Ich verbrachte eben eine Woche auf der Insel, auf der eigentlich fast jeder deutsch spricht und sich im Mittel über das Jahr verteilt mehr Deutsche aufhalten als Mallorquiner. Keine Frage, auch Mallorca ist migrationsge-plagt, Ballermann lässt grüssen….
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Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen
Aber aus ökonomischer Warte ist es dies sicherlich in positiver Hinsicht. Denn die Deutschen sind die besten Kunden der Insel und lassen Jahr für Jahr sehr viel Geld dort liegen. Das stellt auch kein Mallorqui-ner ernsthaft in Frage, unabhängig davon, was er von den Deutschen halten mag. Im Gegenteil: manche Ent-gleisung wird den Deutschen leider nicht einmal mehr nachgetragen; sie geniessen eine hohe Toleranz in ihrem 17. Wunschbundesland.
Migration wird von der Bevölkerung der Zielländer aus zwei Gründen in hohem Masse akzeptiert. Erstens, wenn sie ökonomischen Nutzen stiftet. Das trifft auf Mallorca, wo das Pro-Kopf-Einkommen dank der Dauerbesetzung durch Deutsche und selbstverständlich auch Touristen aus anderen Ländern hoch ist, eindeutig zu. Sprich die Mallorquiner profitieren wirtschaftlich von der alljährli-chen Masseneinwanderung. Zweitens wird Migration dann akzeptiert, wenn humanitäre Not vorliegt, wie ak-tuell im Falle Syriens. Diese humanitäre Motivation hat aber ökonomische Grenzen, die allmählich greifbar wer-den.
Wenn Frau Merkel sagt(e) „wir schaffen das“, mag sie aus humanitärer Sicht Recht haben. Auch sie hat das Bild von dem kleinen Aylan gesehen und damit viel emotiona-les Momentum auf ihrer Seite. Ob „wir“ das aber auch ökonomisch und gesellschaftspolitisch verkraften, ist fraglich. Auf Dauer wird keine Belastung von einer Na-tion altruistisch hingenommen, wenn sie neben Dank-barkeit am weiten Horizont kein Quäntchen wirtschaftli-chen Erfolg verspricht. Mit der Zeit schwindet dann die Hilfsbereitschaft. Der Widerstand aus Bayern gegen die Praxis der offenen Grenzen mag politisch forsch sein, indem Ministerpräsident Horst Seehofer den Angela Merkel entgegengesetzten Standpunkt “mehr geht nicht” vertritt. Extrem ist dieser Standpunkt hingegen keines-wegs. Zumindest habe ich viele Deutsche gesprochen, die exakt diesen Standpunkt offen vertraten. So grundgü-tig wie in der ersten Aufnahmeeuphorie war die Stim-mung keineswegs mehr. Nicht dass die Bildzeitung das Mass der Dinge wäre, aber just letzte Woche haben von über 200’000 Bildlesern 86% den “mehr geht nicht” Standpunkt unterstützt. Angela Merkel, sonst stets um-sichtig und eher zögerlich unterwegs, fährt einen fast unverrückbaren Kurs in der Flüchtlingsfrage und geht dabei politisch ein für ihre Verhältnisse hohes Risiko ein. So entschieden ist ihr Kurs, dass sich das deutsche Han-delsblatt in der Wochenendausgabe fragte: wer ist Ange-la Merkel – Traumtänzerin oder Friedensengel?
Ökonomisch nicht zu rechtfertigen
Nicht nur breite Kreise der Bevölkerung, sondern auch die Wirtschaft hegen Zweifel, ob der momentane Kurs in Deutschland der richtige ist. Und so verblasst die humani-täre Aufnahmebereitschaft zusehend neben der nüchter-nen Frage nach der langfristigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Machbarkeit. Wohl auch deshalb wird jetzt intensiver über die Integration der Flüchtlinge und Flüchtigen diskutiert und ihre beruflichen Qualifikationen. Es steckt durchaus ein Investitionskalkül dahinter, wenn die Flüchtlingsfrage mit dem Fachkräftemangel am Ar-beitsmarkt verknüpft wird. Denn “schaffen” kann auch für Frau Merkel nicht heissen, auf Dauer zu teilen, son-dern über die erfolgreiche Integration der Menschen am Ende sogar etwas für die Wirtschaft zu tun, um nachhal-tige Wohlstandseinbussen aller zu vermeiden. Problema-tisch ist aber, dass die Qualifikationen der neu ange-kommenen Menschen Deutschlands Arbeitsmarktprofil eher schwächen. Dass darunter beruflich überdurch-schnittlich Qualifizierte sein mögen, gerade auch Syrer, ist unbestritten, doch auch hier ist es wieder die Masse, welche den Schnitt nach unten zieht. Eine selektive Zu-wanderung ist aber aus naheliegenden Gründen nicht möglich und daher wird das Pro-Kopf-Einkommen beein-trächtigt. Auch wenn das empirisch nur schwer nach-weisbar ist, dürfte der ökonomische Wert der Zuwande-rung (jeglicher Form) in hochentwickelten Volkswirtschaf-ten eher negativ sein. Gewiss ist aber der ökonomische Schaden der Zuwanderung für die Länder, aus welchen die Menschen fliehen, egal aus welchen Motiven. Dieser Aspekt wird viel zu wenig diskutiert. Denn selbst wenn unser Humankapital migrationsbedingt zunähme, was keineswegs erwiesen ist, nie würde es – auch nur annä-hernd – den Verlust desselben in den Ländern aufwiegen, denen die Menschen meist für immer den Rücken zukeh-ren.
Quelle: BONDWorld.ch
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