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Robeco Outlook juli 2015 : Chinesische Aktien werden von der Realität eingeholt

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Lukas Daalder Anleger, die auf die Entwicklung in Griechenland fixiert sind, übersehen eine viel größere Gefahr, nämlich dass der 8 Billionen US-Dollar schwere chinesische Aktienmarkt implodieren könnte, warnt Lukas Daalder, Leiter Portfoliostrukturierung bei Robeco....….


Lukas Daalder von Robeco


In aller Kürze:

Chinesische Aktien verlieren innerhalb von drei Wochen ein Drittel ihres Werts.

Die Rallye war durch Privatanleger mit wenig Erfahrung befeuert worden.

Chinas Regierung greift ein, bevor die Dinge aus dem Ruder laufen.

Nach einer erstaunlichen, 18 Monate dauernden Hausse haben chinesische Aktien in den drei Wochen seit Mitte Juni ein Drittel ihres Werts verloren. Ein großes Problem ist dabei, dass diese Rallye von Millionen von einfachen chinesischen Bürgern befeuert wurde, die Aktiendepots eröffnet hatten, um schnelles Geld zu machen, ohne jedoch unbedingt Zugang zu Anlageberatung zu haben.

Auch wenn Griechenland weiter die Schlagzeilen beherrscht: Chinas Aktienmarkt hat ein Volumen, das 34 Mal größer ist als Griechenlands BIP und 23 Mal so groß wie der Schuldenberg des EU-Landes – auch nach der jüngsten Korrektur der Aktienkurse.

Der plötzliche Wertverlust hat Angst vor einer Neuauflage des Crashs von 2008 aufkommen lassen, auch wenn Chinas Behörden wahrscheinlich weitere Maßnahmen zur Dämpfung der Kursverluste ergreifen werden, nachdem sie am Wochenende zusätzliche Liquidität in den Markt gepumpt haben, sagt Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions.

Seiner Ansicht nach sollte der plötzliche Kursrückgang an Chinas Börse eigentlich keine Überraschung sein, weil sich das Bewertungsniveau vieler Aktien weit von den zugrunde liegenden Gewinnen entfernt hatten. Und auch wenn es derzeit eine gewisse Loslösung zwischen Bewertung und Gewinnen gibt, wächst Chinas Wirtschaft tatsächlich nach wie vor stark.

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Je größer der Anstieg, desto tiefer der Fall Quelle: Bloomberg, Robeco.

„Viele Argumente wurden vorgebracht, um die Rallye zu erklären: Wirtschaftsreformen, Zinssenkungen, niedriges Bewertungsniveau der Aktien (zumindest anfänglich) und eine Verlagerung von Spekulationsgeldern vom Immobilien- an den Aktienmarkt”, sagt Daalder. „Ein Argument fehlt aber, nämlich die Rolle der zugrunde liegenden Wirtschaft und die Frage, wie weit die Rallye auf Fundamentaldaten basierte.”

In China selbst gibt es zwei Börsen, nämlich eine größere in Shanghai und eine kleinere in Shenzen, die durch den Shanghai Composite Index bzw. den Shenzen Composite Index abgebildet werden. Zusammen kommen beide Indizes zurzeit auf eine Börsenkapitalisierung von 8,5 Billionen US-Dollar und machen Chinas Aktienmarkt damit zum zweitgrößten der Welt – nach den USA.

A-Aktien „führen ihr eigenes Leben”
„Eine Besonderheit des chinesischen Aktienmarkts ist, dass der Handel mit den sogenannten A-Aktien chinesischen Bürgern vorbehalten ist. Deshalb führen diese Märkte oft ihr eigenes Leben und weisen nur eine geringe Korrelation zu anderen Indizes wie dem MSCI China, dem Hongkonger Hang Seng Index oder dem MSCI World auf.”

Laut Daalder zeigt sich dies klar an der Entwicklung der Aktienkurse beider Börsen in den letzten 18 Monaten. Seit Jahresbeginn 2014 hat sich der Shenzen Index um fast 200 % erhöht, während der Shanghai Index ein Plus von 146 % erreicht hat. Der MSCI China hat sich in diesem Zeitraum dagegen nur um 35 % verbessert.

„Diese Rallye hat dazu geführt, dass die Marktkapitalisierung der Börsen in Festland-China Ende Mai die Marke von 10 Billionen US-Dollar durchbrach. Damit handelt es sich um den stärksten 18-monatigen Anstieg der absoluten Marktkapitalisierung, der bisher verzeichnet wurde. Dieser übertrifft sogar die Wertentwicklung an der NASDAQ in den Jahren 1998-2000”, stellt Daalder fest. „Die Rallye dauerte bis Mitte Juni – seitdem geht es abwärts. In nur 14 Handelstagen verlor der Markt mehr als 20 % seines Werts und hat damit vermutlich einen weiteren Rekord für eine große Börse aufgestellt.”

„Das war der stärkste 18-monatige Kursanstieg, der bisher verzeichnet wurde”

Loslösung von der Produktion

Nach Daalders Ansicht hat sich der Markt von Aktienkursgewinnen entfernt, die die Konjunktur widerspiegeln, wodurch in Teilen des Markts Blasen entstanden sind: „Dies wird bspw. ersichtlich, wenn man sich die Beziehung zwischen dem Shanghai Composite Index und dem Einkaufsmanagerindex ansieht, in dem das Erzeugervertrauen zum Ausdruck kommt und der als ein eher verlässlicher Konjunkturindikator gilt.”

Die unten stehende Grafik zeigt, dass die Rallye der Jahre 2008 und 2009 (und der anschließende Kursrückgang) eng an die konjunkturelle Entwicklung gekoppelt war. Dies ist aktuell nicht der Fall.

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Grafik 1 Vorsicht Stufe: Aktienkursgewinne haben sich von der Wirtschaft losgelöst. Quelle: Bloomberg, Robeco.

Warum hat die Rallye bei chinesischen Aktien denn dann so lange angehalten? „Teilweise hängt dies mit der Erwartung niedrigerer Kreditzinsen zusammen, mit denen Chinas Behörden versucht haben, die Wirtschaft erneut zu stimulieren”, erklärt Daalder. „Diese Erwartung hat sich als richtig erwiesen; denn die verschiedenen Kreditzinssätze wurden in den letzten Monaten tatsächlich sukzessive gesenkt. Die letzte Zinssenkung von Ende Juni hat dem Aktienmarkt aber keinen weiteren Auftrieb gegeben.”

„Die eigentliche Antriebskraft war und ist jedoch das rasant zunehmende Interesse chinesischer Privatanleger. Allein im April und Mai wurden 14 Millionen Wertpapierdepots angelegt, über die Privatkunden mit chinesischen A-Aktien handeln können. Ein wichtiger Aspekt ist, dass viele dieser neuen Anleger ihre Aktienkäufe mit geliehenem Geld finanziert haben, was zu einer starken Zunahme offizieller und auch weniger offizieller Kreditfazilitäten geführt hat. Ein weiterer maßgeblicher Aspekt ist die fehlende Erfahrung vieler dieser Börsenneulinge. Wir haben hier ein klassisches Beispiel für den Herdentrieb.”

„Viele dieser neuen Anleger haben ihre Aktienkäufe mit geliehenem Geld finanziert”

Platzende Blasen an den Finanzmärkten sind nach wie vor schmerzhaft

Die Ergebnisse für diese Neulinge in Sachen Kapitalanlage könnten sehr ernüchternd sein, warnt Daalder. „Ein Aktienmarkt, an dem die Kurse losgelöst von den Fundamentaldaten kräftig ansteigen und der von Anlegern befeuert wird, die sich der bestehenden Risiken vermutlich nicht bewusst sind und die ihre Wertpapierkäufe mit Krediten finanzieren: das klingt wie eine klassische Blase. Eine Blase, die – wenn man sich die Verkaufswelle in den letzten drei Wochen ansieht – gerade dabei ist zu platzen.”

„Und wie wir in den letzten Jahrzehnten gelernt haben, ist das Platzen einer Blase eine schmerzhafte Angelegenheit. Die daraus resultierende Vernichtung von Vermögen, der Schuldenüberhang und die Konkursfälle behindern allesamt das Wirtschaftswachstum. Und auch wenn wir hier von einem lokalen Ereignis sprechen, sollten wir nicht vergessen, dass davon die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt betroffen ist.”

Daalder hält es immer noch für recht wahrscheinlich, dass Chinas Behörden handeln werden, damit die Situation nicht außer Kontrolle gerät. Das hat sich auch am letzten Wochenende gezeigt, als die Regierung zusätzliche Liquidität in den Markt gepumpt hat, sodass Börsenmakler Aktienkäufe auf Einschuss finanzieren können.

„Wegen der negativen Übertragungseffekte für die gesamte chinesische Wirtschaft erwarten wir, dass die Behörden auch weiterhin soweit wie möglich intervenieren werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie versuchen werden, den Aktienmarkt wieder auf das Niveau von Mitte Juni zu bringen. Aber sie haben ein klares Interesse, die derzeit am Markt herrschende Volatilität zu reduzieren.”

 Quelle:  AdvisorWorld.ch

 


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