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MFS IM: Bewertung von Anleihen – Warum der Einstiegszeitpunkt so wichtig ist

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MFS IM : Der Einstiegszeitpunkt ist nicht nur für taktische Investoren wichtig. Oft heißt es, dass sich nur taktische Investoren mit Einstiegszeitpunkten befassen sollten.

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Von Benoit Anne, Director Investment Solutions Group bei MFS Investment Management


Wir meinen hingegen, dass sie bei Anleihen auch langfristig sehr wichtig sind. Die Erträge von Anleihen hängen meist stark von den Einstiegsrenditen ab, denn die laufende Rendite ist meist die größte und stabilste Ertragskomponente.

Im Vergangenheitsvergleich sind die heutigen Anleihenrenditen recht attraktiv. In den letzten zehn Jahren waren sie nur selten höher als jetzt. Nach der jüngsten Zinskorrektur und der starken Spread-Ausweitung zählen sie im Vergangenheitsvergleich zu den höchsten 10% (Abbildung im Anhang). Im gesamten Anleihenuniversum sind die Renditen seit Jahresbeginn stark gestiegen – bei High Yield um über 400, bei Emerging-Market-Staatsanleihen um etwa 350 und bei Investmentgrade-Titeln je nach Region um 235 bis 245 Basispunkte.

Einstiegsrenditen sind für Erträge wichtig

Vergangenheitsdaten zeigen die Abhängigkeit der künftigen Erträge von den Einstiegsrenditen. So beträgt die Rendite amerikanischer Investmentgrade-Unternehmensanleihen zurzeit 4,69%. Bei Renditen zwischen 4,5% und 4,8% hat man in den folgenden fünf Jahren jährlich 0,3% bis 6,5% Ertrag erzielt, bei einem Median von 4,6% (Abbildung im Anhang). Der Grund für die in manchen Jahren – etwa 2003 und 2017 – sehr niedrigen Erträge war ein deutlicher Zinsanstieg in den folgenden Jahren. Damit rechnen wir jetzt aber nicht, zumal viele Anleger eher eine Rezession fürchten.

Internationale Anleihen scheinen günstig bewertet. Beim Global Aggregate Index ist der Zusammenhang zwischen Einstiegsrenditen und künftigen Erträgen ähnlich (Abbildung im Anhang). Weil die Rendite zurzeit 2,9% beträgt, haben wir Zeiträume mit Einstiegsrenditen zwischen 2,8% und 3,1% untersucht. In den folgenden fünf Jahren erzielte man dann jährlich 2,9% bis 4,9% Ertrag bei einem Median von 4,5%.

Auch bei Emerging-Market-Staatsanleihen ist der Einstiegszeitpunkt für strategische Investoren gut. Für Emerging-Market-Staatsanleihen, deren Renditen zurzeit 8,8% betragen, kommen wir ebenfalls zu ähnlichen Ergebnissen. Bei einer Einstiegsrendite zwischen 8,5% und 9,0% erzielte man in den folgenden fünf Jahren jährlich 3,4% bis 10,8% Ertrag bei einem Median von 7,2%.

Großer Puffer entstanden

Durch den weltweiten Renditeanstieg ist ein großer Puffer entstanden. Das zeigen die Breakeven-Renditen. Wenn die Anleihenrenditen auf dieses Niveau steigen, werden die Couponerträge eines Jahres durch den damit einhergehenden Kursverlust vollständig aufgezehrt. Steigen die Renditen noch weiter, wird der Gesamtertrag negativ. Je höher die Breakeven-Rendite ist, desto unwahrscheinlicher ist ein Verlust und desto besser ist ein Anleger vor den Folgen steigender Renditen geschützt. Die Breakeven-Renditen der meisten Anleihenmarktsegmente haben sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Besonders groß ist der Puffer bei amerikanischen und europäischen High-Yield-Anleihen. Hier müssten die Renditen um über 200 Basispunkte zulegen, damit man als Anleger im nächsten Jahr nichts mehr verdient.

Stresstests verdeutlichen den strategischen Nutzen von Anleihen. Die im Langfristvergleich attraktive Bewertung von Anleihen lässt sich auch mit einem Stresstest belegen. Anhand des Bloomberg US Aggregate Corporate Index untersuchen wir die Auswirkungen eines einmaligen Anstiegs der US-Staatsanleihenrenditen um 50 Basispunkte. Nach dem Anfangsverlust aufgrund des Zinsschocks erholt sich der simulierte Ertrag auf schließlich 4,5% p.a. nach zehn Jahren – denn die höheren Wiederanlagerenditen gleichen den Anfangsverlust aus (Abbildung im Anhang). Demzufolge entspräche der simulierte Zehnjahresertrag p.a. etwa der Einstiegsrendite. Auch das zeigt, wie wichtig sie für den Langfristertrag ist – und dass der Gesamtertrag von Anleihen maßgeblich vom laufenden Ertrag bestimmt wird.

Höhere Anleihequote sinnvoll

Wir halten die Bewertungen von Anleihen zurzeit für attraktiv, vor allem bei einem längeren Anlagehorizont. In den letzten zehn Jahren haben die niedrigen Renditen Investoren abgeschreckt. Manche haben ihre Anleihenquote verringert oder in Titel mit höheren Risiken investiert. Nach der anschließenden schwachen Performance überrascht es noch weniger, dass Anleihen aus der Mode gekommen sind. Der jüngste Rendite- und Spreadanstieg hat aber viel verändert. Jetzt sind die Bewertungen wesentlich besser. Für strategische Investoren kann eine höhere Anleihenquote daher interessant sein.

Quelle: BondWorld.ch


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