Abwärtsrisiken für China-BIP im 2. Halbjahr…
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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick
Die Situation im Schuldenstreit um Griechenland hat sich entspannt. Mit dem Beschluss von Spar-und Reformgeset-zen hat das griechische Parlament die erste Bedingung für Verhandlungen mit den Gläubigern über neue Kredite erfüllt. Die Eurogruppe hat sich anschliessend auf eine Brückenfinanzierung geeinigt, welche Griechenland die anstehende Rückzahlung der Schulden bei der EZB ermög-lichen soll. Zudem hat die Europäische Zentralbank die ELA-Kredite für den griechischen Bankensektor für eine Woche erhöht. Es lauern zwar noch weitere Stolpersteine. So müssen einige nationale Parlamente den Verhandlun-gen zustimmen und später dann auch das definitive Hilfs-programm absegnen. Ein positiver Ausgang ist jedoch das wahrscheinlichste Szenario, denn der politische Wille den Grexit zu verhindern, ist gross. Dennoch herrscht auf bei-den Seiten teilweise auch grosse Skepsis, ob ein neues Hilfsprogramm überhaupt sinnvoll ist. Nicht zuletzt beruht der aktuelle Plan in mancher Hinsicht auf Ideen, die bereits früher gescheitert sind. So ist beispielsweise fraglich, ob es Griechenland diesmal gelingt, 50 Milliarden Euros aus Pri-vatisierungen einzunehmen. Innenpolitisch werden die harten Auflagen der Gläubiger zudem weiterhin hohe Wel-len werfen. Ministerpräsident Tsipras ist auf Stimmen der Opposition angewiesen, was früher oder später zu Neu-wahlen führen dürfte. Der Grexit ist aber vorerst abgewen-det und so finden die Konjunkturdaten wieder etwas mehr Beachtung. Im Euroraum zeigt die Konjunkturdynamik derzeit einzig in Griechenland nach unten. Das wirtschaftli-che Umfeld im südeuropäischen Krisenland wird sicherlich weiter angespannt bleiben. Griechenland macht jedoch nur einen geringen Anteil an der Euroraum-Wirtschaft aus. Die Einkaufsmanagerindizes und das Konsumentenvertrauen in Resteuropa dürften nächste Woche daher auf solidem Niveau verharren.
Auch in China hat sich die Stimmung fürs Erste aufgehellt. Die Wirtschaft hat sich im Q2 stärker entwickelt als erwar-tet. Das Quartalswachstum des BIP verbesserte sich von 1.4% auf 1.7%, während die Jahresrate bei 7% blieb. Die Beschleunigung der Wachstumsdynamik liegt zu einem Teil an den fiskal- und geldpolitischen Massnahmen der letzten Monate. So ist der Wachstumsbeitrag der Investitionen vor allem auf staatliche Infrastrukturprojekte zurückzuführen. Davon abgesehen sind die Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor aber weiterhin weniger dyna-misch. Auf der anderen Seite ist der Konsum überraschend deutlich gestiegen. Das Einkommenswachstum hat sich aber weiter zurückgebildet – ein Anzeichen dafür, dass der Börsenboom zum Konsumwachstum beigetragen haben dürfte. Auch ohne diesen Effekt hat die bis Mitte Juli anhal-tende Aktienhausse im Q1 und Q2 je 0.5 Prozentpunkte zum Jahreswachstum von 7% beigetragen. Das liegt daran, dass der Umsatz der Aktienbroker enorm angestiegen ist und direkt in die BIP-Berechnung einfliesst.
Mit dem jüngsten Platzen der Aktienblase ergeben sich damit automatisch Abwärtsrisiken für das BIP-Wachstum im weiteren Jahresverlauf. Dies könnte sich bereits nächste Woche im Einkaufsmanagerindex zeigen. Daneben bleibt auch der Immobilienmarkt ein Unsicherheitsfaktor, auch wenn die nationalen Häuserpreise und die Verkaufszahlen dank Stimulusmassnahmen zuletzt wieder gestiegen sind. Der Regierung gelingt es zwar immer wieder die Konjunk-tur mit der Geld- und Fiskalpolitik kurzfristig zu beleben. Die Korrektur der Ungleichgewichte in der Wirtschaft wird damit aber nur aufgeschoben. Ähnliches gilt für die Ak-tienmärkte, die nach wie vor sehr hoch bewertet sind und weiter stark schwanken.
Währenddessen sind die jüngsten Konjunkturindikatoren in den USA gemischt ausgefallen. Die Detailhandelsumsätze im Juni waren erstmals seit Februar wieder rückläufig. Andererseits hat sich die Industrieproduktion klar erholt. In der Summe deuten die Daten aber weiterhin auf ein solides BIP-Wachstum im Q2 hin. Dies hat auch Fed-Vorsitzende Janet Yellen bei ihrer Anhörung vor dem US-Kongress be-stätigt. Daneben hat sie nochmals betont, dass mit einer Zinserhöhung im zweiten Halbjahr zu rechnen ist. Zudem antwortete sie auf eine entsprechende Frage eine frühere Zinserhöhung habe den Vorteil, dass die Gefahr geringer sei, später den Leitzins schneller anheben zu müssen. An den Markterwartungen zur Zinserhöhung hat dies jedoch nichts geändert. Nach wie vor wird nur ein Zinsschritt bis Ende Jahr erwartet, was auch unser Basisszenario ist.
Source: BONDWorld.ch
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