern bei unserer vorsichtigen Haltung bleiben. Wir erwarten allerdings auch keinen schweren zyklischen Rückschlag in den kommenden Monaten. Letzteres antizipieren wir lediglich im Rahmen unseres (unwahrscheinlichen) taktischen Nebenszenarios.
Aktien: Defensive Verschiebung der taktischen Allokation
Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen, unsere taktische Asset-Allokation für die kommenden Monate auf eine etwas defensivere Basis zu stellen. Wir glauben, dass die Märkte für temporäre Volatilitätsausbrüche anfällig bleiben.
In den USA befinden wir uns bereits in einer Ertragsrezession, und in Europa nimmt der positive Effekt des schwachen Euro und der niedrigen Energiepreise ab. In Japan werden die Verbesserungen in den Grundsätzen der Unternehmensführung und Rentabilität (Thema «Corporate Governance») konterkariert durch die nachlassende Begeisterung für Premierminister Shinzo Abes Reflationspolitik (Thema «Abenomics») sowie einige enttäuschende Makrodaten. In diesem Kontext möchten wir anfügen, dass unser Hedgefonds-Team beschlossen hat, das interne Anlagethema «Japans Wiederaufstieg» nicht weiter zu verfolgen und die erzielten Gewinne der letzten drei Jahre mitzunehmen.
Reduktion der Aktienquote in Japan
Die seit Mitte Februar anhaltende globale Erholung an den Aktienmärkten hat die Marktbewertungen und die kurzfristige Börsenstimmung wieder auf Niveaus angehoben, die im Kontext des beschriebenen Marktumfeldes teilweise fragwürdig erscheinen. Darüber hinaus nähert sich der global weiterhin richtungsweisende S&P 500-Aktienindex in den USA auch aus technischer Sicht an Widerstandsniveaus an. Wir glauben daher, dass die laufende Erholung eine gute antizyklische Gelegenheit bietet, das Aktienrisiko etwas zurückzufahren. In den öffentlichen Märkten bewerkstelligen wir dies durch die Neutralisierung unserer aktiven Position in Japan – einem der volatilsten Aktienmärkten in unsicheren Zeiten («High Beta»-Markt).
Neutrale Gewichtung des traditionellen Aktiensegments und Untergewichtung des Gesamtaktienrisikos
Mit der Neutralisierung des Übergewichtes in Japan und der beibehaltenen Untergewichtung der Schwellenländer-Börsen erreichen wir eine insgesamt neutrale Aktienallokation im traditionellen Anlagebereich. Allerdings haben wir auch beschlossen, unsere Position in öffentlich gehandelten Private-Equity-Anlagen zu reduzieren (LPE, ebenfalls eine Anlageklasse mit «hohem Beta», d.h. grundsätzlich volatiler als die breiten Aktienmärkte). Nach Berücksichtigung aller Anlageklassen mit Aktienrisiko – d.h. LPEs, Immobilieninvestmentgesellschaften (REITs) und Master Limited Partnerships (MLPs) – ist unsere gesamte Aktienrisikoposition jetzt etwa zwei Prozentpunkte unter unserer neutralen, strategischen Quote.
Zukauf von Unternehmensanleihen und Erhöhung der Cashquote
Die Erlöse aus der Reduktion der erwähnten Positionen werden in Investment-Grade-Unternehmensanleihen und Bargeld angelegt. Letztere Quote liegt nun bei über sechs Prozent und ist damit hoch. Aus unserer Sicht waren die jüngsten Kursgewinne in Schwellenländer-Anleihen und im Rohstoffsektor überwiegend positionsbasierter oder technischer Natur. Nach Jahren der Unterperformance sahen viele professionelle Anleger das Risiko, dass sie in diesem Segment unterexponiert sein könnten. Viele nutzten daher die jüngsten Turbulenzen und die tieferen Bewertungen bzw. höheren Risikoprämien, die diese Marktsegmente inzwischen bieten, um untergewichtete Positionen aufzustocken oder leerverkaufte Positionen zu schliessen. Solche Erholungen neigen jedoch dazu, relativ rasch abzuklingen. Wir möchten deshalb auf Anzeichen von grundlegenden Verbesserungen warten, bevor wir in diesen Bereichen auch auf taktischer Ebene handeln (auf strategischer Ebene hatten wir kürzlich bereits Käufe im Bereich hochverzinslicher Kredite und Schwellenländern-Anleihen getätigt).
Währungen: Moderate Präferenz für den US-Dollar
Die Divergenz in der transatlantischen Geldpolitik scheint – zumindest vorübergehend – ihren Höhepunkt erreicht zu haben: Die US- Federal Reserve hat ihre Haltung gelockert (d.h. sie ist weniger geneigt, die Zinsen zu erhöhen), während die Europäische Zentralbank nach der Ankündigung ihres jüngsten Massnahmenpakets andeutete, dass ihre Leitzinsen den Tiefpunkt erreicht haben könnten. Wir halten dennoch an unserem marginalen Übergewicht im US-Dollar fest, da die US-Konjunkturdaten immer noch stärker sind als jene der Eurozone und der USD weiterhin höhere Zinsniveaus bietet. Darüber hinaus hat der USD in Phasen erhöhter Unsicherheit, wenn Investoren also eine höhere Präferenz für die sichersten und liquidesten Mittel haben, stets profitiert.
Zunehmende Positionierung zum japanischen Yen
Aus dem gleichen Grund und im Einklang mit unserer defensiveren Gesamthaltung erhöhen wir unsere taktische Übergewichtung des japanischen Yen – ebenfalls eine Währung, die in volatilen Zeiten normalerweise zusätzlich zur Stärke neigt. In dieser Hinsicht hat sich zuletzt auch gezeigt, dass die Bank of Japan immer weniger bereit oder in der Lage ist, die eigene Währung zu schwächen. Die (partielle und vergleichsweise moderate) Einführung negativer Notenbankzinsen im Januar hat eine weitere Yen-Aufwertung nicht verhindert. Ausserdem ist der Yen aus fundamentaler Sicht (u.a. aus Kaufkraftparitätsperspektive) die am deutlichsten unterbewertete Währung. Solange andere Faktoren, die eine Währung schwächen können (z.B. eine wirklich aggressive Lockerung der Geldpolitik), fehlen, sorgt eine fundamentale Unterbewertung langfristig grundsätzlich für Aufwind.
Untergewichtung der Währungen von rohstoffproduzierenden Staaten und Schwellenländern
Den USD- und JPY-Übergewichtungen stehen taktische Untergewichte im Euro und Schweizer Franken gegenüber. Nach wie vor fahren wir auch bei Währungen von Schwellenländern sowie von rohstoffexportierenden Volkswirtschaften ein signifikantes passives Untergewicht (d.h. als Ergebnis unserer taktischen Untergewichtungen in den jeweiligen Anlagekategorien und Märkten).
Hinweis: Strategischer Kontext bleibt unverändert
Die oben beschriebenen Entscheidungen beziehen sich auf ein von LGT Capital Partners verwaltetes Masterportfolio und auf unsere eigenen strategischen Quoten (strategische Asset-Allokation, SAA). Letztere werden wiederum unter Berücksichtigung unserer strategischen Szenarien für die nächsten drei bis fünf Jahre definiert. Die SAA ist so konzipiert, dass sie nach Berücksichtigung aller Szenarien über den erwähnten Zeitraum das optimale erwartete Rendite-/Risikoprofil aufweist. Die taktische Allokation (TAA) stellt die vorübergehende Abweichung von der strategischen Positionierung in diesem speziellen Kontext dar. Die Umsetzung dieser taktischen Entscheidungen in den verschiedenen Anlageportfolios kann sich allerdings aufgrund bestimmter Faktoren wie etwa Investitionsrestriktion oder Liquiditäts-Überlegungen unterscheiden.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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