Die zu Jahresbeginn aufgetauchte globale Konjunkturpanik hat sich wieder gelegt, die Bewertungen bleiben akzeptabel und die Konjunkturdaten signalisieren eine gewisse zyklische Aufhellung. Im Rahmen einer weitgehend neutralen Risikoquote («Aktien-Beta») reduzieren wir daher unser Aktienuntergewicht in Asien und den Schwellenländern. Zudem eröffnen wir eine aktive GBP-Position. .….
Mikio Kumada
Unser makroökonomisches Basisszenario vom anämischen globalen Wachstum bleibt bestehen – allerdings mit etwas verbesserten Vorzeichen für die kommenden drei bis sechs Monate. Die US-Konjunktur neigt seit Jahren dazu, sich nach einem schwachen Jahresstart zu erholen und der global desinflationäre Effekt des Rohstoffpreisverfalls hat etwas nachgelassen. Geblieben ist auch das Risikoszenario einer globalen Rezession, z.B. ausgelöst von einer Kreditkrise und Konjunkturbruchlandung in China. Allerdings weisen wir dieser Möglichkeit jetzt eine geringere Wahrscheinlichkeit zu als zu Beginn des Jahres.
Aktien: Risikokontrollierte taktische Zukäufe
Auf Basis des nach unserer Einschätzung leicht aufgehellten Konjunkturausblicks sowie unseres ebenfalls generell tendenziell verbesserten Anlageklassen-Scorings bauen wir unsere bisher deutlich erhöhte Liquiditätsquote etwas ab und kaufen Aktien in den Emerging Markets (EM) und in Asien-Pazifik hinzu. Damit reduzieren wir unser bisher markantes taktisches Untergewicht in den Schwellenländern.
Seit Beginn des Jahres haben die Anleger ihre zuvor im Aggregat stark untergewichtete Positionierung in den wohl unbeliebtesten Investmentbereichen der letzten Zeit, d.h. Rohstoffen und Schwellenländern, bereits sukzessive zurückgefahren. Ob es sich hierbei einmal mehr nur um eine Bärenmarktrallye oder den Beginn einer langfristigen Trendumkehr handelt, bleibt aus unserer Sicht noch offen. Allerdings gab es in der Zwischenzeit einige erfreuliche zyklische Entwicklungen in den EM. Chinas zyklische Daten haben sich aufgehellt, während die inzwischen unterbewerteten EM-Währungen zu einer Erholung des Welthandels beitragen, was die Makroperspektiven der betroffenen Länder entsprechend stützt. Differenzierung bleibt in dieser breiten Länderkategorie jedoch wichtig. Wir bevorzugen weiterhin Indien, Mexiko und Polen und meiden Brasilien und Südafrika. Die meisten anderen EM, darunter China, Südkorea und Russland, finden sich in unserer Präferenzskala – wie bisher – zwischen diesen zwei Polen.
US-Aktienmarkt könnte vor einem Ausbruch nach oben stehen
Die globale Leitbörse USA befindet sich derzeit in einer sehr interessanten Situation: Der S&P 500 hält sich seit längerer Zeit knapp unterhalb seines Allzeithochs. Dies ist bemerkenswert, weil es an weithin bekannten Gegenwinden nicht mangelt. Die Unternehmen befinden sich in einer Ertragsrezession (Stichwort Ölpreiseinbruch) und es besteht Gewinnmargendruck, während sich die Geldpolitik in Richtung Straffung bewegt. Auch die Präsidentschaftswahl wirft Fragen auf. Diese Themen stimmen vorsichtig und die meisten Anleger sind in der Tat entsprechend positioniert. Nach einschlägigen Umfragen halten professionelle Investoren derzeit hohe Cash-Quoten und sind in US-Aktien unterinvestiert, während ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz der Privatanleger eher neutral abwartend positioniert ist. Wir könnten es also wieder einmal mit einer sprichwörtlichen «Wall of Worry» zu tun haben, welche am Ende oft übersprungen wird.
Die tatsächliche Gesamtpositionierung von US-Aktien bleibt aber übergewichtet, weil die USA mehr als die Hälfte des (ebenfalls wie bisher) übergewichteten globalen Aktiensegments ausmachen. Hingegen ist Europa auch als Einzelmarkt deutlich übergewichtet, während Japan derzeit neutral positioniert ist.
Übergewicht in den traditionellen Aktienmärkten in einem risikokontrollierten Rahmen
Zusammenfassend möchten wir derzeit unsere bereits recht markante taktische Übergewichtung der entwickelten Aktienmärkte unverändert belassen und reduzieren stattdessen unsere bisher erhebliche Untergewichtung der EM. In unserem Portfolio bedeutet dies, dass wir die Exponierung gegenüber der MSCI-Kategorie «Asien-Pazifik ohne Japan» (welche asiatische Schwellenländer einschliesst) und «globale EM» (GEM) erhöhen.
Anleihen: Gewinnmitnahme bei Investment Grade-Unternehmensanleihen
Im Segment Investment Grade-Unternehmensanleihen (IG) nehmen wir Gewinne mit. Mit der sehr guten Marktentwicklung seit Anfang Jahr haben sich die Spreads (d.h. Risikoprämien gegenüber den extrem tief oder sogar negativ verzinsten Staatsanleihen) verengt und die Anlageklasse hat damit einen Teil ihrer Attraktivität als alternativer Zufluchtsort überschüssiger Liquidität verloren. Unsere IG-Quote bleibt allerdings auch nach diesen Gewinnmitnahmen weiter übergewichtet.
Liquidität: Weiterhin hohe Reserven
Gleiches gilt auch für unsere Cashquote, die auch nach dem Abbau überdurchschnittlich hoch bleibt. Wir halten damit weiter ausreichend hohe Liquiditätsreserven, um gegebenenfalls jederzeit taktische Zukäufe tätigen zu können.
Alternative Anlagen: Keine Veränderungen
Unsere strategisch hohen Anteile an alternativen Investments bleiben auf taktischer Basis unverändert. Zwischen den zwei taktischen Präferenzpolen Real Estate Investment Trusts (REITs, übergewichtet) und Listed Private Equity (LPE) sowie Rohstoffe (jeweils untergewichtet) bleiben wir bei Versicherungsverbriefungen bzw. Insurance Linked Securities (ILS) im Einklang mit unserer strategischen Quote (SAA) positioniert. Die verschiedenen Strategien im Segment Hedgefonds (HF) rangieren insgesamt marginal unter Neutralposition.
Über alle bisher erwähnten Anlageklassen betrachtet lässt sich zusammenfassen: Unser Durationsrisiko ist im festverzinslichen Bereich unterdurchschnittlich, während wir bei Credit Spreads derzeit leicht übergewichtet positioniert sind. Die traditionellen öffentlichen Aktienmärkte sind übergewichtet. Das Gesamtaktienrisiko unserer Strategien («Aktienbeta») bleibt allerdings aufgrund unserer aktiven Positionierungen in den Bereichen LPE und Rohstoffe im neutralen Bereich.
Währungen: Yen und US-Dollar bleiben übergewichtet
Der japanische Yen bleibt deutlich übergewichtet. Unsere Scorings favorisieren Nippons Valuta von allen Währungen am deutlichsten. Fundamentale Unterbewertung und Marktkräfte wirken derzeit in die gleiche Richtung, während die Bank of Japan eine passive Haltung vorzieht. Zugleich halten wir allerdings an einem (reduzierten) taktischen USD-Übergewicht fest, trotz der Entschärfung der geldpolitischen Divergenzen. Als traditionelle «sichere Häfen» bieten zudem sowohl der JPY als auch der USD auch ein gewisses Mass an Absicherung gegen unerwartete negative Ereignisse, wie zum Beispiel eine mögliche Wiederaufnahme der Eurokrise.
Britisches Pfund: Zeit für eine Long-Position
Darüber hinaus initiieren wir eine taktische Übergewichtung im britischen Pfund. Wir gehen davon aus, dass sich die Briten mehrheitlich für den Verbleib in der Europäischen Union aussprechen werden. Das würde die politischen Faktoren, die seit geraumer Zeit das Pfund belasten, entfernen. Die britische Währung gehörte in den letzten sechs bis zwölf Monaten zu den schwächsten Hauptwährungen, obwohl Realwachstum, Inflation und Zinsniveau im Vereinigten Königreich höher sind als anderswo in der entwickelten Welt. So ist das Pfund nun fundamental unterbewertet, vor allem gegenüber dem USD, gefolgt vom Euro und dem Schweizer Franken.
Das Votum vorhersagen kann freilich niemand. Während Meinungsumfragen allerdings auf ein knappes Ergebnis hinweisen, zeigen Wettbüros eine klare und stetige Dominanz der Anhänger des EU-Verbleibs auf. Das Chancen-Risikoprofil spricht aus unserer Sicht jetzt jedenfalls in ausreichendem Masse für eine Long-Position im Pfund.
Im EUR und CHF bleiben wir weiterhin untergewichtet positioniert und finanzieren damit unsere Übergewichte. Die Gewichtung der anderen Währungen, darunter die der Schwellenländerwährungen, ist die direkte Folge der taktischen Positionierungen in den jeweiligen Märkten und Anlageklassen. Diese Positionierung steht jeweils gegenüber den verschiedenen Basiswährungen unserer Portfolios (Segment «andere Währungen» bleibt untergewichtet).
Quelle: AdvisorWorld.ch
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