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ODDO BHF : Obligationen – Chancen in einem Hochzinsumfeld

ODDO BHF : Die Obligationenmärkte haben sich in letzter Zeit auf die sinkende Inflation und die sich abschwächenden Wachstumsaussichten fokussiert.

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Bastian Gries, Globaler Leiter Investment Grade & Asset Allocation bei ODDO BHF


Die Geldpolitik der EZB ist mit einem Leitzins von 4,5 % restriktiv, was sich auch schon in der Realwirtschaft niederschlägt. Die Wirtschaftstätigkeit wird in den kommenden Quartalen schwach bleiben, dessen ist sich auch die EZB bewusst. Derzeit rechnen die Märkte mit mehreren Zinssenkungen noch in diesem Jahr. Dies scheint keine überzogene Prognose zu sein, vor allem wenn sich die Konjunkturabschwächung als etwas ausgeprägter erweisen sollte als bisher erwartet. Vor diesem Hintergrund bleiben die Bewertungen von Obligationen attraktiv und dürften mittelfristig ein gutes Aufwärtspotenzial bieten. Anleihen sollten daher in ausgewogenen Portfolios wieder eine wichtige Rolle spielen.

Unternehmensanleihen mit gutem Risiko-Rendite-Profil

Unternehmensobligationen bieten in diesem Jahr ein gutes Risiko-Rendite-Profil – sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich. Allerdings gilt es bei der Auswahl die Kreditwürdigkeit der Unternehmen und sektorale Besonderheiten zu berücksichtigen zu beachten. Die Immobilienbranche beispielsweise steckt bis auf weiteres in der Krise, weshalb hier die möglichen Erträge nicht für die Risiken entschädigen. Insgesamt ist eine auf den Fundamentaldaten basierende Kreditselektion daher unerlässlich. Die Obligationenmärkte 2024 dürften weiter an Boden gutmachen. Insbesondere Erträge von Unternehmensobligationen in Höhe von 4-6 % erscheinen unabhängig vom makroökonomischen Szenario dank der nach wie vor vorhandenen soliden Puffer durchaus realistisch.

Investment-Grade-Obligationen erzielten im vergangenen Jahr eine Rendite von rund 8 %, was auf niedrigere Kreditspreads und sinkende Basisrenditen zurückzuführen war. Auch der europäische Markt für Hochzinsanleihen (HEAE-Index ICE BofA Euro Non-Financial Fixed & Floating Rate High Yield Constrained) zeigte 2023 mit einem Plus von über 12 % eine starke Performance wobei sich die Spreads um mehr als 100 Basispunkte verringerten. Abgesehen von leichten vorübergehenden Schwächen im Februar/März aufgrund der Turbulenzen um SVB (Silicon Valley Bank), Credit Suisse und im Oktober aufgrund der Eskalation im Nahen Osten zeigten alle Monate eine positive Performance. Insbesondere die letzten beiden Monate des Jahres sahen starke Kursgewinne, da der Markt über bevorstehende Zinssenkungen bei sinkender Inflation und einer fragilen gesamtwirtschaftlichen Situation spekulierte.

Aussichten für 2024

Das Wachstum in Europa dürfte sich weiter abschwächen. Vor allem in den ersten beiden Quartalen könnte die Wirtschaft aufgrund der anhaltend hohen Energiekosten und eines sehr fragilen Konsumverhaltens unter Druck geraten. In der zweiten Jahreshälfte könnten dann höhere Reallöhne und niedrigere Zinssätze zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage führen. Der weltweite Rückgang der Inflation wird es den Zentralbanken ermöglichen, die Zinssätze zu senken. Der Zeitpunkt dafür scheint jedoch sehr ungewiss und könnte zu Enttäuschungen auf den Kapitalmärkten führen. Die hohe Staatsverschuldung und die anhaltende Unberechenbarkeit der geopolitischen Lage bergen ein Volatilitätspotenzial.

Das Renditeniveau von 3,6 % (vom 31.12.2023) für Investment-Grade-Credit bietet einen starken Carry, insbesondere wenn man mögliche Zinssenkungen im Laufe des Jahres berücksichtigt. Der Markt hat ein Soft-Landing-Szenario mit einem disinflationären Trend eingepreist, der die Inflation in Richtung der Zentralbankziele zurückführt. Dabei ist eine Wachstumsverlangsamung bereits eingepreist, nicht jedoch eine Rezession. Im Falle einer stärkeren Rezession dürften die zugrunde liegenden Renditeniveaus weiter sinken und könnten einen Ausgleich für potenziell höhere Kreditspreads bieten.

Die Bedingungen und die Qualität des europäischen High-Yield-Marktes bleiben unterdessen gut: über 60% der Emissionen liegen im BB-Bereich und Ratingveränderungen fielen eher positiv aus (mehr Herauf- als Herabstufungen). Bis auf Unternehmen im Immobiliensektor, in dem die meisten zukünftigen Ausfälle erwartet werden, ist die Liquidität der Unternehmen zufriedenstellend und zukünftige Fälligkeiten können frühzeitig refinanziert werden. Es ist eine gute Neuemissionsaktivität im High-Yield-Markt für das Jahr 2024 zu erwarten.

Risiken beachten

Zu den Risikofaktoren, die vorübergehend zu einer Ausweitung der Spreads führen könnten, gehört ein unerwartet starker Wirtschaftsabschwung. Emittenten von Euro-Investment-Grade-Obligationen weisen jedoch im Durchschnitt eine gute Kreditqualität auf und verfügen über einen relativ geringen Verschuldungsgrad und hohe Liquiditätspuffer, die sie in den letzten Jahren aufgebaut haben. Daher sind die meisten Unternehmen grundsätzlich gut positioniert, um eine Phase der wirtschaftlichen Schwäche zu überstehen. Dennoch bleibt die fundamentale Kreditauswahl in einem Umfeld hoher Energiekosten und einer schwachen Verbrauchernachfrage entscheidend. Der Schwerpunkt einer Investition sollte auf Unternehmen liegen, die über ein robustes Geschäftsmodell verfügen und in der Lage sind, einer möglichen Konsumschwäche mit einer moderaten Verschuldung zu begegnen oder diese schnell zu reduzieren.

Quelle: InvestmentWorld.ch


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